Fleißkärtchen

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Als Fleißkärtchen (auch Fleißbildchen, Fleißbilletts oder Lobzettel) bezeichnet man die in der Grundschulpädagogik als Belohnung und Motivation an Schüler ausgegebenen Karten oder Bildchen.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleißkärtchen aus dem Schulmuseum Nürnberg

Das älteste nachweisbare Fleißbildchen wurde 1783 in Form eines dekorativen Kupferstichblättchens an einer Hamburger Schule ausgegeben.[1] Seine Beschriftung lautet: "Beweis, dass Vorzeiger dieses, mein lieber Schüler sich diese Zeit über in meiner Schule ganz besonders gut verhalten …". Im 19. Jahrhundert wurden die Stiche und Holzschnitte von lithographierten Bildchen abgelöst und seit etwa 1870 erlaubten die auf Schnellpressen gedruckten Chromolithographien eine massenhafte, preisgünstige Herstellung. Ihre Bedeutung als ein von Kindern erstrebenswerter Besitz und einer gehüteten Kostbarkeit muss vor dem Hintergrund einer weitgehenden Bilderlosigkeit der damaligen Alltagsumgebung gesehen werden.

Typische Inschriften, wie „Dem Fleiße“ oder „Fahre fort, fleissig und folgsam zu sein!“ gaben den Fleißkärtchen eine eindeutige Bestimmung, ihre Funktion konnte aber auch, z. B. in katholischen Schulen durch kleine Andachtsbildchen erfüllt werden. Im protestantischen Umfeld spielten die Fleißkärtchen keine geringere Rolle, wie die in den USA ab etwa 1800 zunächst nur an Sonntagsschulen verteilten rewards of merit zeigen, bevor sie auch dort an Grundschulen zum Erziehungsmittel wurden. Bis in die 1950er Jahre waren Fleißkärtchen (wie auch andere entsprechende Belohnungsformen, Stempelkärtchen u. ä.) unangefochten in Gebrauch.

Die Fleißkärtchen heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen ist das Fleißkärtchen im Sinne einer Belohnung für Fleiß und Gehorsam aus dem Schulwesen weitgehend verschwunden. Das Wort hat sich jedoch in die Metaphern der deutschen Sprache gerettet und wird meist ironisch gebraucht, wenn man eine erbrachte Leistung bewertet, deren intellektuellen Wert man eher gering einschätzt.

Eintrag in einem ostdeutschen Mitteilungsheft mit Bienchen als Auszeichnung „für vorbildliches Verhalten“ (1986)

Auch heute werden jedoch durchaus noch Fleißkärtchen hergestellt und in Schulen benutzt (siehe die Angebote zahlreicher Internetanbieter). Sie dienen wie früher zur Motivation, Bekräftigung und Belohnung von Verhaltensweisen von Schülern, nur werden nicht mehr blinder Gehorsam und sturer Fleiß belohnt, sondern soziale Fähigkeiten oder auch besondere schulische Leistungen. Die Kärtchen sind oft kindgerecht künstlerisch gestaltet und mit pädagogischen Sinnsprüchen versehen, manchmal lassen sie sich auch zu einem größeren Motiv nach Art eines Puzzles zusammenlegen, so dass ein Anreiz zum Sammeln entsteht. Als fleißkärtchenähnliche Belohnungsformen werden auch Motivstempel (z. B. Bienen) oder Aufklebesternchen verwendet.

Das Gleiche gilt für Andachtsbildchen, die im kirchlichen Unterricht (Kommunionunterricht, Sonntagsschule, Kindergottesdienst) verwendet wurden, um gute Teilnahme zu belohnen. Ebenfalls in diesen Zusammenhang gehören Oblatenbildchen, die unter Schülerinnen und Schülern getauscht und in Poesiealben eingeklebt wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Real-Encyclopädie des Erziehungs- und Unterrichtswesens nach katholischen Principien, 1863, S. 630–632 (Digitalisat).
  • Thomas Roth: Fleißbillets. In: Christa Pieske: ABC des Luxuspapiers, Herstellung, Verbreitung und Gebrauch 1860-1930. Museum für deutsche Volkskunde, Berlin 1983, ISBN 3-88609-123-6, S. 123–125

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fleißkärtchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Roth: Fleißbillets. In: Christa Pieske: ABC des Luxuspapiers, Herstellung, Verbreitung und Gebrauch 1860-1930. Museum für deutsche Volkskunde, Berlin 1983, S. 123 f., mit Beschreibung, allerdings ohne Standortnachweis.