Helmut Roloff


Helmut Roloff (* 9. Oktober 1912 in Gießen; † 29. September 2001[1] in Berlin) war ein deutscher Pianist und Hochschullehrer. Er wirkte zwischen 1970 und 1975 als Leitender Direktor an der Hochschule für Musik (HfM) Berlin (seit 1975 Universität der Künste Berlin, Fakultät 3).
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sein Vater war der Zeithistoriker Gustav Roloff. Helmut machte sein Abitur am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen. Danach studierte er Jura in Leipzig, Gießen und München und erhielt 1935 eine Stelle als Gerichtsreferendar in Butzbach. Nachden er bereits von 1933 bis 1934 bei Robert Teichmüller in Leipzig Klavier studiert hatte, beschloss er, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er nahm 1935 an der Hochschule für Musik in Berlin (HfM) bei Richard Rössler ein Studium als Konzertpianist auf, dass er von 1939 bis 1941 mit Privatunterricht bei dem Pianisten Wladimir Horbowski in Berlin abschloss. Nach seinem Musikstudium arbeitete Roloff als Dozent am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium.[2]
Durch seine Freunde John Graudenz und Helmut Himpel kam es zur Zusammenarbeit mit der Widerstandsgruppe Rote Kapelle. Von Himpel erhielt Roloff einen Koffer mit Kurzwellensender, den er in der elterlichen Wohnung in Berlin hinter einem Piano versteckte. Am 17. September 1942 fand in der Wohnung eine Hausdurchsuchung statt und die Gestapo fand den Koffer. Obwohl Roloff eindeutig erklären konnte, er habe den Inhalt des Koffers für ein Musikinstrument gehalten, wurde er verhaftet. Zum Verhör brachten ihn die Gestapo-Leute in ihre Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße, wo er zwei Wochen mit auf dem Rücken gebundenen Händen im Keller verblieb. Bei seinen Vernehmungen blieb er dabei, nicht gewusst zu haben, was sich in dem Koffer befand und die Gestapo konnte ihm eine Mitwisserschaft, seine Beteiligung an Zettelklebeaktionen sowie seine aktive Zugehörigkeit zu der Roten Kapelle nicht nachweisen. Er wurde in das Militärgefängnis nach Spandau verlegt und am 26. Januar 1943 überraschend aus der Haft entlassen.
Im Jahr 1945, nach dem Ende des Krieges, erhielt Roloff eine Berufung an die wiedergegründete HfM, zunächst als Leiter der Klavier-Ausbildungsklasse. 1950 wurde er zum Professor und 1953 zum ordentlichen Professor ernannt. Ab 1969 war er zunächst stellvertretender und von 1970 bis 1975 leitender Direktor der HfM.[3] Am 1. April 1978 wurde er emeritiert, unterrichtete aber noch bis 1997. Er ist Ehrensenator der Universität der Künste Berlin.
1950 erhlielt er den Berliner Kunstpreis.[4] Er war zeitlebens als Konzertpianist und Klavierlehrer tätig.
Ab 1953 war Roloff mit Ingeborg Robiller verheiratet. Der Sohn Stefan Roloff begann 1999 mit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Widerstandsgeschichte des Vaters. Der Sohn Johannes Roloff ist ebenfalls Pianist, der Sohn Ulrich Roloff Flötist.
Texte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]"Zur Einführung", in: Pianisten in Berlin. Klavierspiel und Klavierausbildung seit dem 19. Jahrhundert, hrsg. von Wolfgang Rathert und Dietmar Schenk. Hochschule der Künste Berlin, Berlin 1999, ISBN 3-89462-068-4, S. 9–10.
Tondukumente
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von 1950 bis 1955 machte Roloff Aufnahmen für die Deutsche Grammophon (Werke von J.S. Bach, Beethoven, Grieg, Mendelssohn, Mozart, Prokofjew, Schönberg, Schumann, Sinding, Tscherepnin, C. M. Weber), um 1953 für Remington (Beethoven, Berg, Mozart), 1954 für den Bertelsmann Schallplattenring (Beethoven), 1957 für Telefunken (Schubert) und 1963 für Odeon (Mendelssohn).[5]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Roloff, Helmut. In: Hedwig und Erich H. Mueller von Asow: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954, Sp. 1073
- Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle, „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. ergebnisse-Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0.
- Christine Fischer-Defoy: Kunst Macht Politik. Die Nazifizierung der Kunst- und Musikhochschulen in Berlin. (S. 298), Hochschule der Künste Berlin, Presse und Informationsstelle, Berlin 1996 (Lizenz des Elefanten-Press-Verlags), ISBN 3-89462-048-X.
- Helmut Roloff in: Pianisten in Berlin. Klavierspiel und Klavierausbildung seit dem 19. Jahrhundert, hrsg. von Wolfgang Rathert und Dietmar Schenk. Hochschule der Künste Berlin, Berlin 1999, ISBN 3-89462-068-4, S. 93.
- Stefan Roloff: Die Rote Kapelle. Die Widerstandsgruppe im Dritten Reich und die Geschichte Helmut Roloffs. Ullstein-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-548-36669-4.
- Helmut Roloff. In: Ingo Harden und Gregor Willmes: PianistenProfile. Bärenreiter, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-1616-5, S. 614–616.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- zdf.de zum letzten Interview mit Helmut Roloff ( vom 11. Juni 2009 im Internet Archive)
- Helmut Roloff bei Discogs
- Geburtsort
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Siehe Todesanzeigen in der Berliner Morgenpost und Der Tagesspiegel vom 14. Oktober 2001.
- ↑ Richard Schroetter: Kultur: „Ich habe den Musiktrottel gespielt“. In: Tagesspiegel vom 9. Oktober 2012.
- ↑ Personenprofil Roloff. Universität der Künste Berlin. Abruf am 1. September 2025.
- ↑ Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954, Sp. 1073
- ↑ Michael Gray: A classical discograpy
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Roloff, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Musiker, Pianist, Widerstandskämpfer der Roten Kapelle |
| GEBURTSDATUM | 9. Oktober 1912 |
| GEBURTSORT | Gießen |
| STERBEDATUM | 29. September 2001 |
| STERBEORT | Berlin |