Herjólfsnes

Herjólfsnes (dänisch Herjolfsnæs „Herjólfrs Kap“) ist eine mittelalterliche Wüstung der Grænlendingar.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herjólfsnes wird in den mittelalterlichen schriftlichen Quellen erwähnt. Sowohl die Landnámabók als auch die Grænlendinga saga berichten davon, dass Herjólfr Bárðarson als einer der ersten aus Island stammenden Kolonisten sich Ende des 10. Jahrhunderts in Herjólfsnes niederließ, das er nach sich benannte.[1][2] Später hat man geschlossen, dass sich Herjólfsnes an der Stelle des späteren Ikigaat befand.[3] In Ívarr Bárðarsons Beschreibung Grönlands heißt es, dass sich bei Herjólfsnes ein Hafen namens Sand befand, den „Norweger und Kaufleute“ regelmäßig anliefen. Poul Nørlund vermutete, dass sich dieser Hafen auf der anderen Seite des Fjords etwa einen Kilometer südlich von Narsarmijit befand.[4.1] Herjólfsnes wurde von Nørlund als drittwichtigste Siedlung der Grænlendingar nach Garðar und Brattahlíð angesehen.[4.2] Aus C14-Datierungen von archäologischen Funden lässt sich schließen, dass Herjólfsnes etwa bis zum zur Mitte des 15. Jahrhunderts bewohnt war.[3] Die Siedlung bestand somit während der gesamten Existenzperiode der Grænlendingar in Grönland, bevor diese höchstwahrscheinlich im 15. Jahrhundert verschwanden. Die archäologischen Funde umfassten Menschen, die wahrscheinlich an Entkräftung gestorben waren, sowie bis ans Heft abgenutzte Eisenmesser.[5] Doch die Siedlung war so bedeutend gewesen, dass sie noch im 16. Jahrhundert in Europa im kollektiven Bewusstsein war, als es hieß, dass der Bischof von Skálholt, Ögmundur Pálsson nach Grönland abgetrieben wurde und glaubte Herjólfsnes gesichtet zu haben.[4.3]
Archäologische Spuren
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1830 entdeckte der in Narsarmijit aktive Missionar Johann Arnold de Fries in Ikigaat einen Grabstein (siehe Foto), woraufhin man davon ausging, dass sich Herjólfsnes hier befunden haben musste. Einige Jahre später wurden durch Erosion freigelegte Särge und Skelette gefunden. In den folgenden Jahrzehnten wurden immer wieder mehr oder weniger organisiert Untersuchungen in Ikigaat durchgeführt und Artefakte nach Dänemark gesandt.[4.4] Die bedeutendste Untersuchung von Herjólfsnes wurde jedoch 1921 durch Poul Nørlund durchgeführt.[3] In seinem 1924 veröffentlichten Expeditionsbericht beschrieb er die Ruinen, Gräber, Särge, Grabsteine, Grabkreuze und vor allem die Textilfunde von Herjólfsnes, aber auch alle weiteren Funde. Insgesamt beschrieb er über 200 Funde,[4] darunter rund 120 Bestattungen, von denen viele jedoch in schlechtem Erhaltungszustand waren.[6]
Nørlund fand die Ruinen einer Kirche, um die der Friedhof angelegt war, in dessen Gräbern zahlreiche bedeutende Funde gemacht wurden. Obwohl keine weitere Kirchenruine zu finden war, schloss er, dass die gefundene Ruine nicht das erste Kirchengebäude in Herfólfsnes gewesen sein konnte.[6] Einige der bedeutendsten Runeninschriften Grönlands stammen ebenfalls aus den Gräbern.[7]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Poul Nørlund: Buried Norsemen at Herjolfsnes. An Archaeological and Historical Study. In: Meddelelser om Grønland. Band 67, Nr. 1. C. A. Reitzel, Kopenhagen 1924, S. 1–270 (Online).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Landnámabók, Teil 2, Kap. 14.
- ↑ Grænlendinga saga, Kap. 1 und 2.
- 1 2 3 Jette Arneborg: Herjolfsnæs. Danmarks Nationalleksikon.
- ↑ Poul Nørlund: Buried Norsemen at Herjolfsnes. An Archaeological and Historical Study. In: Meddelelser om Grønland. Band 67, Nr. 1. C. A. Reitzel, Kopenhagen 1924, S. 1–270 (Online).
- ↑ Bernd Herrmann: Umweltgeschichte. Eine Einführung in Grundbegriffe. 2. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg 2016, ISBN 978-3-642-29723-6, S. 68 f.
- 1 2 Niels Lynnerup: The Greenland Norse. A biological-anthropological study (= Meddelelser om Grønland – Men & Society. Band 24). Kommission für Wissenschaftliche Untersuchungen in Grönland, Kopenhagen 1998, ISBN 87-90369-24-6, S. 19 f. (Online).
- ↑ Lisbeth Imer: Peasants and Prayers. The inscriptions of Norse Greenland (= Publications from the National Museum. Band 25). University Press of Southern Denmark, Odense 2017, ISBN 978-87-7602-345-4, S. 216–237.
Koordinaten: 59° 59′ 28″ N, 44° 43′ 34,6″ W