Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen

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Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Das namengebende Große Heilige Meer

Das namengebende Große Heilige Meer

Lage Hopsten / Recke, Kreis Steinfurt, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Fläche 259,9 ha in neun Teilflächendep1
Kennung ST-014
WDPA-ID 318374
Natura-2000-ID DE-3611-301
FFH-Gebiet 230 ha
Geographische Lage 52° 21′ N, 7° 38′ OKoordinaten: 52° 21′ 4″ N, 7° 38′ 0″ O
Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen (Nordrhein-Westfalen)
Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen
Seehöhe von 40 m bis 45 m (ø 42 m)
Einrichtungsdatum 22. März 1930
Verwaltung Biologische Station Heiliges Meer (LWL)

Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen ist ein Naturschutzgebiet in der Region Tecklenburger Land im Norden von Nordrhein-Westfalen. Namengebend ist der größte See des Gebietes, das Große Heilige Meer.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet befindet sich zum überwiegenden Teil im Recker Ortsteil Obersteinbeck, der Rest liegt im Gemeindegebiet von Hopsten. Südlich des Heideweiher grenzt es unmittelbar an Ibbenbürener Territorium. Das Gebiet wird zwischen Großem Heiligen Meer und Erdfallsee von der Landstraße 504 (Hopsten − Ibbenbüren) zerschnitten. An dieser Straße befindet sich unweit der beiden Seen auch die Biologische Station Heiliges Meer, die eine Außenstelle des LWL-Museums für Naturkunde ist.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestlich unter dem Schafberg liegt eine etwa 4,5 Kilometer lange und 1,5 Kilometer breite geologische Senkungszone, die in den Flurkarten die Bezeichnung Heiliges Feld trägt. In diesem Senkungsgebiet hat sich im Laufe der Jahrtausende eine Vielzahl von Erdfällen ereignet, die oft dauerhaft oder temporär mit Wasser gefüllt sind. Oft weisen diese Senken nur wenige Meter Durchmesser auf. Von den vier großen Stillgewässern des Naturschutzgebietes gehen drei ebenfalls auf Einbrüche des Untergrunds zurück. Dies sind das Große und das Kleine Heilige Meer sowie der Erdfallsee. Letzterer entstand erst vor gut 100 Jahren, als am 14. April 1913 die Erde auf einer nahezu kreisrunden Fläche von etwas über 100 Meter Durchmesser um mehr als zehn Meter absackte.[1] Lediglich für den Heideweiher, ein flacher, nur rund ein Meter tiefer See im Südosten des Gebietes, ist eher davon auszugehen, dass er sich in einer ausgeblasenen Flugsanddecke über einer Ortsteinschicht gebildet hat.

Grund für die Erdfälle ist eine geologische Störung, entlang der in etwa 100 Metern Tiefe wasserlösliche Salinargesteine angelagert sind. Grundwasser löst die Gesteine auf, unter der Last der aufliegenden Gesteine bricht das Deckengebirge ein und in die entstehenden Hohlräume sacken Sande nach oder werden eingeschwemmt. Diese Vorgänge können ganz allmählich aber auch plötzlich erfolgen. Im ersten Fall entstehen an der Oberfläche flache Mulden, im zweiten Fall Einbrüche mit steilen Ufern.

Das Große Heilige Meer, mit einer Fläche von rund 11 ha der größte natürliche See Westfalens,[2] ist vermutlich rund 1100 Jahre alt, das Kleine Heilige Meer entstand vor etwa 2000 Jahren. Aufgrund von Pollenuntersuchungen am Gewässergrund kann man das Alter der Seen relativ gut bestimmen.

Das Naturschutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Biologische Station, Außenstelle des LWL-Museums für Naturkunde

Das Naturschutzgebiet hat heute eine Größe von etwa 260 ha. Es zerfällt in insgesamt neun Teilflächen. Große Teile befinden sich im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.[3] 1927 wurde die erste Fläche mit 47 ha angekauft, bis 1930 kamen weitere 8 ha hinzu. Am 22. März 1930 trat eine erste Naturschutzverordnung für das Heilige Meer in Kraft.

Nach 1930 wurden nach und nach weitere angrenzende Flächen hinzugekauft, so dass umliegende ehemalige Ackerflächen nun nicht mehr bewirtschaftet wurden, wodurch der Artenschutz leichter fiel. Dazu wurde am 20. August 1988 eine Schutzverordnung verabschiedet, die weitere 66 ha als Pufferzone für das Naturschutzgebiet auswies. Die Puffer grenzten zum Teil auch direkt an das Heilige Meer an und bestanden sowohl aus Äckern als auch aus Erlenbruchwald und Röhrichten.

