Goethehöfe – Deutsches Romantik-Museum Frankfurt am Main

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Goethehöfe bezeichnet ein neues innerstädtisches Ensemble an historisch bedeutender Stelle, dem Großen Hirschgraben in Frankfurt am Main. Das Grundstück grenzt an das Goethe-Haus, das Geburtshaus von Johann Wolfgang von Goethe. Mit dem angrenzenden Neubau soll zusätzlich das Deutsche Romantik-Museum entstehen. Eine Wohnanlage, das Museum und eine Theaterbühne – der Cantate-Saal, sollen um einen städtischen Hof mit öffentlichen, kulturellen und privaten Nutzungen vereinigt werden.

Historisches Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würdige Häuser des Ensembles sind das Freie Deutsche Hochstift und das Goethes Geburtshaus mit dem denkmalgeschützten Brunnenhöfchen und Gärten im Hof. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit dem bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main zerstörten Goethe-Haus vom Maler und Architekten Theo Kellner wiederhergestellt. Nach Auszug des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der seit 1957 am Großen Hirschgraben 19–21 residierte, kann die Zeit des „Epochenbruchs“ vor und nach 1800 in ihren geistigen und künstlerischen Strömungen in einem Museum vereint werden. Die bisherigen Sammlungsschwerpunkte Handschriften, Realien und Gemälde der Goethezeit sollen übernommen werden. Der Museumsanbau mit dem Goethe-Haus ist als Teil eines größeren Ensembles geplant, das den modernisierten Cantate-Saal als neue Heimat der Fliegenden Volksbühne sowie Wohnungen und ein Café um einen gemeinsamen Hof verbinden soll.[1]

Bau der Goethehöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem im Oktober 2013 von ABG Frankfurt Holding ausgeschriebenen Architektenwettbewerb unter dem Namen Goethehöfe waren 15 Büros eingeladen. Die Jury vergab im Juni 2014 drei zweite Preise und forderte die Preisträger auf, ihre Entwürfe innerhalb von zwei Monaten bis zur endgültigen Entscheidung nachzubessern. Am 24. September entschied ein Nachfolgegremium der Jury sich einstimmig für eine Kombination zweier Entwürfe. Einer davon ist der städtebauliche Entwurf des Ensembles Goethehöfe – Deutsches Romantik-Museum des Büros Landes & Partner, das auch die Goethehöfe, die Wohnungen und die Integration des Cantate-Saals realisieren wird. Der andere ist ein Museumsneubau des Büros Christoph Mäckler, der jedoch an das städtebauliche Konzept von Michael A. Landes gebunden ist. Die beiden Büros bilden eine Planungsgemeinschaft. Die Goethehöfe befinden sich in einem dicht bebauten Block, der von der Bethmann-Straße im Süden, der Kaiserstraße im Westen, der Straße Am Salzhaus im Norden und dem Großen Hirschgraben im Osten begrenzt ist. Innerhalb dieses Blockes bildet das Grundstück mit seiner U-förmigen Bestandsbebauung um einen zentralen Innenhof und mit der Grenzbebauung zu den Nachbargrundstücken einen „Mikroblock“, umfasst rund 2.475 m² und ist mit ca. 50 × 50 m Kantenlänge nahezu quadratisch zugeschnitten.

Frühere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Cantate-Saal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1953 bis 1957 entstand am Großen Hirschgraben 19–21, direkt neben dem Goethehaus, nach Plänen des Architekten Wilhelm Massing der Neubau des Sitzes des Börsenvereins des deutschen Buchhandels mit dem Cantate-Saal. Bei den Buchhändlern gab es den Brauch, alljährlich am Sonntag Cantate (dem vierten Sonntag nach Ostern, dem Singesonntag) zur Abrechnung zu gehen. In Erinnerung an diese Tradition erhielt der Saal seinen Namen. In den 1950er- und 1960er-Jahren fanden dort Veranstaltungen mit Autoren wie Paul Celan, Theodor W. Adorno und Samuel Beckett statt. Anfang der 1970er-Jahre bezog das Programmkino Lupe 2 den Saal. 1975 wurde er Sitz des Frankfurter Volkstheaters, das Liesel Christ im Jahr 1971 gegründet hatte. Im Mai 2013 stellte es seinen Betrieb ein. Als Nachfolger kam der Volksschauspieler, Kabarettist und Regisseur Michael Quast mit der Fliegenden Volksbühne. Er unterstützte im Jahr 2014 die Spendenaktion für das Romantik-Museum, das zur Hälfte aus Bürgerspenden finanziert werden müsste, mit der Reihe „Brückenkopf Romantik“. Es ist geplant, dass die Fliegende Volksbühne bis zum 31. Mai 2015 im Cantate-Saal spielt. Danach sollen die Abbrucharbeiten der Altbauten des bereits ausgezogenen Börsenvereins beginnen.[2]

Städtebauliches Gesamtkonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die städtebauliche Neuordnung von Michael A. Landes mit einem Hof hat die Jury zweimal überzeugt. Im Juni 2014 hatte das Büro Landes & Partner die Idee, das Romantik-Museum neben dem Goethe-Haus an der Straße entlang zu bauen, den Cantate-Saal denkmalwürdig zu erhalten sowie die Gärten unberührt und unbeschattet zu lassen. Das war der ausdrückliche Wunsch des Freien Deutschen Hochstifts als Träger des Goethe-Hauses und der ABG Holding als Bauherrin.[3] Für den Cantate-Saal und das Museums-Café, für die 3.000 m² Wohnungen, für Büros und Ateliers sowie für den Hof wird das Büro Landes & Partner zuständig sein. Auf dessen Museumsgrundriss wird unter der Leitung von Christoph Mäckler Architekten auch das Romantik-Museum gebaut.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Goethehöfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Enrico Santifaller: Goethehöfe in Frankfurt – Frankfurts kulturelles Herz. Artikel der Frankfurter Neuen Presse vom 21. April 2015 (abgerufen am 30. Juni 2016)
  2. Artikel Volksbühne sucht noch Proberaum vom 20. April 2015 auf fnp.de (abgerufen am 30. Juni 2016)
  3. Claudia Michels: Museum der Romantik – Blau steht für Romantik. Artikel vom 25. September 2014 auf der Website der Frankfurter Rundschau (abgerufen am 30. Juni 2016)

Koordinaten: 50° 6′ 41″ N, 8° 40′ 40″ O