Hermann Augustin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hermann Augustin (* 22. November 1932 in Bülderup) ist ein promovierter deutscher evangelisch-lutherischer Theologe, der als Pastor in Feldstedt und Blankenese sowie als Propst des Kirchenkreises Herzogtum Lauenburg mit Sitz in Ratzeburg gewirkt hat.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Augustin studierte nach dem Abitur an der Herderschule in Rendsburg Theologie an der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und promovierte 1961 an der Universität Hamburg bei den Professoren Hans-Rudolf Müller-Schwefe und Kurt Dietrich Schmidt über das Thema Regeneration und innere Mission bei Johann Hinrich Wichern. Sein Vikariat absolvierte er bei Pastor Andreas Schau in Hoyer, Nordschleswig, und wurde danach 1962 im Schleswiger Dom durch Bischof Reinhard Wester ordiniert. Die Hilfsgeistlichenzeit verbrachte er 1962/63 in Nortorf und übernahm im Mai 1963 als erster Pastor den Pfarrbezirk Feldstedt der Nordschleswigschen Gemeinde bis 1973.[1]

Von 1973 bis 1981 wirkte er als Pastor und Vorsitzender des Kirchenvorstandes in Hamburg-Blankenese.

Im Mai 1981 wurde er als erster Propst des nordelbischen Kirchenkreises Herzogtum Lauenburg mit Amtssitz in Ratzeburg und Pastor der St. Petri-Kirchengemeinde gewählt. Bis dahin existierte im Lauenburgischen die Landessuperintendentur Lauenburg mit einem Landessuperintendenten als leitendem Geistlichen an der Spitze, die im November 1980 in einen nordelbischen Kirchenkreis umgewandelt worden war.

Von 1985 bis 1993 war Augustin stellvertretender Bischof im Sprengel Holstein-Lübeck für die Bischöfe Ulrich Wilckens und Karl Ludwig Kohlwage. In Vertretung für Wilckens fuhr Augustin am 1./2. September 1990 nach Rügenwalde, Köslin und Kolberg zur Begegnung mit dem katholischen Bischof Jeż im Rahmen der nordelbischen ökumenischen Partnerbeziehung zur Kirche in Polen.

Im Oktober 1994 reiste Augustin in Begleitung seiner Ehefrau nach Papua-Neuguinea zur Unterzeichnung einer „Declaration“: des Vertrages über die Partnerbeziehung zwischen dem Kirchenkreis Herzogtum Lauenburg und dem Kotte-Distrikt der ELC-PNG. Neben Augustin unterschrieb der Distriktpräsident Beka Kosieng in Kip/Kalasa.[2]

1997 trat er in den Ruhestand mit Wohnsitz in Ratzeburg.

Im Auftrage des Kirchenkreises Herzogtum Lauenburg und der Kirchengemeinde Lauenburg/Elbe reisten Augustin und die Eheleute Willers zur Einweihung der neuen Kirche in Lyasongoro[3] am Fuß des Kilimanjaro am 1. Januar 2000 nach Tansania und nahmen an den Einweihungsfeierlichkeiten teil.

„Der ‚prächtige Bischof‘ Dr. Queka mit Hirtenstab und Mitra, der kräftig blasende Posaunenchor im Marschrhythmus beim Einzug, die überfüllte neue Kirche und draußen noch etwa 3000 Leute, und die Ziegen, die am Vorabend noch munter unter dem Glockenturm herumliefen und nach dem Festgottesdienst gegen 16 Uhr verspeist waren. Wir (Bischof, Pastoren, Lauenburger usw.) bekamen ein solches Exemplar als gegrillte ‚Tschagga-Banane‘ vorgesetzt, die Stück für Stück feierlich verteilt wurde.“[4]

