Friedrich Hübner

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Friedrich Hübner (Mitte) bei der Amtseinführung von Propst Kraft in Kiel 1966

Christoph Friedrich Wilhelm Hübner (* 25. Juni 1911 in Bangalore, Indien; † 6. Juni 1991 in Kiel) war ein evangelischer Theologe, Missionar, Pastor und Kirchenfunktionär. Er war Bischof des Sprengels Holstein der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein bzw. für den Sprengel Holstein-Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche mit Sitz in Kiel.

Leben und Wirken[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Hübner wurde 1911 in Bangalore (Indien) als Sohn eines Missionars geboren. Nach Internierung und Repatriierung seiner Familie infolge des Ersten Weltkrieges bestand er 1930 sein Abitur in Altona.

Er studierte von 1930 bis 1934 Theologie in Bethel, Erlangen, Tübingen und Kiel und legte Ostern 1934 seine erste theologische Prüfung ab. Nach dem Vikariat in Kiel und Bethel promovierte er 1935 zum Lic. theol. mit einer Dissertation über Natürliche Theologie und theokratische Schwärmerei bei Melanchthon bei dem lutherischen Dogmatiker Professor Werner Elert in Erlangen. Zugleich bestand er die zweite theologische Prüfung im Herbst 1935 in Kiel.

Als schleswig-holsteinischer Kandidat der Bekennenden Kirche wurde er 1935 durch Landesbischof August Marahrens in Harburg ordiniert, arbeitete für kurze Zeit als Provinzialvikar (Hilfsgeistlicher) in Boldixum/Föhr und ging dann 1935 als Assistent zu Professor Edmund Schlink nach Bethel. 1937 wurde er selbst als Missionar der Breklumer Mission nach Koraput/Indien in die Jeypore-Kirche ausgesandt. Dort heiratete er seine Frau Christa; gemeinsam bekamen sie im Laufe der Zeit fünf Kinder.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde er in Indien von den Briten interniert und kehrte 1946 zusammen mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Er arbeitete 1947 kurz im Reise- und Vertretungsdienst für die Breklumer Missionsgesellschaft und als kommissarischer Pastor in Albersdorf, ab 15. Februar 1948 als Pastor an St. Nicolai in Boldixum.

Von 1950 bis 1962 wirkte er als Oberkirchenrat im Lutherischen Kirchenamt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Hannover. Er war dort Auslandsreferent für Diaspora, Mission und Ökumene. Auf Weltkirchenkonferenzen, Vollversammlungen des Lutherischen Weltbundes (LWB) und in mannigfachen kirchlichen Ämtern (u. a. Mitglied, später Vorsitzender des Lateinamerika-Komitees des LWB) vertiefte er über 30 Jahre seine ökumenischen Erfahrungen und brachte sie in die konkrete kirchliche Arbeit ein, wovon zahlreiche Veröffentlichungen (s. u.) Zeugnis ablegen.

Von 1950 bis 1961 war er Vorsitzender des Hannoverschen Martin-Luther-Bundes; von 1950 bis 1981 arbeitete er (zeitweilig in Leitungsfunktionen) im Theologischen Konvent Augsburgischen Bekenntnisses mit, der die Fuldaer Hefte herausbrachte; und von 1956 bis 1981 war er Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Von 1962 bis 1964 war er Propst von Stormarn und Mitglied der Generalsynode der VELKD. Er wurde am 11. Januar 1963 zum Vertreter des Landespropstes für Südholstein ernannt.

1964 wählte ihn die Landessynode der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holstein zum Bischof für Holstein. Von 1964 bis 1967 war er Bevollmächtigter für das Evangelische Hilfswerk und Vorsitzender des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein. Von 1967 bis 1976 war er Vorsitzender der schleswig-holsteinischen Kirchenleitung. 1976 erschien zu seinem 65. Geburtstag eine zusammenfassende Veröffentlichung eines Teils seiner Aufsätze unter dem Titel „Volkskirche im Feuer ökumenischer Kritik“ (s. u.).

