Haidemühl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stadt Spremberg
Koordinaten: 51° 36′ 23″ N, 14° 24′ 24″ O
Höhe: 128 m ü. NHN
Einwohner: 600 (1. Jan. 2018)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 2006
Postleitzahl: 03130
Vorwahl: 03563
Blick vom Aussichtsturm auf (Neu)-Haidemühl

Haidemühl, niedersorbisch Gózdź, ist ein Ortsteil der brandenburgischen Stadt Spremberg im Landkreis Spree-Neiße im Süden der Niederlausitz.

Ursprünglich war Haidemühl eine Industriegemeinde rund zehn Kilometer westlich (51° 33′ 2″ N, 14° 13′ 20″ O) von Spremberg. Da der Ort dem Tagebau Welzow-Süd weichen musste, wurde er mit Wirkung vom 1. Januar 2006 aufgelöst. Der größte Teil der Einwohner wurde in den neu erbauten Ortsteil Haidemühl der Stadt Spremberg umgesiedelt. Das ursprüngliche Haidemühl trug bis zum 1. Januar 1964 den Namen Gosda-Haidemühl.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtskarte der verschwundenen Ortschaft

Die Gemeinde lag im Bereich des Lausitzer Grenzwalls und grenzte zuletzt an die Städte Spremberg und Welzow, Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg sowie die sächsische Gemeinde Elsterheide im Landkreis Kamenz. Der heutige Ortsteil Haidemühl wird vollständig vom Ortsteil Sellessen umschlossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haidemühl war ursprünglich ein Vorwerk des 1548 erstmals urkundlich erwähnten Ortes Gosda – dem Ursprung der späteren Industriegemeinde Gosda-Haidemühl. Niedersorbisch Gózda bezeichnet einen trockenen Wald. Der Name Haidemühl bezog sich auf eine Mahl- und Schneidemühle und wurde zum ersten Mal in einem Kaufbrief des Mühlenmeisters Mullack mit Datum vom 23. Dezember 1823 urkundlich erwähnt.

Die Geschichte des Ortes war eng mit der Braunkohle und der Glasherstellung verbunden – die Entstehung der Gemeinde geht auf die 1835 errichtete Glashütte zurück. Im Jahre 1835 kaufte der Glasfabrikant Greiner Land, um die Glashütte und drei Wohngebäude für die Arbeiter zu errichten – der Grundstein für das heutige Haidemühl. Die Gemeinde wuchs und 1900 kam mit der Errichtung der Brikettfabrik eine neue Wohnsiedlung von fünf Häusern mit je acht Wohnungen dazu – die Kolonie wurde nach dem Direktor der Fabrik „Werminghoff“ genannt. In den Jahren darauf folgten Verkehrsanbindungen nach Spremberg und Senftenberg, Gleisanschluss an Welzow und Petershain, neue Glashüttengebäude und Wohnhäuser. 1929 entstand die gemeinsame Schule.

Hauptstraße in (Alt)-Haidemühl nach der Umsiedlung

Nach dem Fall der Mauer (November 1989), der Währungsunion und der Wiedervereinigung (3. Oktober 1990) verlor Haidemühl seine traditionsreichen Standbeine: das traditionsreiche Glaswerk mit 1280 und die Brikettfabrik mit 160 Beschäftigten wurden geschlossen.

Heute ist die Gemeinde komplett mit ihrer Sozial-, Bevölkerungs- und Infrastruktur umgesiedelt, weil der alte Standort bis zum Jahr 2018 endgültig dem Tagebau weichen muss. Der neue Standort befindet sich östlich des Ortsteils Sellessen der Stadt Spremberg, etwa 5 km nordöstlich vom Stadtzentrum entfernt.

Die Auflösung der Gemeinde Haidemühl erfolgte mit Wirkung zum 1. Januar 2006, bis zu diesem Zeitpunkt wurden rund drei Viertel der Bevölkerung umgesiedelt. Der Name ging auf den neuen Ortsteil von Spremberg über, während die Gemeindefläche an die Stadt Welzow fiel. Bis zum Auszug der letzten Einwohner wurde die ehemalige Gemeinde als Wohnplatz Haidemühl der Stadt Welzow weitergeführt.

