Hans Baron

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Hans Baron (* 22. Juni 1900 in Berlin; † 26. November 1988 in Urbana (Illinois, USA)) war ein Historiker und Renaissance-Forscher.

Leben[Bearbeiten]

Hans Baron entstammte einer Berliner jüdischen Familie; sein Vater war der Sanitätsrat Theodor Baron. Er studierte u.a. Geschichte, Philosophie und Germanistik in Leipzig und Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten Walter Goetz, Friedrich Meinecke und der Kulturtheoretiker Ernst Troeltsch, dessen Schriften er später in mehreren Sammelbänden herausgab. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme und der Entlassung aus dem Dienst der Bayerischen Akademie der Wissenschaften emigrierte er über Stationen in Italien und Großbritannien 1938 in die USA. Dort lehrte und forschte er u.a. in Princeton, Chicago und New York.

Bedeutung[Bearbeiten]

Bedingt durch den erzwungenen Weggang aus seinem Heimatland 1933, lag der Schwerpunkt von Barons akademischer Karriere in den USA. Dies gilt noch immer auch für die Rezeption seines Werkes. Baron hinterließ besonders auf dem Gebiet der Erforschung des italienischen Renaissance-Humanismus nachhaltige Wirkung. Er stellte das Konzept des sog. "Bürgerhumanismus" (Civic Humanism) auf. Seine Neigung zur Theoriebildung wurde häufig angegriffen wie auch das Konzept infragegestellt. Dennoch lieferte es fruchtbare neue Forschungsansätze. Die zentrale Gestalt seiner Arbeiten zu diesem Zeitalter war Leonardo Bruni.

Werke[Bearbeiten]

  • Calvins Staatsanschauung und das konfessionelle Zeitalter, Berlin / München 1924.
  • (Hrsg.) Leonardo Bruni Aretino. Humanistisch-philosophische Schriften, Leipzig / Berlin 1928.
  • The Crisis of the Early Italian Renaissance: Civic Humanism and Republican Liberty in an Age of Classicism and Tyranny, Princeton 1955 / 1966.
  • Humanistic and Political Literature in Florence and Venice at the beginning of the Quattrocento: Studies in criticism and chronology, Cambridge: Harvard Univ. Press, 1955 / 1968.
  • From Petrarch to Bruni: Studies in humanistic and political Literature, Chicago 1968.
  • Petrarch’s Secretum: its making and its meaning, Cambridge, Mass.: Medieval Academy of America, 1985.
  • In Search of Florentine Civic Humanism: Essays on the Transition from Medieval to Modern Thought, 2 vols., Princeton 1988.
  • Bürgersinn und Humanismus im Florenz der Renaissance, Berlin 1992.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wallace K. Ferguson: The Interpretation of Italian Humanism: the Contribution of Hans Baron, in: Journal of the History of Ideas 19 (1958), S. 14-25.
  • Renaissance. Studies in honor of Hans Baron. Ed. by Anthony Molho and John A. Tedeschi, Firenze: Sansoni, (1971), LXXXVII, 874 S. (Biblioteca storica Sansoni: nuova serie; 49).
  • Alison Brown: Hans Baron's Renaissance, in: Historical Journal 33 (1990), S. 441-448.
  • Riccardo Fubini: Renaissance Historian: the Career of Hans Baron, in: Journal of Modern History 64 (1992), S. 541-574.
  • Kay Schiller: Gelehrte Gegenwelten. Über humanistische Leitbilder im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2000.
  • Friedrich Wilhelm Graf: Tagtraum vom Bürgerhumanismus. Aus Liebe zum Vaterland: Die Geschichtsbilder des deutschen Juden Hans Baron, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Juni 2000.
  • Klaus Große Kracht: „Bürgerhumanismus“ oder „Staatsräson“. Hans Baron und die republikanische Intelligenz des Quattrocento, in: Leviathan 29 (2001), S. 355-370.
  • Martial Staub: Bürgerlichkeit im Exil. Bernhard Groethuysen und Hans Baron, in: Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften, Göttingen 2004, S. 351-374.
  • Friedrich Meinecke. Akademischer Lehrer und emigrierte Schüler: Briefe und Aufzeichnungen 1910-1977. Bearbeitet von Gerhard A. Ritter, München 2006, S. 61-65 (mit Porträtaufnahme).
  • Perdita Ladwig: Das Renaissancebild deutscher Historiker 1898-1933, Frankfurt/M., New York 2004.

Weblinks[Bearbeiten]