1977 wurde er im Bischofsamt für den Sprengel Holstein-Lübeck der inzwischen gebildeten Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche (NEK) mit Sitz in Kiel bestätigt. Vorsitzender der Kirchenleitung der NEK war er von 1978 bis 1979. Er wurde am 1. Oktober 1981 emeritiert und verstarb am 6. Juni 1991 in Kiel.

Herausforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seine Zeit als Bischof zunächst der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holstein, dann der Nordelbischen Ev.-Luth Kirche (NEK) fallen:

Das theologische Fazit seines Ringens um die Freiheit der Kirche von politischen Machtstrukturen faßte Bischof Hübner in der Advents- und Fastenzeit 1974/75 so zusammen:

„Die einzige Kategorie für das Pastorenamt in der Kirche ist die durch die Heilige Schrift und das Bekenntnis unserer Kirche begründete Bindung an Jesus Christus als unseren Herrn. Hierin sind Freiheit und Dienst unseres Amtes begründet. Wer sich zu diesem Herrn bekennt, weil der Herr sich zu ihm bekannt hat, der kann in der Kirche Dienst tun, ohne daß nach seinen politischen Überzeugungen gefragt wird. Wird aber dieses Bekenntnis zu Jesus von einem angehenden oder schon ordinierten Pastor der Landeskirche infrage gestellt, verfälscht oder verleugnet, dann muß die Gemeinde Jesu Christi als ganze in all ihren Organen darauf bedacht sein, um der Bindung an diesen Herrn willen sich solcher Glieder anzunehmen und ihnen zurecht zu helfen mit viel Liebe und Geduld; aber sie ist auch verpflichtet, in solchen gemeinschaftlichen Klärungsprozessen Entscheidungen zu treffen, ob ein Dienst in der Kirche noch sinnvoll ist oder nicht. Das einzig gültige Kriterium in solchen Entscheidungsfällen ist die Predigt vom Kreuz Jesu Christi. Das Wort vom Kreuz war und bleibt den einen ein Ärgernis und den anderen eine Torheit, ob es sich nun um Juden und Griechen oder um Rechte und Linke handelt. Wer Jesus Christus als göttliche Kraft und göttliche Weisheit nicht mehr zu unterscheiden versteht von allen anderen religiösen und sozialen und politischen Kräften, Weisheiten und Zielvorstellungen, der sollte nicht für das Amt der Kirche in Pflicht genommen werden.“

Aus dem Brief des Bischofs für Holstein in der Advents- und Fastenzeit 1974/75, Seite 7, Nr. 12.