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haidemühler Glashüttenwerke, G.m.b.H., Haidemühl bei Spremberg wurde 1835 von Johann Christoph Greiner gegründet. Friedrich August Kaennichen erwarb das Werk 1835. Eigentümer waren später Adolf Schiller (nach 1935 arisiert) und danach Rudolf Bricke und Reinhold Domaschke. Die Hütte wurde nach 1945 enteignet, 1990 privatisiert, ging 1993 in Insolvenz und wurde geschlossen[2] Weitere Firmen sind die zu Beginn des 20. Jh. gegründete Brikettfabrik Werminghoff der Eintracht AG und die WINOLUX GmbH (Willy Noack Elektroanlagen), ein Zweigbetrieb von Berlin-Friedenau (etwa bis 1953).

Statistische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 662 Einwohnern im Jahre 2001 der Gemeinde Haidemühl waren 318 Frauen und 344 Männer. Es gab 85 Eigentümergrundstücke, 175 bewohnte Mietwohnungen und als Gemeinschaftseinrichtungen die Schule, die Kindertagesstätte und das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde.

Im neuen Ortsteil wurden 176 Mietwohnungen, 85 Eigenheime, eine Grundschule mit Kita, ein Dorfgemeinschaftshaus sowie ein Biomasse-Kraftwerk neu errichtet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ortsname Bevölkerung
1849 Kolonie Haidemühl 153
1904 Haidemühl und Werminghoff 412
1928 Haidemühl und Werminghoff 1176
1938 Gosda Haidemühl 1495
1946 Gosda Haidemühl 1286
1958 Gosda Haidemühl 1513
1967 Haidemühl 1098
1980 Haidemühl 1045
1987 Haidemühl 832
1995 Haidemühl 719
2001 Haidemühl 662
20. Dez. 2005 (Alt-)Haidemühl 158
30. Juni 2005 (Neu-)Haidemühl 411

Umsiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein letzter Protest in (Alt)-Haidemühl

1993 wurde konkret, dass die Gemeinde Haidemühl dem Tagebau Welzow-Süd weichen soll. Am 30. Juni 2000 wurde von Vertretern der Gemeinde Haidemühl und der Lausitzer Braunkohle AG der Haidemühlvertrag unterzeichnet. Darin verpflichtete sich die Lausitzer Braunkohle AG (jetzt LEAG) gegenüber den Bürgern der Ortschaft Haidemühl und gegenüber der Gemeindevertretung Haidemühl, die Umsiedlung in einer den Bedürfnissen der betroffenen Einwohner entsprechenden Weise zu planen und durchzuführen.

Der neue Standort liegt im Osten des Spremberger Ortsteils Sellessen und hat eine Größe von ungefähr 90 Hektar. Die Planung und Erschließung des Geländes erfolgte vom 1. Januar 2001 bis 30. Juni 2003 – ab dem 1. Juli 2003 lagen dort die baureifen Grundstücke vor. Vom 30. Juni 2003 bis 31. Dezember 2006 erfolgte die Umsiedlung der Einwohner Haidemühls. Seit 2004 wird die alte Siedlung abgerissen. 2018 erreicht der Tagebau Welzow-Süd den heutigen Standort.

Das Land Brandenburg hat die Umsiedlung mit 5,6 Millionen Euro gefördert[3].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein 25,5 m hoher Aussichtsturm steht am westlichen Ortsrand von Haidemühl. Die 2006 errichtete auffällige Stahlkonstruktion besteht aus einer zentralen Spindeltreppe, die zu drei Aussichtsplattformen führt. Diese haben einen dreieckigen Grundriss, sind jeweils versetzt angeordnet und werden von roten Stahlträgern gehalten, die ihrerseits wieder Dreiecke bilden. Die oberste Plattform liegt auf einer Höhe von 18 m.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Fugmann, Haidemühl. Eine Festschrift, Cottbus 2007.
  • Tim S. Müller, Gosda/Niederlausitz. Landnutzungswandel einer ostelbischen Gutsherrschaft zwischen „Ökonomischer Aufklärung“ und anbrechendem Industriezeitalter (1790-1860), Waxmann-Verlag, Münster/New York/München/Berlin 2012 (= Die Niederlausitz am Anfang des 21. Jahrhunderts. Geschichte und Gegenwart 2).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haidemühl – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ortsteile der Stadt Spremberg. In: stadt-spremberg.de. Abgerufen am 7. Februar 2018.
  2. Glaswerk Haidemühl - Betriebsgeschichte, LR vom 21. Febr. 2003 (abgerufen am 16. März 2015)
  3. Märkische Oderzeitung, 18. Sept. 2006, S. 10
  4. Ausflugsziel bei Spremberg der Aussichtsturm Haidemühl auf meinsachsen.net.