Finnensiedlung

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Häuser der Finnensiedlung

Die Finnensiedlung ist eine denkmalgeschützte Wohnsiedlung in Köln-Höhenhaus in unmittelbarer Nähe des Dünnwalder Waldes. Die vollständig als Holzhaussiedlung ausgeführte Kölner Wohnanlage entstand ab 1944 und umfasst 158 Holzhäuser.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingt durch Entstehungszeit und wahrscheinliche Umstände, ist die Quellenlage zu der sogenannten Finnensiedlung in Köln-Höhenhaus sehr schlecht. Schriftliche Dokumente waren bereits in den 1980er Jahren nicht greifbar, Befragungen von Anwohnern, stilistische Einschätzungen und der eingebürgerte Namen der Siedlung bilden die Grundlage für mehrere Versionen ihrer Gründung.

Nach einer Version gelangten die Baumaterialien zur Errichtung der Siedlung während des Zweiten Weltkriegs aus Finnland nach Köln, nach einer anderen sollen sie ein Geschenk der finnischen Reichsregierung für die Hilfe der deutschen SS während des finnisch-norwegischen Krieges 1939/40 gewesen sein.[1] Tatsächlich hielt sich das Deutsche Reich aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts aber mit Hilfen zu Gunsten von Finnland in deren Winterkrieg 1939/40 mit der Sowjetunion zurück. Erst in dem sogenannten Fortsetzungskrieg versuchte Finnland nun mit deutscher Unterstützung, zuvor an die UdSSR verlorene Gebiete zurückzugewinnen. Am 26. Juni 1944, also in der Zeit der Siedlungsbegründung, wurde mit dem Ryti-Ribbentrop-Vertrag zwischen der Republik Finnland und dem Deutschen Reich de facto ein Militärbündnis geschlossen, das aber letztlich nicht mehr vollzogen wurde. Gesicherte Belege für den Transport einer solchen Menge Baumaterials in den Jahren 1943/44 von Finnland nach Deutschland konnten bislang nicht gefunden werden.

Die nach ihrem Gesamtgrundriss die Form eines Finnendolchs[1] bildende Siedlung entstand als Hilfe für in der Kölner Altstadt ausgebombte Familien unter dem Stichnamen „Neue Heimat“.[2] Zur Ausführung der Arbeiten wurden dabei, möglicherweise über die Deutsche Arbeitsfront (DAF), Zwangsarbeiter herangezogen. Die DAF trat nach 1940 mehrfach als Bauherr rechtsrheinischer Kölner Wohnanlagen im Sinne von Hitlers „Sozialem Wohnungsbau“ auf.[3]

Die Siedlung, deren Bau 1944 begonnen wurde, war als östliche Erweiterung Teil der in Höhenhaus ab 1932 geplanten Erwerbslosensiedlung, deren Ausführung dann unter den Nationalsozialisten forciert wurde und in ihrem Hauptteil bis 1939 abgeschlossen wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Bauten im Wege der Selbsthilfe von Bombengeschädigten und Kriegsheimkehrern fertiggestellt. Eigentümer war die „Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft Rheinland“; inzwischen befinden sich aber alle Objekte in Privatbesitz.

In der weitgehend noch geschlossen erhaltenen Siedlung (nur zwei Häuser brannten in den 1950er Jahren und 1986 ab) finden vereinzelt Fernsehdreharbeiten statt.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unterkellerten Doppelhäuser wurden auf Grundstücken von etwa 400 m² Größe errichtet. Die traufständigen Bauten sind mit einem Satteldach nebst Dachgaupe gedeckt und verfügten im Innern ursprünglich nicht über ein Bad, sondern lediglich eine Waschküche im Keller. Der Holzaufbau besteht aus dunkel gebeiztem Holz, das ihm in Verbindung mit den weiß abgesetzten Tür- und Fensteröffnungen ein skandinavisches[4] Aussehen verlieh. Insbesondere seit ihrer Veräusserung erfuhren die Wohnhäuser Modernisierungen der Sanitäranlagen, Fenster und Türen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ähnliche vollständig als Holzhaussiedlung ausgeführte Wohnanlage befindet sich im heute zu Köln gehörenden Stadtteil Zündorf. Diese wurde in den Jahren 1941 bis 1943 erbaut und umfasste ursprünglich 40 Doppelhaushälften in den Straßen Kinkelsmaarweg und Kirschweg. Sie wurden 1969 durch die Bundesvermögensstelle Wahn an die Mieter verkauft. Die meisten Häuser der "Schwarzen Siedlung" wurden später verklinkert oder verkleidet, sodass der ursprüngliche Siedlungscharakter heute weitergehend verloren gegangen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Heinen, Anne-Marie Pfeffer: Köln: Siedlungen 1888-1988. (=Stadtspuren. Denkmäler in Köln. Band 10.1) J. P. Bachem, Köln 1988, ISBN 3-7616-0929-9, S. 292, 298-300.
  • Werner Heinen: Die Kölner Siedlungen. In: Köln-seine Bauten 1928-1988. Hrsg. vom Architekten- und Ingenieurverein Köln e.V. von 1875 in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln, J. P. Bachem Verlag, Köln 1991, ISBN 3-7616-1074-2, S. 372.
  • Henriette Meynen (Historische Texte): Denkmälerverzeichnis. 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim) Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0461-7, S. 68.
  • Jürgen Wilhelm: Das grosse Köln Lexikon. (=Beiträge zur kölnischen Geschichte, Sprache und Eigenart. Heimatverein Alt-Köln, Band 77) Greven Verlag, Köln 2005, ISBN 3-7743-0355-X, S. 211.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Werner Heinen, Anne-Marie Pfeffer: Köln: Siedlungen 1888-1988. (=Stadtspuren. Denkmäler in Köln. Band 10.1) J. P. Bachem, Köln 1988, ISBN 3-7616-0929-9, S. 298.
  2. Henriette Meynen (Historische Texte): Denkmälerverzeichnis. 12.7 Köln Stadtbezirk 9 (Mülheim) Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Rheinland Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0461-7, S. 68.
  3. Werner Heinen: Die Kölner Siedlungen. In: Köln-seine Bauten 1928-1988. Hrsg. vom Architekten- und Ingenieurverein Köln e.V. von 1875 in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln, J. P. Bachem Verlag, Köln 1991, ISBN 3-7616-1074-2, S. 372.
  4. http://www.ksta.de/servlet/OriginalContentServer?pagename=ksta/ksArtikel/Druckfassung&aid=1082385795605

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Finnensiedlung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 59′ 34″ N, 7° 2′ 31″ O