Graecopithecus freybergi

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Graecopithecus freybergi
a: Unterkiefer (Holotypus) von Graecopithecus freybergi; b: linker Prämolar P4, Archivnummer RIM 438/387; c-i: 3-D-Rekonstruktionen des Unterkiefers mit sichtbar gemachten Zahnwurzeln (Originale)

a: Unterkiefer (Holotypus) von Graecopithecus freybergi;
b: linker Prämolar P4, Archivnummer RIM 438/387;
c-i: 3-D-Rekonstruktionen des Unterkiefers mit sichtbar gemachten Zahnwurzeln (Originale)

Zeitliches Auftreten
spätes Miozän (Messinium)
7,2 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Affen (Anthropoidea)
Altweltaffen (Catarrhini)
Menschenartige (Hominoidea)
Menschenaffen (Hominidae)
Graecopithecus
Graecopithecus freybergi
Wissenschaftlicher Name
Graecopithecus freybergi
von Koenigswald 1972

Graecopithecus freybergi ist eine ausgestorbene Art der Primaten aus der Gattung Graecopithecus, die während des späten Miozäns im Süden von Griechenland vorkam. Das Alter der bislang ihr zugeschriebenen Fossilien wurde anhand von magnetostratigraphischen Messungen und biostratigraphischen Analysen in die Zeit vor rund 7,2 Millionen Jahren datiert.[1]

Die genaue Einordnung der Art in den Stammbaum der Menschenaffen ist ungeklärt. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass Graecopithecus freybergi aufgrund der Merkmale seiner Zähne als möglicher Vorfahre der Australopithecinen in Erwägung zu ziehen sei.[2]

Eine rund 3 Millionen Jahre ältere, verwandte Art ist Ouranopithecus macedoniensis.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graecopithecus ist ein Kunstwort. Die Bezeichnung der Gattung verweist auf die Herkunft der Fossilien (graeco – griechisch) sowie auf griechisch πίθηκος (altgr. ausgesprochen) píthēkos ‚Affe‘. Das Epitheton freybergi verweist auf den Entdecker des ersten Fossils, Bruno von Freyberg. Graecopithecus freybergi bedeutet folglich sinngemäß „Freybergscher Griechen-Affe“.

Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster und jahrzehntelang einziger Fund war ein teilweise bezahnter Unterkiefer aus der Fundstelle Pyrgos Vassilissis in der Nähe von Athen, den Bruno von Freyberg im Jahr 1944 bei Ausschachtungsarbeiten für einen Bunker der Wehrmacht im Umland von Athen entdeckte und gemeinsam mit einigen anderen Fossilien sowie Proben von rötlich schimmerndem, ins späte Miozän datiertem Sediment aufbewahrte. Von Freyberg interpretierte den Fund im Jahr 1951 als Überrest des frühen Meerkatzenverwandten Mesopithecus.[3]

Im Jahr 1972 erkannte dann Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald, dass es sich bei diesem Unterkiefer um das Fossil eines frühen Menschenaffen handelt,[4] den er zugleich als Holotypus der neuen Gattung und Art Graecopithecus freybergi auswies. Aufgrund der geringen Anzahl fossiler Belege war die Etablierung dieser Gattung und Art umstritten. Beispielsweise wurden Funde von Ouranopithecus macedoniensis als derart ähnlich bezeichnet, dass dies im Jahr 1984 als Beleg für eine einzige Art angesehen wurde.[5]

Im Jahr 2012 wurde dann aber in einem der bulgarischen Grabungsorte in der Gemarkung Asmaka (bulgarisch Азмака) bei Tschirpan ein oberer linker 4. Prämolar entdeckt, dessen Alter zunächst nur anhand von Begleitfunden auf rund 7 Millionen Jahre datiert,[6] im Jahr 2017 aber durch direkte Datierung mit nunmehr 7,2 Millionen Jahren bestätigt wurde.[1] Die Ähnlichkeit dieses Zahnes mit den erhaltenen Zähnen des ebenfalls 7,2 Millionen Jahre alten Unterkiefers veranlasste im Jahr 2017 eine Forschergruppe um Madelaine Böhme zu einer detaillierten Beschreibung beider Funde.[2] Herausgestellt wurde insbesondere, dass die drei Wurzeln der Prämolaren teilweise verschmolzen sind, was als typisch für die Hominini gilt, nicht aber für die zu den anderen Menschenaffen führende Abstammungslinie. Die Forschergruppe leitete aus dieser Ähnlichkeit ab, dass die unmittelbaren Vorfahren der Australopithecinen möglicherweise auch das Gebiet des östlichen Mittelmeeres besiedelten und diese Region daher – wie das tropische Afrika – als Entstehungsgebiet der frühen Hominini erwogen werden sollte.[7][8]

a, b: Oberkiefer von Hippotherium brachypus (Equidae);
c-e: Tragoportax macedoniensis (Hornträger), weiblicher Schädel

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie Ouranopithecus macedoniensis lebte Graecopithecus freybergi in einem savannenartigen, offenen Gras- und Buschland, das örtlich auch locker bewaldet war.[1] Demgemäß lebten – den fossilen Belegen zufolge – vor allem Huftiere, mit Adcrocuta eximia aber auch eine frühe Verwandte der Hyänen in diesem Biotop. Belegt sind unter anderem fossile Nashörner, Pferde (Hippotherium), Giraffenartige und diverse Hornträger (Verwandte der Rinder und der Gazellenartigen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Graecopithecus freybergi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Madelaine Böhme, Nikolai Spassov, Martin Ebner, Denis Geraads, Latinka Hristova, Uwe Kirscher, Sabine Kötter, Ulf Linnemann, Jérôme Prieto, Socrates Roussiakis, George Theodorou, Gregor Uhlig, Michael Winklhofer: Messinian age and savannah environment of the possible hominin Graecopithecus from Europe. In: PLOS ONE. Jahrgang 12, Nr. 5, 2017, e0177347, doi:10.1371/journal.pone.0177347, ISSN 1932-6203 (englisch).
  2. a b Jochen Fuss, Nikolai Spassov, David R. Begun, Madelaine Böhme: Potential hominin affinities of Graecopithecus from the Late Miocene of Europe. In: PLOS ONE. Jahrgang 12, Nr. 5, 2017, e0177127, doi:10.1371/journal.pone.0177127, ISSN 1932-6203 (englisch).
  3. Bruno von Freyberg: Die Pikermi-Fauna von Tour la Reine (Attica). In: Annales géologiques des Pays Helléniques. Serie 1, Band 3, 1951, S. 7–10
  4. Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald: Ein Unterkiefer eines fossilen Hominoiden aus dem Unterpliozän Griechenlands. In: Proceedings of the Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen, Series B. Band 75, 1972, S. 385–394
  5. Lawrence B. Martin und Peter Andrews: The phyletic position of Graecopithecus freybergi Königswald. In: Courier Forschungsinstitut Senckenberg. Band 69, 1984, S. 25–40.
  6. Nikolay Spassov et al.: A hominid tooth from Bulgaria: The last pre-human hominid of continental Europe. In: Journal of Human Evolution. Band 62, Nr. 1, 2012, S. 138–145, doi:10.1016/j.jhevol.2011.10.008
  7. Ältester Vormensch lebte möglicherweise in Europa. Auf: idw-online.de vom 22. Mai 2017
  8. Forscher verlegen Wiege der Menschheit von Afrika nach Europa, Spiegel Online, 22. Mai 2017