Schriften[22][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Natürliche Theologie und theokratische Schwärmerei bei Melanchthon. Gütersloh 1936 (Dissertation).
  • Die lebendige Gemeinde in den Ordnungen der Welt (= Luthertum, Heft 6), Berlin 1952.[23]
  • Das Konzil als Leitbild für ökumenische Konferenzen. In: Festschrift für Werner Elert. LVH, Berlin 1955, S. 387ff.
  • Konsensus und Dissensus de doctrina in Union und Ökumene (= Fuldaer Hefte, Heft 8). LVH, Berlin 1955.
  • Sendung und Einheit der Kirche. In: „Gott ist am Werk“, Festschrift für Bischof D. Hanns Lilje. Furche-Verlag Hamburg, 1959, S. 55ff.
  • Die Selbständigkeit der Gemeinde im nordelbischen Raum. In: „Ich glaube an eine heilige Kirche“. Festschrift für Hans Asmussen. Ev. Verlagswerk Stuttgart und LVH Berlin 1963.
  • „pura doctrina“ − mögliche Vielfalt und häretische Entartung (= Fuldaer Hefte, Heft 19). LVH, Berlin 1969.
  • Neue Strukturen der Einheit. Erwägungen zur Organisation des deutschen Protestantismus (Generalsynode VELKD, Mai 1969, Augsburg; „Zur Sache“, Heft 3, LVH Hamburg, 1970)
  • Kirchenreform mit Martin Luther oder Thomas Müntzer (= Schriften des Vereins f. Schl.-Holst. Kirchengeschichte II, 28. Band). 1972
  • „Weißt du nicht, daß Gottes Güte dich zur Umkehr treibt?“ Fastenbrief des Bischofs für Holstein in der Advents- und Fastenzeit 1974/75.
  • Volkskirche im Feuer ökumenischer Kritik. Breklum 1976. (In diesem Band sind die o.a. kursiv gesetzten Beiträge abgedruckt. Es handelt sich um eine Dankesgabe der Kirchenleitung und des Landeskirchenamtes der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche zum 65. Geburtstag von Bischof Dr. Friedrich Hübner am 25. Juni 1976.)
  • Die „Barmer Theologische Erklärung“ von 1934 als bleibende Herausforderung für die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche und die Ökumene. In: Klauspeter Reumann (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in den evangelischen Landeskirchen Schleswig-Holsteins. Karl Wachholtz, Neumünster 1988, S. 361–380.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkschrift für D. Werner Elert. Beiträge zur historischen und systematischen Theologie, Berlin 1955 (mit Bibliographie).
  • Hans Asmussen. Leben und Werk, Berlin 1973 ff. Band III,1: Aufsätze 1 (1927–1934), Berlin 1976; Band IV: Kleine Schriften, Berlin 1973.
  • Indische Väter der Jeypore-Kirche: Die ersten 28 Pastoren berichten selbst von den Anfängen, gesammelt und übersetzt von Gregor Rath-Indien und Dr. Friedrich Hübner, Breklum 1989.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die reformatorische Ineinssetzung von Pastor und Bischof als Träger des Dienstes der Verkündigung wird durch die Geschichte der Alten Kirche völlig gedeckt. Wer aber verkündigen soll, kann nicht herrschen, sondern soll nur dienen in Lehre und Wandel.“

