Hadrianeum

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Reste des Hadrianeums; heute Teil der römischen Börse

Als Hadrianeum (italienisch Tempio di Adriano) werden die imposanten Reste eines Tempels an der Piazza di Pietra in Rom bezeichnet, der zu Ehren des vergöttlichten römischen Kaisers Hadrian im Jahre 145 von seinem Nachfolger Antoninus Pius eingeweiht wurde. Fälschlicherweise wird mitunter auch die Engelsburg als ehemaliges Mausoleum Hadrians als „Hadrianeum“ bezeichnet.

Der Tempel, im korinthischen Stil erbaut, bestand ursprünglich aus mutmaßlich 13 weißen Marmorsäulen auf jeder Längsseite und je 8 an der Schmalseite. Dies lässt sich aus dem klassischen Bautyp eines oktastylen Peripteros rekonstruieren.[1] Die Säulen erreichen einen maximalen Durchmesser von 1,44 Meter und erreichen eine Höhe von knapp 15 Metern. Das Podium des Tempels maß 4 Meter Höhe, 27 Meter Breite und 45 Meter Länge. Die Säulen wurden zusätzlich durch mehrlagige Travertinblöcke stabilisiert. Eine breite Treppe führte zum östlich ausgerichteten Tempel empor.
Wie die Cella bestand das Podium aus Peperin. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war sie mit Marmorplatten verkleidet. Eingebettet war das Heiligtum in eine 108 × 98 Meter messende Quadriportikus. Innerhalb der Cella befanden sich einst Reliefplatten mit personifizierten Darstellungen römischer Provinzen sowie einige darauf Bezug nehmende Waffenreliefs.

Übrig geblieben sind vom Tempel, der einst gemeinsam mit dem Tempel des Mark Aurel die Mark-Aurel-Säule einrahmte, lediglich 11 der wahrscheinlich ehemals 13 korinthischen Säulen der nördlichen Längsseite der Ringhalle nebst Teilen des Gebälks, die nördliche Cellawand mit verbliebenen Ankerspuren der ehemaligen Verkleidungsplatten und das mächtige Podium.[2] Bereits im 17. Jahrhundert scheinen nur noch diese Teile übrig gewesen zu sein, denn auf Anordnung von Papst Innozenz XII. wurden die Ruinen des ehemals heidnischen Tempels in ein neues Zollhaus, das im typischen Barockstil errichtet wurde, integriert. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Zollamt zum Bahnhof verlegt wurde, gestaltete Virgino Vespignani die Anlage 1878 zum Sitz der römischen Börse und daneben der Handelskammer um. Diese Funktionen hat das Gebäude heute noch. Im Zuge der Umbauarbeiten in den Jahren 1878 und 1928 wurden die noch erhaltenen antiken Säulen und die Cellawand wieder freigelegt. Bis Ende 2008 wurde die Säulenfront grundlegend saniert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jon Albers: Campus Martius. Die urbane Entwicklung des Marsfeldes von der Republik bis zur mittleren Kaiserzeit. Reichert, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-89500-921-1.
  • John W. Stamper: The Architecture of Roman Temples. The Republic to the Middle Empire, Cambridge, Cambridge University Press, Mai 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hadrianstempel in Rom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. W. Stamper: The Architecture of Roman Temples, S. 213
  2. Jon Albers: Campus Martius, S. 178 ff.

Koordinaten: 41° 53′ 59,6″ N, 12° 28′ 45,7″ O