Geltung

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Begriff Geltung im psychologischen und soziologischen Sinn. Für die Bedeutung in anderen Gebieten, siehe Gültigkeit und Rechtsgeltung.

Geltung besitzt die Bedeutung von Ansehen, Anerkennung und Wirkung[1] und umfasst die Begriffe Achtung/Verachtung, Ruhm/Schande, Ehre/Ehrlosigkeit sowie Ansehen/Sozialprestige.

Geltung wird als soziologischer Begriff unter Herauslösung aus der Werte-Debatte auch zusammen mit Fragen der Biosoziologie behandelt (Dieter Claessens und andere[2]).

Was es sozialphilosophisch bedeutet, dass rechtliche Geltung und Geltungskraft (Macht) differieren, erörterte dann Jürgen Habermas 1992 in Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates[3] eingehend.

Geltungssucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein übersteigertes Bedürfnis nach Geltung wird als Geltungsdrang, Geltungstrieb oder Geltungssucht bezeichnet. Der Begriff bezeichnet das Bestreben, von anderen beachtet und anerkannt zu werden und wurde in ihrer überhöhten Form („Geltungssucht“) von der Individualpsychologie Alfred Adlers als Überkompensation von Minderwertigkeitsgefühlen aufgefasst.[4]

In diesem Zusammenhang wird auch häufig umgangssprachlich von einer 'Profilneurose' gesprochen und bezeichnet Verhaltensweisen von Personen, die ihre Kompetenz aus Minderwertigkeitsgefühlen ständig unter Beweis stellen müssen.[5] Der Duden definiert den Begriff als „neurotische Angst, (besonders im Beruf) zu wenig zu gelten“ sowie „das daraus resultierende übersteigerte Bemühen, sich zu profilieren“.[6]

Ein klassisches Beispiel für übersteigerten Geltungsdrang und seine Folgen ist geschichtlich überliefert: Im antiken Griechenland versuchte Herostratos, seinen Namen unsterblich werden zu lassen, indem er eines der Sieben Weltwunder, den Tempel der Artemis in Ephesos, anzündete und damit völlig zerstörte. Um ihn an der Erreichung seines Ziels zu hindern, wurde ihm vor seiner Hinrichtung mitgeteilt, sein Name werde für alle Zeit nie mehr ausgesprochen (Damnatio memoriae).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Dörpinghaus, Karl Helmer (Hrsg.): Rhetorik, Argumentation, Geltung. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 978-3-82602384-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Geltung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das deutsche Wörterbuch. Knaur, Lexigrafisches Institut, München 1985, S. 416
  2. Dieter Claessens: Instinkt, Psyche, Geltung. Bestimmungsfaktoren menschlichen Verhaltens. Opladen 1970
  3. Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates. Frankfurt am Main 1992
  4. Geltungsdrang, Geltungsstreben, Geltungstrieb, Geltungsbedürfnis. auf: wissen.de
  5. Sabine Schrader: Psychologie: Allgemeine Psychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, Compact SilverLine 2008, S. 269, online auf Google Bücher
  6. Profilneurose in duden.de, abgerufen am 7. Januar 2013