Friedrich Hübner: Bischofsamt und Apostolizität der Kirche. In: Friedrich Hübner: Volkskirche im Feuer ökumenischer Kritik. Breklum 1976, S. 274.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Hübner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Annette Göhres/ Ulrich Stenzel/ Peter Unruh, Bischöfinnen und Bischöfe in Nordelbien 1924–2008, Kiel: Luth. Verlagsgesellschaft 2008, S. 62–63.
  2. Holger Hoffman dokumentierte in der ersten Nummer von „Zwischen den Zeilen“ (ZdZ) unter der Überschrift: „Gelenkte Information“ den unkritischen Verlautbarungsjournalismus in der Landeskirche durch den Evangelischen Pressedienst, im Konvent Kirchlicher Mitarbeiter und in der Kirchenzeitung „Kirche der Heimat“. Zum Beispiel der vom Konvent nicht gedruckte Artikel von Heinz Fast „Theologia semper reformanda“ über die auf der Lutherischen Konferenz in Flensburg im Februar 1966 durch Bischof Hübner unterdrückte Diskussion zu den theologischen Grundlagen der Vertriebenendenkschrift (Memento des Originals vom 5. März 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ekd.de, insbesondere die nicht aufgegriffenen Fragen von Propst Knuth zur Zwei-Reiche-Lehre Luthers im Zusammenhang mit den theologischen Grundlagen der politischen Mitverantwortung der Kirche. (Jens-Hinrich Pörksen, „Die 68er“ Pastoren in Flensburg 1963–1969, Kiel 2009, S. 16)
  3. Bischof Wester von Schleswig und Bischof Hübner von Holstein widersprachen den fünf Thesen der drei Pastoren von St. Marien Krause, Friedrichs und Jastram, ebenso die Kieler Theologieprofessoren Redeker, Kraft, Meinhold, Göbell, Hoffmann und Heubach; die Professoren Beyerlin, Engelland, Hahn, Klein, Maass und Schultz bestätigten die Flensburger Thesen im Grundsatz. (Jens-Hinrich Pörksen, „Die 68er“ Pastoren in Flensburg 1963–1969, Kiel 2009, S. 18 und 22)
  4. Dieter Andresen, Kiel 1968, in: Schleswig-Holstein 1+2/92, S. 43–46; Dieter Andresen, Kiel 1968. Theologische Identität und linke Opposition, in: Nordelbische Stimmen 12/2008, S. 4–24.
  5. Im Mai 1964 bestand das Flensburger Pastorenteam zunächst aus den fünf Pastoren, die das Team gegründet hatten: Holger Hoffmann, Jens-Hinrich Pörksen, Karl Ludwig Kohlwage, Gerhard Jastram und Heinz Fast. Ende 1965 war schließlich das Team komplett: Klaus Juhl und Dieter Andresen verstärkten das Team. „In dieser Zusammensetzung … haben wir die aufregenden drei Jahre von 1966 bis 1968 in Flensburg erlebt und gestaltet.“ (Jens-Hinrich Pörksen, „Die 68er“ Pastoren in Flensburg 1963–1969, Kiel 2009, S. 11 und 15)
  6. Das Positive an dem vom Team veranstalteten Pastorentag war die unerwartet hohe Zahl von 350 Pastoren und Pastorinnen, die am 4. November 1968 nach Flensburg gekommen waren, um am Pastorentag teilzunehmen. Damit hatten wir nicht gerechnet“. In dem selbstkritischen Bericht über diesen Theologentag schrieb Gerhard Jastram (ZdZ Nr. 10. November 1968, S. 29): „Die vielleicht größte Enttäuschung dieses Tages verursachte bei der Referentin (Dorothee Sölle) und unter den aktivsten der Gäste die Tatsache, dass sich die Flensburger einer immer wieder geforderten Formierung der kirchlichen Linken widersetzten. Zweifellos muss man zugeben, dass die Gelegenheit zu einer solchen Formation kaum je so günstig war und auch sein wird wie an diesem Tag, wo ein erheblicher Prozentsatz der in der Landeskirche arbeitenden Theologen beisammen war. Dabei war das Unisono-Nein der Flensburger zu dieser Frage mit unter den Voten dieses Tages, die wirklich gut begründet, weil nämlich schon lange durchreflektiert waren“. In der Tat wir im Team konnten uns mit der „Gott-ist-tot-Theologie“ Dorothee Sölles nicht anfreunden und uns auch nicht darauf verständigen, uns ihrer Forderung nach einer umfassenden Politisierung der Verkündigung und der kirchlichen Arbeit anzuschließen. Gemeinsam erkannten wir mit den Jahren immer deutlicher die Mitverantwortung der Kirche für Veränderungen in der Gesellschaft. Wir waren uns aber im Team nicht mehr einig in der Frage, ob überhaupt oder inwieweit wir zu notwendigen Erneuerungen und Veränderungen in Kirche und Gesellschaft in unserem normalen Amt als Gemeindepastor und innerhalb der bestehenden Strukturen der Kirche einen Beitrag leisten können“. In seinem Wort zum Montag sagte Dieter Andresen auf dem Theologentag: „Wir müssen nicht die Begleitonkel und Zeremonienmeister bleiben, als die man uns gerne sieht.