Heute gilt die „Verordnung zur Ausweisung des Gebietes Heiliges Meer - Heupen zum Naturschutzgebiet“ vom 28. November 2008[4] des Regierungspräsidenten in Münster.[5]

Eine Fläche von 230 ha des Naturschutzgebietes ist zudem als Schutzgebiet im Sinne der FFH-Richtlinie (Natura 2000-Nr. DE-3611-301) ausgewiesen.[6]

In der Biologischen Station werden für naturkundlich Interessierte Kurse angeboten.

Lebensräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wesentlichen kann man in diesem Naturschutzgebiet zwischen drei Biotopen unterscheiden: Stillgewässer, Heiden und Wälder. Zusätzlich gibt es Grünlandflächen und Brachen.

Heiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heide- und Baumlandschaft im Naturschutzgebiet Heiliges Meer

Die ursprüngliche Vegetation des Gebietes waren Wälder. Im frühen Mittelalter fanden jedoch umfangreiche Rodungen statt, wodurch sich Heiden und Sandböden gebildet haben. Seitdem wird durch Beweidung mit Schafen und auch frei laufenden Pferden die Verbuschung zurückgehalten. Heute nehmen Heideflächen etwa 25 % des Gesamtgebietes ein.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewässer des Naturschutzgebietes Heiliges Meer sind vornehmlich oligotroph, wobei das bis zu 10,5 Meter tiefe Große Heilige Meer schon meso- bis eutroph ist. Auf dem Boden des ursprünglich bis zu 18 Meter tiefen Sees hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine ständig wachsende Schlammschicht (Gyttja) gebildet. Das zweitgrößte Gewässer, der heute rund 7 ha große Erdfallsee mit 12 Meter Tiefe, ist ein oligotrophes Gewässer, das Übergänge zum mesotrophen Typus zeigt.[7] Heideweiher und Kolke zeichnen sich insbesondere durch Stickstoff- und Phosphor-Armut aus. Zur Zeit ihrer Entstehung waren die Gebiete sehr nährstoffarm, erst in den letzten Jahrzehnten wurde der enorme Stickstoffeintrag zu einem großen Problem.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Terlutter: Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer. Hrsg.: LWL-Museum für Naturkunde. Münster 2013, ISBN 978-3-940726-01-8.
  • Gerhard Knoblauch: Die Vogelwelt des Naturschutzgebietes „Heiliges Meer“. Vogelkundliche Bibliothek 11. Greven 1980.
  • Fritz Runge: Die Pflanzengesellschaften des Naturschutzgebietes Heiliges Meer und ihre Änderungen in den letzten 90 Jahren. Natur und Heimat, Beiheft 15. Münster 1991.
  • Fritz Runge: Ein Rundgang durch das Naturschutzgebiet Heiliges Meer. 5. Auflage, Münster 1985.
  • S. Buchholz und M. Kreuels: Die Spinnen (Arachnida: Araneae) im Naturschutzgebiet „Heiliges Meer“ - eine vorläufige Artenliste. In: Natur und Heimat 65(4)/2005, S. 97-112 (PDF).
  • Christof Spannhoff: Die Gewässernamen Drevanameri und Heiliges Meer, in: Nordmünsterland. Forschungen und Funde 1 (2014), S. 223-248.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzgebiet Heiliges Meer-Heupen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Terlutter: Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer. Hrsg.: LWL-Museum für Naturkunde. Münster 2013, ISBN 978-3-940726-01-8, S. 11–13, 18 ff.
  2. Heinrich Terlutter: Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer. Hrsg.: LWL-Museum für Naturkunde. Münster 2013, ISBN 978-3-940726-01-8, S. 14, 29.
  3. Fachinformationen zum Naturschutzgebiet Heiliges Meer - Heupen beim LANUV
  4. Veröffentlicht im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Münster. Bezirksregierung Münster, 12. Dezember 2008, S. 521, abgerufen am 7. November 2013 (pdf; 5,4 MB, deutsch).
  5. Heinrich Terlutter: Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer. Hrsg.: LWL-Museum für Naturkunde. Münster 2013, ISBN 978-3-940726-01-8, S. 14.
  6. Vgl. Heiliges Meer - Heupen. Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 7. November 2013 (url, deutsch).
  7. Heinrich Terlutter: Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer. Hrsg.: LWL-Museum für Naturkunde. Münster 2013, ISBN 978-3-940726-01-8, S. 29.