Gemäldegalerie Alte Meister (Kassel)

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Die Kasseler Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe

Die Gemäldegalerie Alte Meister Kassel ist eine zur Museumslandschaft Hessen Kassel zugehörige Sammlung und befindet sich im Schloss Wilhelmshöhe, welches in den Bergpark, der sich unterhalb des Herkulesmonuments erstreckt, eingebunden ist.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in die Sammlungen (2016)

Die Sammlungsschwerpunkte bilden die flämische und holländische Malerei des 17. Jahrhunderts, die sich vor allem auf die Sammelleidenschaft von Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (1751–1760) zurückführen lassen.

Den Hauptvertretern des holländischen und flämischen Barocks wie Rembrandt, Frans Hals, Rubens, Anthonis und Floris van Dyck sowie Jacob Jordaens sind eigene Säle gewidmet. Der Rembrandt-Saal zeigt Meisterwerke des holländischen Malers, wie etwa den Jakobssegen und die Saskia und ist, was Anzahl und Qualität der Rembrandt-Gemälde betrifft, in Deutschland unübertroffen. Von Peter Paul Rubens sind unter anderen die Hauptwerke Triumph des Siegers, das Porträt Nicolas de Respaigne, sowie Pan und Syrinx zu sehen. Im Frans Hals-Saal werden bekannte Bilder wie etwa Der Mann mit dem Schlapphut und Der Lustige Zecher ausgestellt. Jan Steen ist mit dem Ölgemälde Das Bohnenfest vertreten.

Des Weiteren werden Gemälde der italienischen, spanischen und französischen Malerei präsentiert, darunter Hauptwerke Tizians, Murillos und Vouets. Von Tizian wird das Bildnis eines Feldherrn und von Antonio Bellucci Der kranke Königssohn ausgestellt. Einen eher kleinen Teil der Sammlung bilden die Altdeutsche und Altniederländische Malerei, die aber durch ihre Qualität überzeugen kann, darunter Dürers Bildnis der Elsbeth Tucher, sowie Arbeiten von Jan Gossaert und Maarten van Heemskerck.

Sammlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Gemälde, das mit der landgräflichen Sammlung in Verbindung gebracht werden kann, gab Anne v. Mecklenburg zum Gedenken an Landgraf Wilhelm II. (1485–1509) in Auftrag, diesen führte kein Geringerer als Lucas Cranach der Ältere aus. 1653 wird das Kabinett erstmals erwähnt und bereits 1696 fand die Sammlung Eingang in das Ottoneum, welches ursprünglich als Theater fungierte. Der Sammlungscharakter war eher der einer Schatz- und Wunderkammer, denn neben Gemälden wurden wissenschaftliche Objekte und Kuriositäten gesammelt. Unter Landgraf Carl (1654–1730) gelangten einige wichtige Arbeiten von Rembrandt, Rubens und Werke des Caravaggismus nach Kassel. Am nachhaltigsten wurde die Sammlung durch Landgraf Wilhelm VIII. geprägt, dessen Sammelleidenschaft sich besonders im Bereich der holländischen und flämischen Malerei zeigte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte seine Sammeltätigkeit einen Höhepunkt, wobei ihm seine niederländischen Kontakte und Berater von hohem Sachverstand zugutekamen. Es gelang Wilhelm VIII., Hauptwerke von Rubens (Triumph des Siegers), Rembrandts (Jakobssegen), Frans Hals und Jordaens (Bohnenfest) zu erwerben; zudem stellte der Ankauf des Kabinetts von Valerius Röver einen qualitätvollen Zuwachs dar. Die wachsende Sammlung gab den Anlass zu einem eigens errichteten Galeriebau, welcher 1751 vollendet wurde (1943 zerstört), aber nur einen Teil eines Großprojektes darstellte, das weitere Gebäude umfassen sollte. Wilhelms Nachfolger Landgraf Friedrich II. (1760–1785) öffnete die Sammlung - ganz im Sinne der Aufklärung - einem ausgewählten Publikum.

Als dunkelstes Kapitel lässt sich die Zeit Napoléons, dessen Bruder Jérôme Bonaparte in Kassel residierte, bezeichnen. 1806 versuchte man 48 hochkarätige Gemälde, darunter Lorrains Tageszeitenzyklus, vor den Napoleonischen Truppen in Sicherheit zu bringen, dennoch gelangten sie in den Besitz der Kaiserin Joséphine, die mit diesen ihr Schloss Malmaison bei Paris ausstattete. Nach ihrem Tod ging ein Großteil dieser Bilder in den Besitz der Eremitage in St. Petersburg über. Viele weitere Gemälde wurden von Vivant Denon für das Musée Napoléon ausgewählt, konnten jedoch in den Jahren 1814–1817 durch Jacob Grimm und seine Delegation nach Kassel zurückgeführt werden. Unter preußischer Herrschaft zog die Sammlung 1877 in das von Heinrich von Dehn-Rotfelser entworfene Galeriegebäude an der schönen Aussicht, welches heute die Neue Galerie beheimatet.

Den Bedrohungen des Zweiten Weltkrieges entgingen die Werke durch eine frühzeitige Auslagerung. Eine Spitzenauswahl wurde nach Wien in das Kunsthistorische Museum gegeben und konnte von dort im Jahr 1956 unbeschadet wieder nach Kassel zurückgeführt werden. Einige Neuerwerbungen und Dauerleihgaben ergänzen heute die umfassende Sammlung, die seit 1974 im Schloss Wilhelmshöhe präsentiert wird.

Bekannte Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Schnackenburg, Staatliche Museen Kassel (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister. Gesamtkatalog. Kassel/Mainz 1996.
  • Staatliche Museen Kassel (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister Kassel. 60 Meisterwerke. Kassel 2004.
  • Bernhard Schnackenburg: Geschichte der Gemäldegalerie Alte Meister. In: Prestel- Museumsführer: Schloss Wilhelmshöhe Kassel, Antikensammlung, Gemäldegalerie Alte Meister, Graphische Sammlung. München 2000.
  • Herzog, Erich, Staatliche Kunstsammlungen Kassel (Hrsg.): Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Hanau 1969.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gemäldegalerie Alte Meister – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 18′ 54″ N, 9° 24′ 58″ O