“ Das Evangelium zeigt und fordert andere Wege: es ist „Anleitung zum Ungehorsam“ – unter Umständen auch mit der Folge, dieses Amt zu verlassen, wenn seine Struktur das Engagement für den gesellschaftlichen Wandel nicht mehr ermöglicht. Aber das muss jeder für sich selbst beantworten“ (ebd. S. 21). (Jens-Hinrich Pörksen, „Die 68er“ Pastoren in Flensburg 1963–1969, Kiel 2009, S. 30)
  7. Bischof Hübner hatte in seinem Bericht als Vorsitzender der Kirchenleitung auf der 36. Landessynode in Rendsburg am 11. November 1968 die Flensburger Pastorengruppe hart kritisiert und stellte sich nun am 16. Dezember zusammen mit Bischof Petersen und Oberkirchenrat Jensen in Flensburg der öffentlichen Diskussion mit den Pastoren Fast und Juhl. Ich zitiere aus den Berichten von NDR und Flensburger Tageblatt über diesen Abend. Im ersten Teil der Diskussion ging es um einen, wie der Bischof einräumte, „ungeschickt“ formulierten Erlass des Kultusministers zum Reformationsgottesdienst für Schüler. Der Erlass erweckte den Eindruck, dass Schüler/innen bis 14 Jahren zum Reformationsgottesdienst zwangsverpflichtet werden. Die Mehrheit der Pastoren in Flensburg lehnte es ab, ausgerechnet am Reformationstag einen Gottesdienst als Zwangsveranstaltung zu halten. Es wird zugesagt, dass mit der Landesregierung darüber neu gesprochen wird. Scharf wurde die Diskussion, als es um die Zukunft der Volkskirche ging, „als Oberkirchenrat Jensen … unter Beifall ausrief, er habe den Eindruck, dass die Pastoren Fast, Juhl und ihre Freunde „auf eine Aushöhlung der Volkskirche zu wollen“. Juhl habe kürzlich für die Abschaffung der zweiten kirchlichen Feiertage plädiert. Fast habe gesagt, die Volkskirche beginne bereits „mit einer großen Lüge, der Taufe.“ … Fast: „Mir macht Sorge, daß Sie nicht sehen, wie aufgelöst die Volkskirche längst ist“ (starker Beifall). Oberkirchenrat Jensen sei noch von einem Optimismus befallen, „den wir nicht mehr teilen“. … Juhl mit einer „unbescheidenen, aber wichtigen Frage“ an den Bischof: „Wo betreiben Sie selbst die notwendige Erneuerung, wo sind Ihre Initiativen?“ Ein weiterer Diskussionspunkt war Bischof Hübners deutliche Kritik in seinem Bericht der Kirchenleitung an dem Flensburger Theologentag mit Frau Dr. Sölle. Hübner. „Er sehe einen Säkularismus, eine Anpassung an die Welt, bei der man der Welt das Evangelium nicht mehr bringt – „man studiere nicht Theologie, um sich als Hans-Dampf in allen Gassen zu bewähren.“ Juhl: „Auch die Orthodoxen verfälschen des Evangelium, indem sie es „bei sich behalten.“ Gefahren gebe es auf beiden Seiten „in jedem Augenblick, wo das Evangelium gepredigt wird.“ Fast: „Nicht wir, sondern der ist ein Hans-Dampf, der, ohne Psychologie und Soziologie zu kennen, seinen theologischen Spruch macht. Wir wollen den Menschen kennen, den wir anreden.“ Im zweiten Teil der Veranstaltung dürfen die Hörer ihre Fragen stellen. Der Abend endet erst nach Mitternacht mit einem Schlusswort von Propst Knuth. Zum Schluss noch zwei Zitate des Abends: Bischof Hübner: „Der „Ruhm“ von Flensburg ist groß genug, dass er auch kritische Anmerkungen verträgt.“ Bischof Petersen als Diskussionsleiter: „Wir haben die Reformation nie hinter uns, sondern immer vor uns.“ (Jens-Hinrich Pörksen, „Die 68er“ Pastoren in Flensburg 1963–1969, Kiel 2009, S. 31)
