Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart

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Institutsgebäude des FKFS im Pfaffenwaldring 12, Stuttgart

Das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) wurde 1930 als unabhängiges Forschungsinstitut gegründet und ist seither als Ingenieurdienstleister und Partner der internationalen Automobil- und Zuliefererindustrie tätig. Die Geschäftsbereiche sind Kraftfahrwesen, Kraftfahrzeugmechatronik und Fahrzeugantriebe.

Das Institut ist eine unabhängige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart. Das FKFS kooperiert eng mit dem Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen IVK der Universität Stuttgart.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftfahrwesen Kraftfahrzeugmechatronik Fahrzeugantriebe
Fahrzeugaerodynamik und Thermomanagement Elektronik Thermodynamik und Brennverfahren
Fahrzeugakustik und -schwingungen Software Abgasanalytik und Entwicklungstools
Fahrzeugtechnik und Fahrdynamik Motorakustik und Motormechanik
Querschnittsprojekte und High Performance Computing Prüfstandstechnik
Windkanalbetrieb 0D/1D-Simulation / 3D-CFD-Simulation
FKFS Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart 2015 01.jpg

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je ein Vorstand ist für die Bereiche Kraftfahrwesen (seit 1998: Jochen Wiedemann), Kraftfahrzeugmechatronik (seit 2004: Hans-Christian Reuss) und Fahrzeugantriebe (seit 1998: Michael Bargende) zuständig.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über 150 Mitarbeiter führen Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den Bereichen Antrieb, Fahrzeug, Fahrzeugmechatronik und Elektromobilität durch. Der Jahresumsatz lag 2015 bei fast 20 Mio Euro.

Das Forschungsinstitut verfügt über hoch spezialisierte Prüfstände. Eigene, am FKFS entwickelte Mess-, Prüf- und Simulationsverfahren ermöglichen die Lösung komplexer Problemstellungen der Automobilentwicklung. Das Institut betreibt einen der modernsten aeroakustischen 1:1 Fahrzeugwindkanäle der Welt mit Straßenfahrtsimulation durch ein 5-Band-System sowie einen 1:4 und 1:5 Modellwindkanal, die ebenfalls mit Straßenfahrtsimulation ausgerüstet sind. Er wurde 2014 umfangreich modernisiert. Ein Thermowindkanal und spezielle Messfahrzeuge erlauben Fahrdynamik- und Verschmutzungsuntersuchungen sowie Messungen zu Fahrleistung und Verbrauch. Für Untersuchungen zur Fahrzeugakustik und Schwingungen stehen ein servohydraulischer 4-Stempel-Prüfstand, ein Fahrzeuggeräusch-Prüfstand und ein Laser-Scanning-Vibrometer zur Verfügung.

Im Bereich Fahrzeugantriebe stehen 19 Standard- und Instationärprüfstände bereit, deren Leistungsspektrum von einem Kleinmotorenprüfstand mit 12 kW und 30.000 min-1 bis zu einem Nfz-Motorenprüfstand mit 700 kW und 3.700 min-1 reicht. Außerdem verfügt das Institut über einen 2010 eingeweihten Antriebsstrang- und Hybridprüfstand mit Bordnetzsimulation. Testsysteme für vernetzte Kfz-Elektronik, Steuergeräte-Softwareentwicklung, Entwicklung von Simulatoren und neuer Software-Werkzeuge sind die Schwerpunkte des Bereichs Kraftfahrzeugmechatronik.

Weiterhin wurde 2014 Europas größter Fahrsimulator an einer Forschungseinrichtung am Institut eingeweiht. Öffentlich und selbst finanzierte Forschungsaktivitäten sowie die direkte Einbindung in Lehrtätigkeiten der Universität Stuttgart ergänzen die Aufgaben des Instituts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1930 gründete Wunibald Kamm, der erste Ordinarius für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren an der Technischen Hochschule Stuttgart, das private und gemeinnützige Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart – FKFS. Er entwickelte mit dem K-Wagen den Prototyp eines aerodynamisch innovativen Personenwagens und baute den ersten 1:1-Windkanal für Kraftfahrzeuge.

Nach 1945 wurde das Institut unter Kamms Nachfolger, Paul Riekert wiederaufgebaut. Nachdem die Schäden des Zweiten Weltkrieges behoben waren, konnte der Windkanal von der Automobilindustrie genutzt werden. Dies war ein entscheidender Beitrag zur Führungsposition Deutschlands auf dem Gebiet der Kraftfahrzeug-Aerodynamik. Riekert führte seine Arbeiten zur Fahrzeugdynamik fort und entwickelte den Stuttgarter Reibungsmesser zur Messung der Griffigkeit der Reifen-Fahrbahn-Kombination.

1971 übernahm Ulf Essers den Lehrstuhl für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren der Universität Stuttgart und wurde in Personalunion Direktor des FKFS. Neben seinen Aufgaben in Forschung und Lehre plante er den Institutsneubau auf dem Universitätsgelände in Stuttgart-Vaihingen. Die Räume wurden 1978 bezogen und 1988 um eine Windkanalanlage mit einem Modellwindkanal und einem Fahrzeugwindkanal erweitert. Essers begründete den neuen Forschungsschwerpunkt Geräuschminderung an Kraftfahrzeugen und Motoren. Neben zahlreichen Projekten zur Geräuschminderung an Motoren und Reifen wurden mehrere lärmarme Nutzfahrzeuge entwickelt und in Prototypen dargestellt. 1993 wurde der Fahrzeugwindkanal zum Aeroakustik-Kanal aufgerüstet und damit zum leistungsfähigsten Aeroakustik-Fahrzeugwindkanal Europas.

1998 folgte Jochen Wiedemann als Nachfolger von Essers auf den Lehrstuhl Kraftfahrwesen. Im gleichen Jahr wurde Michael Bargende auf den Lehrstuhl Verbrennungsmotoren (seit 2011 Fahrzeugantriebe) berufen. Die gewünschte Ergänzung erfolgte mit der Übernahme des Lehrstuhls Kraftfahrzeugmechatronik durch Hans-Christian Reuss im Jahr 2004. Die drei Professoren sind Vorstandsmitglieder des FKFS, der Vorsitz wechselt alle zwei Jahre.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart FKFS (Hrsg.): 75 Jahre FKFS - ein Rückblick. Eine Chronik des Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart aus Anlass seines 75-jährigen Bestehens 1930–2005. Recherchiert und aufbereitet von Jürgen Potthoff und Ulf Essers mit Beiträgen von Helmut Maier und Ute Grau/Barbara Guttmann. FKFS, Stuttgart 2005, ISBN 3-924860-30-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 44′ 59,6″ N, 9° 6′ 50,4″ O