Gishwati-Wald

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weidendes Vieh in den Überresten des Waldes, erste Hangsicherungen gegen Erosion, 2004

Der Gishwati-Wald (Forêt Naturel de Gishwati) war früher nach dem Nyungwe-Wald der zweitgrößte Naturwald Ruandas. Der afro-montane Wald erstreckte sich entlang des zentralafrikanischen Riftsystems am Ostufer des Kivusees südöstlich der am See gelegenen Stadt Gisenyi und war einst mit dem Nyungwe-Wald weiter im Süden verbunden.

Die Ausdehnung des Gishwati-Waldes, so wie sie auf den meisten Karten noch eingezeichnet ist existiert heute nicht mehr. Heute sind – wie auch auf NASA-Satellitenbildern erkennbar – nur noch einige Flecken Wald übrig. Stattdessen befinden sich dort heute neue Siedlungen, frisch gerodete Felder und Teeplantagen. Der Gishwati-Wald ist damit zum Zweck landwirtschaftlicher Erschließung weitestgehend zerstört worden.[1]

Noch im Jahr 1960 waren 28 000 ha mit Wald bewachsen. In mehreren Schüben wurde der Gishwati abgeholzt, auch durch Bürgerkriegsrückkehrer nach 1994, so dass im Jahr nur noch 1.500 acres mit Wald bedeckt waren.[2] Das relativ kleine, im Jahr 2009 nur 700 ha umfassende Forest reserve-Waldschutzgebiet Gishwati wird von MINIRENA / NAFA verwaltet. Mit natürlichen Begrenzungen aus Steinen und Hecken wird versucht, wenigstens dieses Gebiet zu erhalten. Infolge der Entwaldung sind Hangrutschungen und Überschwemmungen von Feldern und Siedlungen in den Tallagen während der Regenzeit die Folge.[3]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Entwaldung durch den hohen Populationsdruck in Ruanda und Flüchtlinge aus dem Kongo ist die Biodiversität massiv geschädigt, 99,7 % der Tierpopulation ist verschwunden (Ostafrikanischer Schimpanse Pan troglodytes schweinfurthii, Angola-Stummelaffe Colobus angolensis ruwenzorii, Potamochoerus porcus, Cephalophus nigrifons, Dendrohyrax arboreus, Felis serval und Felis aurata), die Wildfrüchte, welche für die dort früher lebenden Menschen eine wichtige Rolle spielten, haben um 93,3 % abgenommen, Wildgemüse verschwand zu 99,6 %, wilde Medizinpflanzen zu 79,9 %.[3]

Das 2007 gestartete Gishwati Area Conservation Program (GACP) wurde im Jahr 2010 mit einem Projekt für einen 30 km langen Waldkorridor zwischen Gishwati- und Nyungwe-Wald erweitert, um den kaum noch vorhandenen Wildtieren eine Wanderung zu ermöglichen. Diese Schutzprogramme sollen dazu beitragen, Ruanda bis zum Jahr 2020 aufzuforsten; Umweltziel ist eine Bedeckung des Staatsgebiets mit 30 % Wald. Zuständig ist das Rwandan Ministry of Lands and Environment. Geplant ist, langfristig neben den derzeit drei Nationalparks weitere ehemalige Gebiete soweit zu schützen, dass weitere Nationalparks eingerichtet werden können. Im künftigen Gishwati National Conservation Park sollen neben Zonen für Naturschutz und Tourismus auch Bereiche mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung ausgewiesen werden. Im verbundenen Nyungwe National Park besteht eine Partnerschaft mit der National University of Rwanda.[2]

 Commons: Gishwati-Wald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gishwati Forest – vergleichende Satellitenbilder 1986/2009. NASA Earth Observatory. Abgerufen am 18. Januar 2014.
  2. a b Gishwati National Conservation Park – The Newest National Park in Rwanda, Rwanda Development Board, Ministry for Forests and Natural Resources, 2011 (englisch), abgerufen am 20. Januar 2014.
  3. a b Elizabeth Kironde: Rwanda State of Environment and Outlook 2009 (PDF), (englisch). Rwanda Environmental Management Authority (REMA). Abgerufen am 18. Januar 2014.

Koordinaten: 1° 47′ 26,9″ S, 29° 27′ 15,3″ O