  8. Wolf-Dietrich Bukow, Das Elend der sozialistischen Opposition in der Kirche. Celler Konferenz – Theologie als Gesellschaftstheorie? München 1969 (Theol. Existenz heute 162); Karl-Werner Bühler, Sozialistische Opposition in der Kirche? Über die zweite „Celler Konferenz“, in: Lutherische Monatshefte 8/1969, S. 284–287; Theologiestudenten 1969. Dokumente einer revolutionären Generation, Stuttgart: Ev. Verlagswerk 1969.
  9. THEOLOGEN / OPPOSITION: Rote Bibeln. In: Der Spiegel. Nr. 14, 1969 (online31. März 1969).
  10. nds:Dieter Andresen
  11. a b Klaus Blaschke, Das Verfassungsrecht der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Kiel 11. Aufl. 2008.
  12. Gothart Magaard, Das „Preetzer Modell“. Skizze seiner Entwicklung, in: Gothart Magaard/ Gerhard Ulrich (Hg.), 100 Jahre Predigerseminar Preetz. Eine Festschrift, Kiel: Luth. Verlagsgesellschaft 1996, S. 63–84.
  13. Alf Schreyer, Kirche in Stormarn. Geschichte eines Kirchenkreises und seiner Gemeinden, Hamburg: M + K Hansa 1981, S. 114 ff.
  14. Nordelbischer Arbeitskreis Kirche (Hg.), Radikalen-Erlass in der Kirche! Der EKD-Beschluss vom 28. Mai 1973. Vorgeschichte, Hintergründe, Analysen, Hamburg 21973 (Kontakt: Wolfgang Grell). Nachruf auf Wolfgang Grell: http://www.epd.de/nord/nord_index_75256.html@1@2Vorlage:Toter Link/www.epd.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  15. K.-H. Lechner (Hg.), Dokumentation über den Kongress „Für eine parteiliche Gemeindearbeit“ vom 10. Dezember 1973 in Hamburg, Januar 1974; vgl. dazu: http://infoarchiv-norderstedt.org/dataview.action?categoryId=news&articleId=1227448901180@1@2Vorlage:Toter Link/infoarchiv-norderstedt.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  16. Siehe die epd-Dokumentationen 32/74: „Polit-Pastoren von Schleswig-Holstein im Konflikt mit der Kieler Kirchenleitung“ und 56/74: „Der Abgang der Polit-Pastoren von Schleswig-Holstein – neue Phase der Auseinandersetzung“. Vgl. auch: Jens Motschmann/ Helmut Matthies (Hgf.), Rotbuch Kirche, Stuttgart: Seewald 1976, bes. S. 49–75.
  17. Vor allem jugendliche Teile der evangelischen Gemeinden in Hamburg-Bramfeld (Pastorin Edda Groth), Quickborn/Ellerau (Pastor Eckard Gallmeier) und Norderstedt (Pastor Karl-Helmut Lechner) wurden teilweise in den KBW bzw. dessen Massenorganisationen überführt. Bischof Hübner: „Pastoren verraten die Freiheit des Evangeliums, wenn sie zu Anwälten politischer Gewaltrevolution werden.“ (Adventsbrief 1973 und Advents- und Fastenbrief 1974/75)
  18. Bischof Hübner antwortete auf die Frage, ob ein Gemeinde-Pfarrer Mitglied der DKP sein könne: „Als Staatsbürger ja, solange die DKP in der Bundesrepublik zugelassen ist, als Pastor und Prediger des Evangeliums nein, weil niemand zwei Herren dienen kann.“ Kieler Nachrichten vom 6. März 1974.
  19. Hans Schwalbach, Bezirksvorsitzender der ÖTV in Kiel: „Einige Vikare wurden verdächtigt, im Fahrwasser der Chaoten zu schwimmen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Einer der Vikare, die den Eintritt in die ÖTV begehrten, war Mitglied der KPD/ML, kandidierte für den AStA in Hamburg und arbeitete später für die KPD/ML, trat allerdings aus. Wir meinen, dass hier ein Mangel an Erfahrung vorliegt und vielleicht auch ein Mangel an politischer Reife. Und wir würden diese Kinderkrankheiten gern entschuldigen. Nach der vorläufigen Ablehnung der Vikare jedoch ließen sie die Katze aus dem Sack. Sie verbanden sich mit dem AStA Kiel, sie verbanden sich mit Unorganisierten, und mit Unterschriftensammlungen versuchten sie, die Öffentlichkeit gegen die ÖTV zu mobilisieren. Das sind Methoden, die in der Gewerkschaftsbewegung nicht üblich sind. Und hiermit bringen diese Leute die Voraussetzungen für eine kollegiale Zusammenarbeit nicht mit. Die ÖTV lässt sich nicht unter Druck setzen.