Hainitz

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Gemeinde Großpostwitz
Koordinaten: 51° 7′ 20″ N, 14° 26′ 35″ O
Höhe: 240 m ü. NN
Fläche: 91 ha
Eingemeindung: 1934
Eingemeindet nach: Großpostwitz

Hainitz, obersorbisch Hajnicy, ist eine Ansiedlung, die zum Kernort der Gemeinde Großpostwitz in Sachsen gehört.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hainitz befindet sich nördlich von Großpostwitz an der Bundesstraße 96 im Lausitzer Bergland. Der Ort besteht aus zwei durch die Spree getrennten Siedlungsteilen. Der ältere Bauernweiler Alt-Hainitz liegt östlich der Bundesstraße am Fuße des 431,9 m hohen Thrombergs auf einem Rücken zwischen den Gründen des Cosuler Wassers und Hainitzer Wassers, die hier der Spree zufließen. Westlich von Alt-Hainitz in der Spreeaue liegt die Flachsspinnerei mit den Arbeitersiedlungen Spreetal und Fabrikstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung von „Haynicz“ erfolgte im Jahre 1404. Der Ort an der alten Kaiserstraße ist eine slawische Gründung, sein Name leitet sich vermutlich von „haj“ (Hain) her. Die an der Spree gelegene Hainitzer Mühle ist seit 1473 nachweisbar. Nickel von Grünberg (von Grunenberg) auf dem Bautzener Burglehn verkaufte 1471 das Dorf „Haynitz“ zusammen mit dem Wald auf dem Thromberg an den Bautzener Rat.[1][2] 1497 erwarb die Bautzener Liebfrauenkirche das Lehngut Hainitz. Infolge des Pönfalls verlor der Rat 1547 das Dorf wieder, er kaufte es jedoch bereits 1555 zurück. 1777 bestand Hainitz aus drei Besessenen, drei Gärtnern, sieben Häuslern sowie einer wüsten Stelle. 1834 hatte das Dorf 83 Einwohner. Nach dem Bau der neuen Bautzener Chaussee wuchs der Weiler ab 1834 nach Westen bis zur Straße an. Der Besitzer der Neuen Mühle errichtete 1843 ein Ausgedingehaus, ihm gegenüber baute 1862 ein Arzt sein Haus. Schließlich entstand an der Chaussee eine Pilgerschenke.

Nachdem der Bautzener Kaufmann Emil Grützner 1865 mit seinem böhmischen Kompagnon Johann Faltis in Bautzen keinen geeigneten Standort für eine Flachsspinnerei finden konnte, erwarben die Unternehmer die alte Hainitzer Mühle und errichteten an ihrer Stelle eine Spinnerei mit 7.000 Spindeln. Das Unternehmen Grützner & Faltis nahm im Mai 1866 den Betrieb auf und wurde bald vergrößert. Durch die 1877 eingeweihte Eisenbahnstrecke Bautzen–Wilthen erhielt das Unternehmen einen weiteren Aufschwung. In den 1890er Jahren ließ Faltis Enkel Alfons Porak (1851–1910) für die zumeist aus dem böhmischen Trautenau stammenden Arbeiter eine moderne Wohnsiedlung anlegen, die zwischen 1902 und 1908 vergrößert wurde. Für die größtenteils katholischen Arbeiter wurde 1882 in Hainitz die katholische Josefskapelle und 1901 eine katholische Schule errichtet. 1909 ging eine neue Fabrikanlage in Betrieb. 1912 entstand an der Flurgrenze mit Rascha der Neubau der evangelischen Volksschule. Infolge der Weltwirtschaftskrise ging Grützner & Faltis 1931 in Insolvenz. Aus der Konkursmasse gründete die Deutsche Bank als Hauptgläubiger 1932 die Mechanische Flachsgarnspinnerei Hainitz GmbH, die 1943 zur Flachsspinnerei Hainitz AG umfirmiert wurde.

1934 wurde Hainitz nach Großpostwitz eingemeindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Spinnerei enteignet und als VEB Flachsspinnerei Hainitz verstaatlicht. Später wurde der Betrieb als VEB Vereinigte Leinenindustrie Werk 1 Großpostwitz zur größten der vier Leinenspinnereien der DDR. Das 1991 von der belgischen Ontex-Gruppe übernommene Werk produziert heute Tampons und trägt den Namen Ontex Hygieneartikel Deutschland GmbH. Es ist der größte Textilbetrieb der Oberlausitz. Nach 1990 wuchs Hainitz mit Großpostwitz zusammen.

Zwischen 1889 und 1898 wirkte der Paläobotaniker Paul Menzel als Landarzt in Hainitz. 1895 wurde hier sein Sohn, der Silikatchemiker Heinrich Menzel geboren.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 342 Einwohnern; davon waren 247 Deutsche und 95 Sorben (28 %).[3] Dagegen waren alle Nachbarorte mehrheitlich sorbisch besiedelt. Der Gebrauch des Sorbischen ist im 20. Jahrhundert weiter stark zurückgegangen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Digitale Bibliothek, Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, 61000 – 0448, Alte Sign.: No.9.Lit.Z. / Rote Sign.: E.No.11, Name der Provenienzstelle: Stadt Bautzen: Nickel von Grünberg (von Grunenberg), der auf dem Burglehn zu Bautzen wohnt, verkauft mit Billigung seines Bruders Heinrich von Grünberg das Dorf Hainitz samt der dazugehörigen Einnahmen und allen Büschen, Wiesen, Äckern etc. sowie dem Wald Thromberg an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Bautzen., Bautzen, 1471
  2. Deutsche Digitale Bibliothek, Archivverbund Bautzen, Stadtarchiv, 61000 – 0466, Rote Sign.: C.No.12a, Name der Provenienzstelle: Stadt Bautzen: Die Brüder Nickel und Heinrich von Grünberg (von Grunenberg) bestätigen hiermit, dass sie dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Bautzen das Dorf Hainitz mit den dazugehörigen Zinsen und allen Büschen, Wiesen, Äckern etc. sowie dem Wald Thromberg für 175 Mark Groschen verkauft haben und geloben vor dem Landvogt Herzog Friedrich von Liegnitz, dabei nichts ausgelassen zu haben., Bautzen 1472
  3. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.