GiveDirectly

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GiveDirectly ist eine Wohltätigkeitsorganisation in New York City, die ein elektronisches Bezahlsystem nutzt, um Armut durch direkte Geldtransferleistungen an bedürftige Menschen zu bekämpfen. Seitdem finanziert sie sich durch z. T. namhafte Spender. Im Rahmen der Diskussion um ein Bedingungsloses Grundeinkommen hat GiveDirectly eine großangelegte Feldstudie angekündigt, die internationale Aufmerksamkeit erhielt.[1][2][3]

Die Organisation wurde 2009 von Studenten ins Leben gerufen, um zu demonstrieren, dass direkte Transferzahlungen entwicklungsökonomisch effektiver und nachhaltiger sind als Maßnahmen im Rahmen der traditionellen Entwicklungszusammenarbeit wie der Bau von Brunnen, Schulen oder gar Sachspenden, deren Wirkung oft durch Misswirtschaft, Korruption oder Zweckentfremdung behindert wird. In einem geschlossenen Personenkreis wurde das System zunächst getestet. 2011 wurde die Organisation offiziell gegründet und finanziert sich zu einem großen Teil aus Spenden, die zu 93 Prozent direkt an die Empfänger weitergereicht werden sollen.

Facebookmitgründer Chris Hughes und Jacqueline Fuller, Chefin von Google Giving, sind im Vorstand von GiveDirectly aktiv.[4]

Grundeinkommensstudie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation hat 2016 bekannt gegeben, in einem Experiment zu testen, welche Auswirkungen ein Bedingungsloses Grundeinkommen hat. So sollen 6.000 ausgewählte arme Menschen in Kenia und Uganda monatlich etwa 22 US-Dollar monatlich über einen Zeitraum von 10 Jahren ohne Auflagen erhalten.[5] Der Geldtransfer geschieht über Mobiltelefone direkt an die Menschen vor Ort.[4]

Dem zwischen 2009 und 2013 in Namibia durchgeführten Projekt Basic Income Grant wurde u. a. vorgeworfen, dass die Evaluation nicht wissenschaftlichen Standards entspreche. Diese will GiveDirectly erfüllen und wäre damit in der Diskussion um ein Bedingungsloses Grundeinkommen die erste großangelegte Feldstudie. Ein erster Zwischenberichte liegt bereits nach einem Jahr vor.[6]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisch wird zu bisherigen Evaluationsmaßnahmen durch GiveDirectly angemerkt, dass die Empfänger des Geldes sorgfältig abgeschirmt werden und Journalisten sie nur in Gegenwart von Mitarbeitern der Organisation kontaktieren können. Das GiveDirectly-Projekt habe zwar den Effekt, Menschen für ein Jahr lang aus der absoluten Armut herauszuholen; die Nachhaltigkeit sei jedoch gering im Vergleich zu vielen Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit. So hätte eine einmalige Zahlung von 382 US-Dollar bewirkt, dass arbeitslose Jugendliche in Uganda nach vier Jahren ein um 41 Prozent höheres Einkommen erzielten als zuvor. Das waren jedoch nur 11 Dollar pro Monat mehr, in drei Jahren also 382 Dollar. So habe ein Dollar des bedingungslosen Einkommens nach drei Jahren etwa einen Dollar an zusätzlichem Einkommen geschaffen. Hingegen erzielte ein Bewässerungsprojekt in einer vergleichbaren Region ein mehr als dreifaches zusätzliches Einkommen im Vergleich zum ursprünglichen Investment. Ein Projekt, dass die Beschaffung von Lesebrillen förderte, erzielte sogar den 60-fachen Effekt. Diese Vergleichsprojekte seien sorgfältig evaluiert worden.

Die oben erwähnte randomisierte Studie von GiveDirectly in Kenia verzeichnete nach dem ersten Jahr pro ausgezahlten 500 US-Dollar eine Einkommenssteigerung von 28 Prozent auf das bisherigen Einkommen. Hochgerechnet auf drei Jahre läge damit das erzielte Zusatzeinkommen pro eingesetztem Dollar bei unter einem Dollar. Die Zahl der hungrigen Kinder sank von 65 auf 57 Prozent, es gab jedoch keine sichtbaren Effekte hinsichtlich Bildung und Gesundheit. Auch kurzfristig erreichte psychosoziale Verbesserungen waren nicht anhaltend. Meist wurde das Geld für Reparaturen von Hüttendächern ausgegeben. Investitionen in Trinkwasserreinigung, Bildung und nichtlandwirtschaftliche Unternehmensgründungen fanden nicht statt.[7] Mit Erstaunen nahm die Organisation auch zur Kenntnis, dass in der keynianischen Region Homa Bay 40 Prozent der Einwohner das Angebot ablehnten, auch weil Gerüchte besagten, dass es mit satanischen Kulten verbunden sei.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. GiveDirectly Announces a 10 Year Basic Income Pilot. 15. April 2016.
  2. A charity's radical experiment: giving 6,000 Kenyans enough money to escape poverty. 14. April 2016.
  3. Mega-experiment: Basisinkomen voor 6000 Kenianen.
  4. a b Nicolai Kwasniewski: Grundeinkommen: Gleiches Geld für alle - das Experiment vom 21. April 2016, SPON, zuletzt aufgerufen am 21. April 2016
  5. KENYA: FROM UNCONDITIONAL CASH TRANSFERS TOWARDS UNCONDITIONAL BASIC INCOME, a Randomized Controlled Trial to Come - Basic Income News. 26. November 2016.
  6. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Grundeinkommen: Gleiches Geld für alle - das Experiment - SPIEGEL ONLINE - Wirtschaft.
  7. Kevin Starr, Laura Hattendorf: GiveDirectly? Not So Fast. In: Standford Social Innovation Review, 11. März 2014.
  8. Chris Weller: A revolutionary experiment in giving 6,000 people free money may face a surprising challenge. In: businessinsider.de, 8. September 2016.