Geschwister Caldarelli

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Die Geschwister Caldarelli waren ein Volksmusik-Gesangstrio aus dem erzgebirgischen Dorf Sosa, das von den 1930er und 1940er Jahren an durch Rundfunk-Programme und Schallplattenaufnahmen volkstümlicher Lieder große Bekanntheit erlangte, Jahrzehnte bestand und in den 1970er Jahren zum letzten Mal öffentlich auftrat.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Schwestern Tisilda (verehel. Tischler, 1921–2008), Pierina (verehel. Lorenz, 1923–2012) und Annina Caldarelli (* 1927) waren die jüngsten von zwölf Geschwistern. Auch Annina Caldarelli ist inzwischen verstorben.[2][3] Ihr Vater kam 1902 aus den italienischen Abruzzen ins obere Erzgebirge, wo er als Steinbrucharbeiter Arbeit beim Eisenbahnbau fand und 1904 in Sosa eine Einheimische heiratete.

Schon früh im Kirchenchor aktiv, war der erste größere Erfolg der Geschwister der erste Platz bei einem Gesangswettbewerb im benachbarten Schwarzenberg, den der Fabrikant und Förderer erzgebirgischen Brauchtums Friedrich Emil Krauß organisiert hatte. Ein Mitschnitt des Konzerts wurde wenig später im Reichssender Leipzig übertragen. Die Geschwister Caldarelli konnten den Wettbewerb im Folgejahr erneut gewinnen.

Nach dem Krieg traten die Geschwister ab dem Frühjahr 1946 wieder verstärkt im Rundfunk auf, auch gemeinsam mit dem Zitherspieler Carl Herbert Richter sowie dem Mundartsprecher Erwin Günther, Sohn des Volkssängers Anton Günther.[3] Tourneen und Schallplattenaufnahmen folgten. Nachdem sie schwanger wurde, trat Tisilda ab 1953 nicht mehr auf; sie wurde von Hilde Kranz ersetzt. Pierina hatte inzwischen ebenfalls geheiratet und lebte in Leipzig, Annina lebte in Stendal. Unter anderem traten die Geschwister Caldarelli vor 5000 Zuschauern in Prag unter freiem Himmel auf und in der DDR-Fernsehsendung "Da lacht der Bär". Am 14. September 1974 gab die Gesangsgruppe zum letzten Mal ein öffentliches Konzert[1], trat jedoch auch danach noch gelegentlich im Erzgebirge auf. Die einzige noch lebende Sängerin Hilde Kranz wohnt heute in Hannover.[3]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch Jahrzehnte nach ihrem Verstummen wurden sie als erzgebirgische Legenden bezeichnet[4] 2013 heißt es über die Geschwister Caldarelli: „Die schönsten erzgebirgischen Weihnachtslieder sangen zwischen 1940 und 1970 die Geschwister Caldarelli.“[5] Im Jahr 2016 erschien als CD ihre Aufnahme Weihnachten im Erzgebirge erneut.[6] Weitere CD-Aufnahmen sind noch im Handel.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Elvira Werner: Mundart im Erzgebirge, Marienberg 1999, S. 123 Digitalisat
  2. Freie Presse, Lokalausgabe Schwarzenberg, vom 10. Juni 2008: Bericht "Ihr letzter Ton ist nun verklungen - die Sängerin Tisilda Tischler-Caldarelli wird heute in Sosa beerdigt". In dem Bericht heißt es, die Schwester Annina sei schon verstorben.
  3. a b c Was wurde aus den Geschwistern Caldarelli? In: www.freiepresse.de. 29. April 2016, abgerufen am 30. April 2016.
  4. Zitty, Band 27, 2004, S. 186 Digitalisat
  5. a b Dietmar Sehn: Weihnachten in Sachsen, Erfurt 2013, S. 135, ISBN 978-3-95400-202-3 Digitalisat
  6. CD-Katalog Georgsmarienhütte