Hünenstein (Osterholz-Scharmbeck)

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Hünenstein (Osterholz-Scharmbeck)
Steingrab in Osterholz-Scharmbeck (Vorderseite)

Steingrab in Osterholz-Scharmbeck (Vorderseite)

Hünenstein (Osterholz-Scharmbeck) (Niedersachsen)
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Koordinaten 53° 13′ 35″ N, 8° 47′ 52″ OKoordinaten: 53° 13′ 35″ N, 8° 47′ 52″ O
Ort Osterholz-Scharmbeck, Niedersachsen, Deutschland
Entstehung 3500 bis 2800 v. Chr.
Sprockhoff-Nr. 630
Steingrab in Osterholz-Scharmbeck (Rückseite)

Der Hünenstein ist eine jungsteinzeitliche Megalithanlage in Osterholz-Scharmbeck im Elbe-Weser-Dreieck in Niedersachsen. Das vollständige Großsteingrab mit der Sprockhoff-Nr. 630 entstand zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Megalithanlage der Trichterbecherkultur (TBK). Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie jungsteinzeitlicher Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das trapezoide Hünengrab in Osterholz-Scharmbeck ist sechs Meter lang, hat eine Breite von 1,8 bis 2,0 Meter und eine Höhe von fast zwei Metern. Das Steingrab hat etwas von seiner ursprünglichen Höhe eingebüßt, da bei einer Untersuchung zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der tonnenschweren Decksteine nach einem Anhebeversuch eingerutscht war. Bei seiner Entstehung könnte das Großsteingrab im Osterholzer Wald angelegt worden sein, der jedoch weitgehend der Besiedlung gewichen ist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage hat zehn Tragsteine und vier Decksteine. Der größte hat die beachtlichen Abmessungen von 4,5 × 2,5 Meter und gehört mit seinen etwa 30 Tonnen zu den schwersten in Deutschland. Die Anlage ist im Innenraum auch ungewöhnlich hoch. Zwei Decksteine sind mit Schälchen versehen. Ein Deckstein zeigt Sprenglöcher. Der Zugang zur Anlage ist ausgegangen, wahrscheinlich handelt es sich aber um eines der für die Region üblichen Ganggräber. Bei einer Grabung im 18. Jahrhundert sollen in unmittelbare Nähe zum Steingrab mehrere Urnen, Pfeilspitzen und eine Axt gefunden worden sein. Von 1799 existiert ein Kupferstich.

Archäologische Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1982 wurde in Stadt und Kreis Osterholz-Scharmbeck eine umfassende Bestandsaufnahme durch eine Arbeitsgruppe für Denkmalpflege durchgeführt. Bekannt war, dass (im Vergleich zum 19. Jahrhundert) eine große Anzahl von Fundstätten, vor allem durch die fortschreitende Besiedelung des Raumes, bereits als zerstört gelten mussten.

Es sollte eine Überprüfung der Erfassungen des ehemaligen Kreisheimatpflegers H. Fitschen, der archäologischen Landesaufnahme von H. J. Killmann (ehemaliges Dezernat Boden-Denkmalpflege im Verwaltungsamt) und der jahrelangen Beobachtung von K. P. Schultz (Leiter des Kreisheimatmuseums Osterholz) erfolgen, um Klarheit über den tatsächlichen Bestand und dessen Zustand zu gewinnen. Demnach befanden sich 1982 auf dem Kreis- und Stadtgebiet folgende oberirdischen sichtbaren Denkmäler:

Alle neun Großsteingräber befinden sich auf der Osterholzer Geest. Anhand der zahlreichen charakteristischen Keramikfunde in diesen Anlagen bezeichnet man diese vorgeschichtliche Phase als Trichterbecherkultur.

Hinweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Hünengrab“ ist frei zugänglich und befindet sich an der Kreuzung Am HünensteinOsterholzer Straße etwa 150 Meter vom Rathaus entfernt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Der Hünenstein in Osterholz-Scharmbeck. In: Wenn Steine reden könnten. Band III, Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1, S. 16–18.
  • Johann Segelken: Osterholz-Scharmbeck Heimatbuch, Verlag Saade, Osterholz-Scharmbeck 1987
  • Ernst Sprockhoff: Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 3: Niedersachsen – Westfalen. Rudolf-Habelt Verlag, Bonn 1975, ISBN 3-7749-1326-9, S. 13.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Großsteingrab Osterholz-Scharmbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Müller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15