Im November 2001 vertrat Augustin zusammen mit seiner Ehefrau den amtierenden Propst Peter Godzik beim Kirchweihjubiläum in Heydekrug und der Wiedereinweihung der bis dahin fremdgenutzten Evangelisch-lutherischen Kirche in Pogegen durch Bischof Kalvanas. Beide Orte in Litauen sind Standorte der dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Herzogtum Lauenburg partnerschaftlich verbundenen Diakoniestationen.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augustin ist mit der in Breklum ausgebildeten Gemeindehelferin Renate Augustin, geb. Steffen, verheiratet.[5] Das Ehepaar hat vier erwachsene Töchter, sechs Enkel und zwei Urenkel. Renate Augustin wurde am 23. Januar 2000, wenige Tage nach ihrem 60. Geburtstag, mit dem Ansgarkreuz der Nordelbischen Kirche für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement als Leiterin der Evangelischen Frauenhilfe und des Krankenhausbesuchsdienstes[6] in der Kirchengemeinde St. Petri-Ratzeburg sowie als langjährige Synodale des Kirchenkreises Herzogtum Lauenburg ausgezeichnet. Am 18. Januar 2015 wurde sie aus Anlass ihres 75. Geburtstages mit dem Kronenkreuz der Diakonie in Gold geehrt.[7]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nationale und nationalsozialistische Einflüsse auf das ev.-luth. kirchliche Leben der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Betrachtungen aus der Sicht zweier Zeitzeugen, Beitrag zur zweiten Tagung in Breklum 2017 (zusammen mit Günter Weitling), darin:
    • Titelblatt (online)
    • Augustin: Grundzüge aus der Geschichte des Bistums Schleswig, die spezielle Entwicklung der kirchlichen Arbeit der deutschen Minderheit Nordschleswigs seit 1920 und die „Neuanfänge“ nach 1945 bis zur Gegenwart (online)
    • Weitling: Ergänzende Anmerkungen zum Thema „Nationale und nationalsozialistische Einflüsse auf das ev.-luth. kirchliche Leben der deutschen Minderheit in Nordschleswig“ (online)
  • Erinnerungen ... aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, in: Karl Ludwig Kohlwage, Manfred Kamper, Jens-Hinrich Pörksen (Hrsg.): „Was vor Gott recht ist“. Kirchenkampf und theologische Grundlegung für den Neuanfang der Kirche in Schleswig-Holstein nach 1945. Dokumentation einer Tagung in Breklum 2015. Zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Hinz und Simeon Schildt in Zusammenarbeit mit Peter Godzik, Johannes Jürgensen und Kurt Triebel, Husum: Matthiesen Verlag 2015, S. 71–74.
  • Johann Bielfeldt (1886–1981), in: „Was vor Gott recht ist“ ... Dokumentation einer Tagung in Breklum 2015, Husum 2015, S. 173–180.
  • Epiphanias 2007: Zeugen sind gefragt! In: Peter Godzik (Hrsg.): Lavendelduft und Sommerwind. Geistliche Erbauung aus dem Lauenburger Land. Ausgewählte Beiträge der Reihe „Wort zum Sonntag“ in den Lübecker Nachrichten – Lauenburger Nachrichten. Steinmann, Rosengarten b. Hamburg 2007, ISBN 978-3-927043-33-6, S. 29 f.
  • Lauenburger Land, achte des Herren Wort! Festschrift zum 175-jährigen Bestehen der Lauenburg-Ratzeburgischen Bibelgesellschaft 1816–1991, Ratzeburg 1991.
  • Feldsteinkirchen im Lauenburger Land. Zeugen der Glaubens- und Kulturgeschichte, Lauenburg/Elbe 1991 (zusammen mit Martin Sommerfeld).
  • Einführung: 400 Jahre Lauenburgische Kirchenordnung 1585–1985, in: Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte (Hrsg.): Die Landessuperintendentur Lauenburg als nordelbischer Kirchenkreis. Vorträge und Ansprachen zum 400-jährigen Bestehen der „Lauenburger Kirchenordnung“ von 1585, Neumünster: Wachholtz 1986 (Inhalt), S. 9–20.
  • Lauenburgische Kirchenordnung 1585. Teil 1 und 2, Lübeck: Schmidt-Römhild 1985.
  • Land, höre des Herren Wort. Ev.-luth. Kirche und Kirchen im Kreis Herzogtum Lauenburg, Lübeck: Schmidt-Römhild 1984.
  • Zweierlei Festmahl. Konfirmandenfreizeit 1979, in: Hans-Rudolf Müller-Schwefe (Hrsg.): Das Wort zum Abendmahl, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1980, S. 98–101.
  • Regeneration und innere Mission bei Johann Hinrich Wichern, Hamburg 1961.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Jessen: Kirche im Grenzland (Schriften der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig, Heft 27), Apenrade 1973
  • Ingrid Riese und Peter Jessen Sönnichsen: Im Wandel der Zeiten – 75 Jahre Nordschleswigsche Gemeinde, Tingleff 1998, ISBN 87-986795-0-3
  • Günter Weitling: Deutsches Kirchenleben in Nordschleswig seit der Volksabstimmung 1920. Hrsg. vom Bund Deutscher Nordschleswiger und Archiv/Historische Forschungsstelle der Deutschen Volksgruppe, Apenrade 2007, ISBN 978-87-991948-0-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Hammer: Verzeichnis der Pastorinnen und Pastoren der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche 1864–1976, Neumünster: Wachholtz Verlag 1991; Hermann Augustin: Erinnerungen ... aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, in: Karl Ludwig Kohlwage, Manfred Kamper, Jens-Hinrich Pörksen (Hrsg.): „Was vor Gott recht ist“. Kirchenkampf und theologische Grundlegung für den Neuanfang der Kirche in Schleswig-Holstein nach 1945. Dokumentation einer Tagung in Breklum 2015. Zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Hinz und Simeon Schildt in Zusammenarbeit mit Peter Godzik, Johannes Jürgensen und Kurt Triebel, Husum: Matthiesen Verlag 2015, S. 71–74.
  2. https://www.kirche-ll.de/aktuelles/schaufenster/details/nachricht/partnerschaft-mit-dem-kotte-district-in-papua-neuguinea-10092012.html
  3. https://elevationmap.net/lyasongoro-marangu-mashariki-moshi-tz-1012568369; https://www.youtube.com/watch?v=unfGTSTZ6DI
  4. E-Mail vom 23. Juni 2020 an Peter Godzik
  5. Renate Augustin: Erinnerungen ... aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, in: „Was vor Gott recht ist“ … Dokumentation einer Tagung in Breklum 2015, Husum 2015, S. 105 f.; Votum, in: „Was er euch sagt, das tut!“ … Dokumentation einer Tagung in Breklum 2017, Husum 2018, S. 100 f., 105 f.
  6. https://www.ln-online.de/Lokales/Lauenburg/Unterhaltungen-am-Krankenbett-Ratzeburger-Besuchsdienst-hilft-seit-30-Jahren
  7. https://www.kirche-ll.de/aktuelles/schaufenster/details/nachricht/ratzeburg-renate-augustin-erhaelt-das-kronenkreuz-18012015.html
  8. http://d-nb.info/481052755