Grete de Francesco

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Grete de Francesco (geboren als Margarethe Weissenstein 5. November 1893 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben Februar/März 1945 vermutlich im Konzentrationslager Ravensbrück) war eine deutschsprachige Schriftstellerin. Ihr Buch Die Macht des Charlatans aus dem Jahr 1937 gilt international als wissenschaftliches Standard- und Referenzwerk zum Thema „Scharlatanerie“. Eine englische Übersetzung erfolgte 1939. In den 1930er Jahren verfasste de Francesco eine größere Anzahl kulturwissenschaftlicher Aufsätze zu Grenzgebieten der Medizin für die Hauszeitschrift des in Basel ansässigen Ciba-Konzerns.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Macht des Charlatans (1937)
Stolperstein in Salzburg

Margarethe Weissenstein war die älteste von drei Töchtern des jüdischen Ehepaares Else und Emanuel Weissenstein, ihr Vater war Generaldirektor der Vereinigten Jutefabriken in Wien und Budapest. Sie war mit dem Italiener Giulio de Francesco verheiratet und schriftstellerisch unter dem Namen Grete de Francesco im Kunst- und Musikbetrieb tätig. In Berlin richtete Marcel Breuer ca. 1929 ihre Wohnung in der Rudolstädter Straße 9 mit zum Teil speziell anfgefertigten Möbeln ein.[1][2] Sie lebte abwechselnd in Wien, Berlin und Salzburg, während des Exils in Paris und zuletzt in Mailand, das seit September 1943 unter deutscher Besatzung stand. Sie wurde bespitzelt und suchte 1943 Zuflucht in oberitalienischen Bergdörfern, auch verbarg sie sich mehrere Monate in einem Irrenhaus für Frauen. Sie kehrte dann aber doch wieder in ihre Mailänder Wohnung zurück, wo sie am 24. Oktober 1944 von der SS verhaftet wurde. Über das Durchgangslager in Gries bei Bozen wurde sie schließlich am 14. Dezember 1944 in das KZ Ravensbrück deportiert, wo Margarethe (Margherita) de Francesco vermutlich im Februar 1945 umgebracht wurde.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Macht des Charlatans. 69 Abb., 258 S., Bibliographie, Register. Basel: Benno Schwabe und Co. 1937. Mit einer Übersetzung ins Englische: The Power of the Charlatan. Translated from the German by Miriam Beard. VII+288 p. New Haven, Yale University Press, 1939.

Beiträge für Hauszeitschriften der Ciba, Basel, vor allem für die Ciba Zeitschrift. Herausgeber war die wissenschaftliche Abteilung der Gesellschaft für chemische Industrie in Basel. Die mit historischen Bildern illustrierte Zeitschrift erschien von 1933 bis 1952 in 132 Ausgaben und hatte sich zum Programm gesetzt, „in kleinen Ausschnitten solche Grenzgebiete zu behandeln, in denen sich die Medizin mit Völkerkunde, Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte oder anderen Disziplinen berührt.“

  • „Wie der Arzt ins Fasnachtsspiel kam“. In: Der Feldscherer. Heft 3, November 1933.
  • „Il Dottore“. In: Il Dottore / Der Arzt in der Stegreifkomödie und im Puppenspiel. Mit einer Vorbemerkung von Grete de Francesco. Heft 7, März 1934.
  • „Das Kleid des Arztes in drei Jahrhunderten.“ In: Das Kleid des Arztes. Heft 11, Juli 1934. PDF
  • „Der Flügelstier als Symbol der medizinischen Fakultät“ und „Die Taube als Spitals-Emblem“. In: Symbole der Medizin. Heft 16, Dezember 1934.
  • "Ärztebildnisse aus den Anfangszeiten der Photographie" und „Nadar – 'un roi des photographes'“. In: Ärztebildnisse aus den Anfangszeiten der Photographie. Heft 21, Mai 1935. PDF
  • „Heilige als Krankheitshelfer“ und „Ein Schutzpatron der Medizin“ und „Krankheitsvotive aus vier Jahrhunderten“. In: Heilige als Krankheitshelfer. Heft 26, Oktober 1935.
  • „Der Arzt im Märchen“. In: Der Arzt im Märchen. Heft 28, 1935/36.
  • „Medizinisches in der Heraldik“. In: Medizinisches in Numismatik, Heraldik und Philatelie. Heft 30, Februar 1936.
  • „Paul de Sorbait spricht als Rektor zu den promovierenden Ärzten“ und „Fünf Rektoratsblätter aus der Hauptmatrikel der Universität Wien“. In: Die Promotion zum Doctor medicinae. Heft 34, Juni 1936.
  • „Der Scharlatan. – Scharlatanerie“ und „Scharlatane aus drei Jahrhunderten“ und „Gedrucktes aus der Scharlatanpraxis“. In: Der Scharlatan, Heft 37, September 1936. Text
  • „Das Arztporträt“ [Mehrere Beiträge]. In: Das Arztporträt, Heft 55, März 1938.
  • „Die medizinische Fakultät von Bologna“ [Mehrere Beiträge]. In: Die medizinische Fakultät von Bologna, Heft 81, Juli 1941.

Beiträge und englische, französische und holländische Übersetzungen ihrer Aufsätze in Ciba-Rundschau, CIBA Review und Ciba symposia, dazu weitere Einzelveröffentlichungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Benjamin: "Grete de Francesco, Die Macht des Charlatans." (Rezension). In: Gesammelte Schriften III, Kritiken und Rezensionen 1932–1940. [1938]. Suhrkamp Taschenbuch Verlag 1991. Link
  • Iris Ritzmann: Medikus und Scharlatan - Szenen einer innigen Feindschaft (Teil1), Schweizerische Ärztezeitung, 90(3):84–88, bei: Zora, Universität Zürich, 2009 PDF
  • Bernhard Guttmann: „In memoriam (Grete de Francesco).“ In: Die Gegenwart. Eine Halbmonatsschrift. Freiburg im Breisgau, Nummer 42/43, 2. Jg. (Nr. 17/18), 30. September 1947, S. 22.
  • Nach Angaben einer möglicherweise zweifelhaften genealogischen Quelle wurde Margarethe Weissenstein im Alter von sechs Jahren, am 23. Oktober 1899, in der Pfarrgemeinde Donaustadt der Bekenntniskirche A.B. in Wien auf den Namen Margarete Emilie getauft.
  • Veröffentlichungen von Grete de Francesco (u. a.) in der Ciba Zeitschrift (Aktensignatur: CIBA PW 2.02.3). Link

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grundriss Rudolstätterstr. 9 (nr. 395) - Marcel Breuer Digital Archive. Abgerufen am 19. Juli 2019.
  2. Amtliches Fernsprechbuch für Berlin:. Band 1932, 1932 (zlb.de [abgerufen am 19. Juli 2019]).