Friedensfürst

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Friedensfürst (Friedefürst) ist ein Hoheitstitel in Jes 9,5 EU des christlichen Alten Testaments und der jüdischen Bibel. Es handelt sich um ein kurzes Zitat aus dem längeren biblischen Kontext einer Prophezeiung Jesaias. Das Verständnis dieser Stelle ist in der christlichen Tradition gänzlich anders als in der jüdischen.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.

Jes 9,5 EU, christliches AT, Einheitsübersetzung

Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns gegeben, und die Herrschaft wird auf seiner Schulter ruhen; der Wundersame Ratgeber, Allmächtige Gott, Ewiger Vater, nannte seinen Namen Sar-Schalom (Prinz des Friedens);

Jes 9,5 EU, jüdischer Tanach[1]

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aussage wird in der christlichen Liturgie als Prophezeiung auf Christus bezogen und ist in der Lesung am Heiligabend enthalten.

Aufnahme fand der Titel u. a. in der auf einem Choral basierenden Bachkantate Du Friedefürst, Herr Jesu Christ (BWV 116) und dem Black Gospel Down by the Riverside sowie in dem Adventslied Tochter Zion, freue dich.

Herrscher, die eine friedensstiftenden Politik betreiben, wurden ehrenhalber mit dem Beinamen Friedensfürst betitelt. So wurde der spanische Fürst und Premierminister Manuel de Godoy (1767–1851) Príncipe de la Paz genannt.

Nach Teilen christlicher Tradition war diese Prophezeiung Jesajas in den Jahren von wahrscheinlich 4 v. Chr. bis 30 oder 31 durch den jüdischen Wanderprediger Jesus von Nazaret erfüllt worden.

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach jüdischer Tradition ist mit Sar-Schalom (Prinz des Friedes) der gerechte israelische König Hiskija gemeint, in dessen Tage der Untergang des assyrischen Weltreiches, seinerzeit regiert von Sanherib, durch Jesaja prophezeit worden war.[1] Gemäß jüdischer Tradition war diese Prophezeiung Jesajas in den Jahren von 727 v. Chr. bis 698 v. Chr. erfüllt worden, als Hiskija König von Juda gewesen war.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Übersetzung nach: Nosson Scherman (Ed.) ; contributing editors, Yaakov Blinder, Avie Gold, Meir Zlotowitz ; designed by Sheah Brander: Tanakh = Tanach : Torah, Neviʼim, Ketuvim : the Torah, Prophets, Writings : the twenty-four books of the Bible, newly translated and annotated, 1st student size ed., Stone ed.. Auflage, Mesorah Publications, Brooklyn, N.Y. 1998, ISBN 1578191092. Siehe dort auch Kommentar zu Isa 9:5, Seite 968ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]