Gustav Schröder

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Kapitän Gustav Schröder. Zum Manager siehe Gustav Adolf Schröder.
Gustav Schröder

Gustav Schröder (* 27. September 1885 in Hadersleben (Nordschleswig); † 10. Januar 1959 in Hamburg[1]) war ein Kapitän. 1939 rettete er mit seinem Schiff St. Louis 906 deutsche Juden vorerst vor dem Zugriff der Nationalsozialisten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der St. Louis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schröder stammte aus einer alten reichsdänisch/deutschen kulturengagierten Familie aus dem Grenzland zwischen Deutschland und Dänemark, das im Laufe der Geschichte mal zu Deutschland/Preußen oder Dänemark gehörte.

Als Schüler war er vielseitig interessiert, aber seine Leidenschaft waren das Segeln und die Seefahrt. 1902 verließ er nach der Obersekundareife das deutsche Gymnasium, da ihn das Fernweh gepackt hatte. Mit Einverständnis seines Vaters Professor Nis Ankjär Schröder musterte Gustav Schröder in Hamburg auf dem Segelschulschiff Großherzogin Elisabeth an.

Er verließ das Schiff mit dem Patent zum Leichtmatrosen. Danach heuerte er als Decksmatrose auf dem Schnelldampfer Deutschland an und es folgten mehrere Weltumsegelungen.

Nach der Segelschiffzeit fuhr er für Hongkong-Reedereien als Zweiter Offizier. 1914 wurde er in Kalkutta interniert; erst 1920 kam er wieder frei. 1921 heuerte er bei der HAPAG an und verdiente zwölf Jahre auf „Trampfahrt“ seine Streifen. 1935 wurde Gustav Schröder Offizier auf der Hansa.

Im August 1936 erhielt er mit 50 Jahren das Kapitänspatent und übernahm das Motorschiff Ozeana. Schröder leitete zahlreiche KdF-Fahrten ins Mittelmeer und nach Skandinavien und übernahm Urlaubsvertretungen auf Schiffen, die zwischen Hamburg und New York verkehrten, unter anderem auf der St. Louis.

Die Irrfahrt der St. Louis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapitän Schröder (Mitte) verhandelt im Hafen von Antwerpen mit belgischen Behördenvertretern über eine Ausschiffungserlaubnis für die Passagiere der St. Louis
Hauptartikel: Irrfahrt der St. Louis

Am 13. Mai 1939 fuhr Schröder als Kapitän mit dem HAPAG-Passagierschiff St. Louis (circa 17.600 BRT) vom Hamburger Hafen nach Kuba. Von den 937 nahezu ausnahmslos jüdischen Passagieren, die auf der Flucht vor der Verfolgung in Deutschland waren und in Kuba die Einreisegenehmigung für die USA abwarten wollten, durften trotz der mühevoll erworbenen Landungspapiere nur 29 in Havanna an Land gehen, da Kuba kurz zuvor seine Visabestimmungen geändert hatte. Auch alle Verhandlungen jüdischer Organisationen führten nicht zum Erfolg.

Die St. Louis kreuzte danach vor Florida. Da auch die USA das Schiff abwiesen, erhielt Kapitän Schröder Order, die Rückfahrt anzutreten. Aus Angst vor der Deportation in Konzentrationslager gerieten die Passagiere daraufhin in Panik und drohten mit Massenselbstmord und Meuterei. Erst kurz vor der Ankunft in Europa eröffnete sich durch Schröders Bemühungen die Möglichkeit, die bedrohten Passagiere am 17. Juni 1939 in Antwerpen von Bord gehen zu lassen.

Etwa ein Viertel der Flüchtlinge wurde im rettenden England, die anderen in Belgien, Frankreich und den Niederlanden verteilt, wo viele von ihnen während der deutschen Besatzungszeit wieder in die Gewalt der Nazis gelangten und später in die Vernichtungslager gebracht wurden.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an den Hamburger St. Pauli-Landungsbrücken

1957 wurde Kapitän Schröder „für Verdienste um Volk und Land bei der Rettung von Emigranten“ mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Vom Staat Israel wurde er in Yad Vashem postum in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen.

Die Hansestadt Hamburg benannte im Februar 1990 die Straße Kapitän-Schröder-Weg in Hamburg-Langenhorn nach ihm, und seit 2000 gibt es an den Landungsbrücken eine ausführliche Gedenktafel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Schröder: Heimatlos auf hoher See. Berlin 1949. Digital:[1]
  • Hans Herlin: Die Tragödie der „St. Louis“: 13. Mai – 17. Juni 1939. Mit Dokumenten. Herbig, München 2001, ISBN 3-7766-2242-3. (= Neuauflage von: Kein gelobtes Land. Die Tragöde der St. Louis. 1961)
  • Georg J. E. Mautner Markhof: Das St. Louis-Drama: Hintergrund und Rätsel einer mysteriösen Aktion des Dritten Reiches. Leopold Stocker Verlag, Graz, Stuttgart 2001, ISBN 3-7020-0931-0.
  • Georg Reinfelder: MS „St. Louis“: die Irrfahrt nach Kuba – Frühjahr 1939. Kapitän Gustav Schröder rettet 906 deutsche Juden vor dem Zugriff der Nazis. Hentrich und Hentrich, Teetz 2002, ISBN 3-933471-30-3.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Gustav Schröders Fahrt mit der St. Louis inszenierte Stuart Rosenberg 1976 den Film Reise der Verdammten (Voyage of the Damned) mit Max von Sydow in der Rolle des Kapitäns.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Louis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach: Georg Reinfelder: MS "St. Louis". Die Irrfahrt nach Kuba Frühjahr 1939. Kapitän Gustav Schroeder rettet 906 deutsche Juden vor dem Zugriff der Nazis. Hentrich & Hentrich Verlag Berlin 2002. ISBN 3-933471-30-3, S.214