Geheimratsecken

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Gaius Iulius Caesar mit Geheimratsecke

Die Bezeichnung Geheimratsecken umschreibt umgangssprachlich den bei den meisten Männern am Haaransatz an den Schläfen auftretenden androgenetischen Haarausfall. Medizinische Bezeichnung ist Calvities frontalis.[1]

Geheimratsecken sind nicht selten Anzeichen einer beginnenden altersbedingten Glatzenbildung (siehe auch Hamilton-Norwood-Schema), durch Entstehen einer Stirnglatze oder einem Zusammenlaufen mit der Hinterhauptglatze (Tonsur).[2] Sie treten aber auch bei geschlossenem Haarwuchs bis ins hohe Alter regelmäßig auf. Vereinzelt entstehen sie schon in jugendlichem Alter in der Pubertät.[3]

Die Geheimratsecken werden – anders als eine Vollglatze – im Allgemeinen nicht als verunstaltend gesehen. An altgriechischen Portraits ist überliefert, dass sie schon damals als Zeichen der Würde eines ehrenvollen Alters galten.[4]

Die Bezeichnung spielt auf die Ehre und das Alter des frühneuzeitlichen Titels Geheimer Rat an. Sie findet heute noch Verwendung. Ein anderer – besonders im österreichischen Raum verwendeter – Ausdruck für das gleiche Phänomen ist Hofratsecken, weil der vergleichbare Titel Hofrat bis heute existiert. Insbesondere in der Schweiz ist auch die Bezeichnung Ratsherrenecken gebräuchlich. Vergleichbar ist auch Ministerwinkel.

Eine weitere seltenere Bezeichnungen ist Ehestandswinkel.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theodor H. Schiebler, Walter Schmidt (Hrsg.): Anatomie: Zytologie, Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie des Menschen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-366205733-9, S. 686, Sp. 2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche);
    Calvities ‚Kahlheit‘: Pschyrembel, 259. Auflage, S. 259, Sp. 1.
  2. Behaarung des Menschen. In: R. Volk, F. Winter: Lexikon der Kosmetischen Praxis. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-370915297-3, insb. S. 64 Sp. 2 ff (Eintrag ab S. 63; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Androgenetischer Haarausfall/Haarausfall vom männlichen Typ. In: Petra Jany, Karsten Diekmann, Hanna Lipp-Thoben, Dieter Lück: Friseurfachkunde. Springer-Verlag, 2015, S. 56 ff.
  4. Vergl. Typus „mit Kurzhaarfrisuren und gelichteten Schläfen“ nach Dirk Piekarski: Anonyme griechische Porträts des 4. Jhs. v. Chr: Chronologie und Typologie. Band 82 von Internationale Archäologie (ISSN 0939-561X), Verlag Marie Leidorf, 2004, ISBN 978-389646354-8, S. 76 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).