Hiatus (Geologie)

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Die frühmitteleozäne Schichtlücke in der Gesteinsfolge im US-Bundesstaat Virginia wird durch das Fehlen des entsprechenden Leitfossils (eine einzellige Alge) erkennbar.

Ein Hiatus (lat.: hiatus ‚Öffnung‘, ‚Kluft‘) ist eine geologische Schichtlücke, in der in anscheinend nahtlos aufeinander folgenden (konkordanten) Sedimentgesteins-Schichten Abschnitte fehlen. Diese durch fehlende Gesteine eines bestimmten stratigraphischen Alters gekennzeichnete Lücke wird durch Erosion bereits abgelagerter Schichten oder Nicht-Ablagerung (Omission) verursacht.[1] Ein Spezialfall der Erosion ist die Subsolution, bei der etwa Salzlager durch Salzwanderung oder -lösung an ihrem Ursprungsort Schichtlücken hinterlassen.

Im Unterschied zur Diskordanz stoßen die Schichten unterhalb und oberhalb eines Hiatus nicht in mehr oder minder großem Winkel aufeinander, sondern liegen parallel. Die in der Schichtung steckenden Schichtlücken lassen sich sowohl durch sedimentologisch-lithostratigraphische Kriterien als auch durch biostratigraphische Kriterien wie etwa das Fehlen von Biozonen nachweisen.

Der Begriff ‚Hiatus‘ wird darüber hinaus – losgelöst vom aktuellen Schichtstapel – auf die in der Schichtlücke steckende Zeitspanne angewendet. Diese kann geologisch kurz sein: ein Vergleich der Menge aktuell in den Meeren abgelagerten Sedimente mit den aus der geologischen Vergangenheit überlieferten Gesteinen ergibt, dass in 50 bis 90 % der Flachseesedimente Nicht-Ablagerungsereignisse in der Größenordnung von jeweils mehreren tausend Jahren vorkommen müssen.[2] In anderen Fällen klaffen in der Gesteinsabfolge Lücken, die hunderttausenden Jahren oder mehr entsprechen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Füchtbauer: Sedimente und Sedimentgesteine. 4. Auflage. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1988, ISBN 3-510-65138-3, S. 78.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Murawski: Geologisches Wörterbuch. 8. Auflage. Enke, Stuttgart 1983, ISBN 3-432-84108-6, S. 131.
  2. Füchtbauer 1988, S. 79f.