“ Bischof Hübner: „Das Gespenst des Berufsverbotes läuft um in Deutschland und wirkt sich auch in der Kirche aus. Meines Erachtens ist es in der Kirche ein völlig anderer Fall als im staatlichen Dienst. Soweit die Gewerkschaften und staatliche Instanzen politisch Nachprüfungen vornehmen müssen, ist das nicht unser Fall. Wir erwarten ein theologisches Examen und kein politisches Examen. Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass die Kirche von Anfang an gefragt gewesen ist, ob sie falschen Propheten zum Opfer fällt, und die Entlarvung von falschen Propheten in der Kirche muss immer wieder vor sich gehen, aber sie kann nur in der Gemeinde vor sich gehen. ‚An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen’, heißt es. Und wenn jemand Jesus Christus sagt und in allem, was er redet, nur Mao erkennen lässt, dann ergeben sich daraus vermutlich Konsequenzen im kirchlichen Dienst.“ Fernsehsendung „Blickfeld – Kirche und Gesellschaft“ (SWF) am 17. August 1974 um 17.15 Uhr im 1. Programm. Vgl. dazu auch: Erich Zschau, Das Kreuz mit der Gewerkschaft, in: Allgemeines Deutsches Sonntagsblatt Nr. 24 vom 16. Juni 1974.
  20. Hans Schwalbach: „Es bestand zunächst der Verdacht, dass die acht Vikare Chaotenorganisationen zuzurechnen sind. Wir haben im einzelnen, für jeden einzelnen, nicht den Beweis dafür. Es genügt aber, wie sich die Leute uns gegenüber verhalten haben. Kurz nach der Ablehnung haben die acht Vikare ihre Maske fallen lassen. Sie haben sich an die Öffentlichkeit gewandt, und es ist ja nicht üblich, dass man in ein schwebendes Verfahren eingreift und an die Öffentlichkeit geht. Es sind keine Beweise erforderlich. Wir können allerdings das Vorgehen der Vikare schon als einen Beweis ansehen. Die Vikare reden mit uns im Chaotenjargon, die Vikare gehen mit uns um, wie es bei den Chaoten üblich ist. Und wenn hier der Chaotenjargon bei uns erst einmal Eingang findet, dann können wir ‚Gute Nacht‘ sagen. Wir werden also mit Chaoten auf jeden Fall Schlitten fahren.“ Bischof Hübner: „Die Frage nach der Mitgliedschaft von Vikaren und Pastoren in der ÖTV hat uns bisher überhaupt nicht beschäftigt. Es war immer ein Teil der Pastoren aus durchaus vertretbaren Motiven in der ÖTV, weil sie sich einfach solidarisch mit den Arbeitnehmern erklären wollten.“ Fernsehsendung „Mensch und Arbeit“ (WDR) am 28. September 1974 um 18.30 Uhr im 3. Programm (WDR).
  21. Bischof Hübner reagierte unmissverständlich ablehnend: „Mit Bestürzung nimmt der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen Kirchenleitung, Bischof Dr. Hübner, zur Kenntnis, daß 45 der Kirchenleitung bisher unbekannte Pastoren und kirchliche Mitarbeiter aus Hamburg dazu aufgerufen haben, in einem ,eventuellen Akt bürgerlichen Ungehorsams’ das Baugelände des geplanten Kraftwerks Brokdorf zu besetzen.“ (http://www.zeit.de/1976/52/den-talar-brauchten-sie-nicht-zu-verbergen)
  22. Zusammenstellung aus: Friedrich Hübner, Volkskirche im Feuer ökumenischer Kritik, Breklum 1976, S. 280.
  23. Referat gehalten auf lutherischen Theologentagungen im August 1951 in Wuppertal und Berlin-Spandau. Diese Tagungen leisteten unter dem Thema „Die lebendige Gemeinde“ eine gewisse Vorarbeit für die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes 1952 in Hannover.
VorgängerAmtNachfolger
Wilhelm HalfmannBischof des Sprengels Holstein der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins
1964–1976
--
(1) er selbst (als Bischof des Sprengels Holstein)
(2) Senior Karlheinz Stoll
(als Bischofsvertreter der Ev.-luth. Kirche Lübeck)
(3) Wilhelm Kieckbusch
(als Bischof der Ev.-luth. Landeskirche Eutin)
(4) Joachim Heubach
(als Landessuperintendent des Sprengels Lauenburg der
Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins
)
Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche
1977–1981
Ulrich Wilckens