Franz Roeckle

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Franz Roeckle (* 15. Dezember 1879 in Vaduz; † 23. Dezember 1953 ebenda) war ein lange Zeit in Deutschland tätiger Liechtensteiner Architekt.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westendsynagoge

Nach dem Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart arbeitete Franz Roeckle seit 1908 als Architekt in Frankfurt am Main. So war er in den ersten Jahren unter anderem für den Bau der Westend-Synagoge in Frankfurt und einer weiteren Synagoge in Offenbach sowie für das israelitische Kranken- und Schwesternhaus in Frankfurt-Bornheim verantwortlich.

Roeckle entwarf 1924 den spätexpressionistischen burgartigen Bau des Institut für Sozialforschung an der damaligen Viktoria-Allee (im Krieg zerstört, heute Senckenberg-Anlage). In der Amtszeit von Stadtbaurat Ernst May war er an Entwurf und Realisierung einiger Wohnsiedlungen maßgeblich beteiligt, die May städtebaulich vorgeplant hatte: Als seine bedeutendste Leistung gilt die Heimatsiedlung. Auch an der Planung der Gärtnersiedlung „Im Teller“, sowie der erst 1932 nach Mays Weggang aus Frankfurt realisiertes Siedlung Goldstein war Roeckle beteiligt. Im Rahmen dieser Projekte des „Neuen Frankfurts“ setzte er, auch wegen des steigenden Kostendrucks, innovative Baustoffe und Bauverfahren ein. Nach traditionell geprägten Anfängen ist Roeckle während der 1920er Jahre einer der Protagonisten des „Neuen Bauens“. Anfang 1928 war er Gründungsmitglied der Vereinigung Frankfurter Architekten „Die Gruppe“. Über das Leben und Werk des Architekten Franz Roeckle ist vergleichsweise wenig bekannt. In Frankfurt war er neben seinem architektonischen Hauptwerk, der Heimatsiedlung, an der Planung und Durchführung verschiedener anderer Wohnanlagen (Hallgartenblock 1924–1926, An der Hügelstraße, Baugruppe Komba, 1926 und 1929; Raimundstraße, Baublock Mavest, 1926 und 1929) beteiligt. An der an Vorplanung der Gartenstadt Goldstein (1930) wirkte er als Privatarchitekt mit.

Bekannter ist sein Engagement in der planerisch von Walter Gropius und Otto Haesler verantworteten Mustersiedlung in Karlsruhe-Dammerstock. Im Rahmen dieser Ausstellungssiedlung errichtete er zeitgleich zur Heimatsiedlung die drei Bauabschnitte der Heimat AG. An dieser von Gropius, Haesler und ihm geplanten und durch drei Wohnungsbaugesellschaften errichteten Mustersiedlung hat er mit rund 30 Prozent den größten Einzelanteil. Ähnlichkeiten der von ihm geplanten langen Hauszeile zur Heimatsiedlung sind offenkundig. Der Autor Dietrich-Wilhelm Dreysse hob 1988 hervor: „Bei den meisten seiner Bauten fällt auf, dass sich Roeckle mit seiner Formensprache von der seiner Zeitgenossen absetzte. Waren es zu Anfang in erster Linie eine kubische, der Antike entlehnte Formgebung und eine derbe Materialbehandlung, so waren es später mit dem Neuen Bauen einige, zum Teil recht pfiffige Architekturelemente, mit denen er den Gebrauchswert der Wohnung steigerte. Er war es, der den Wintergarten für den sozialen Wohnungsbau entdeckte.“[1]

Mit seinem Entwurf des Rathauses für seine Heimatstadt Vaduz wendet er sich 1932 vom Neuen Bauen ab und dem traditionalistischen Heimatschutzstil zu.

Roeckle war bereits 1923 Gönner der im Aufbau befindlichen NSDAP, der er 1932 beitrat.[2] Bei Nachforschungen für seine Dissertation hat der in Frankfurt arbeitende Architekt Henryk Isenberg ermittelt, dass Roeckle an der am 5. April 1933 in Vaduz erfolgten Entführung der wegen des Vorwurfs eines betrügerischen Bankrotts aus Berlin geflohenen jüdischen Theaterunternehmer Alfred und Fritz Rotter beteiligt war, in deren Verlauf Alfred Rotter und seine Frau durch einen Absturz ums Leben kamen. Der Bruder Fritz Rotter und seine Begleiterin wurden schwer verletzt. Die antisemitisch und nationalsozialistisch motivierte Entführung hatte anscheinend zum Ziel, die Brüder Rotter der deutschen Gerichtsbarkeit auszuliefern. Roeckle und drei weitere Liechtensteiner Bürger wurden angeklagt und zu geringen Strafen verurteilt [3].

Bauten und Entwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus in Vaduz
Wohnhausgruppe Raimundstraße, Frankfurt-Dornbusch
  • Wettbewerb 1906, Ausführung 1908–1910: Westend-Synagoge, Frankfurt-Westend, Altkönigstraße
  • 1910: Wettbewerbsentwurf für ein Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück (gemeinsam mit dem Frankfurter Bildhauer Karl Wiedmann; nicht prämiert)[4]
  • 1911–1914: israelitisches Krankenhaus, Frankfurt-Bornheim, Bornheimer Landwehr (gemeinsam mit Fritz Voggenberger (1884–1924))
  • vor 1913: Wohngebäude, Ansbach
  • 1924: Institut für Sozialforschung, Frankfurt
  • 1926: Büro- und Geschäftshaus, Frankfurt-Mitte, Braubachstraße 14/16 (gemeinsam mit Hermann Senf)
  • 1926: Wohnhausgruppe in der Siedlung Raimundstraße, Frankfurt-Dornbusch
  • 1926–1930: Wohnhausgruppe Hügelstraße, Eschersheimer Landstraße (gemeinsam mit Ludwig Bernoully, Gottlob Schaupp, Karl Ollson)
  • 1932–1933: Rathaus Vaduz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich-Wilhelm Dreysse: Architektur. Form folgt Funktion folgt Form. Eine Betrachtung zur Architektur der Heimatsiedlung, S. 13. In: Mietergenossenschaft Heimat (Hrsg.): 60 Jahre Heimatsiedlung. Frankfurt am Main 1988, S. 10–20.
  2. Sacha Roesler: Festung der Wissenschaft. Das erste Gebäude des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und sein mehrdeutiger Charakter, in: Neue Zürcher Zeitung vom 3. November 2012, S. 65.
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Dezember 2009, S. 43.
  4. Max Schmid (Hrsg.): Hundert Entwürfe aus dem Wettbewerb für das Bismarck-National-Denkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück-Bingen. Düsseldorfer Verlagsanstalt, Düsseldorf 1911. (n. pag.)