Hieroglyphe

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Eine Hieroglyphe (altgriechisch ἱερός hierós, deutsch ‚heilig‘, γλυφή glyphḗ, deutsch ‚Eingeritztes‘) ist ein Schriftzeichen mit erkennbar bildhaftem Charakter.[1] Ein Schriftsystem, das überwiegend Hieroglyphen verwendet, ist eine Hieroglyphenschrift.

Hieroglyphen“ wird auch in speziellerem Sinne als Bezeichnung der ägyptischen Hieroglyphenschrift verwendet.[2]

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Hieroglyphenschrift ist nicht notwendig eine Bilderschrift in dem Sinn, dass jedes bildhafte Schriftzeichen für die Bezeichnung des Abbildungsgegenstandes als Wort steht. Sie ist auch nicht notwendig eine ideografische Schrift in dem Sinne, dass ein Schriftzeichen für den Abbildungsgegenstand selbst oder aber für eine damit verbundene Idee oder Vorstellung steht. Tatsächlich kann eine solche Schrift logografisch sein, in der einzelne Zeichen auch ohne Bezug zu ihrer Bildgestalt Morpheme, Silben oder Laute darstellen können und sich einzelne Begriffe erst aus der Kombination mehrerer Zeichen ohne zwingenden Bezug zu deren Bildgestalt ergeben können.

Umgekehrt ist nicht jede ideografische Schrift eine Hieroglyphenschrift. Beispielsweise sind in der Chinesischen Schrift und ihren Vorläufern (Siegelschrift und Orakelknochenschrift) die Zeichen zwar häufig ikonisch, aber überwiegend abstrakte und nicht mehr bildhafte Abwandlungen von möglicherweise zugrundeliegenden bildlichen Zeichen.

Beispiele für Hieroglyphenschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das für die Kunstsprache Toki Pona geschaffene logografische Schreibsystem sitelen pona wird von deren Entwicklerin auch als „Hieroglyphen“ bezeichnet.

Kulturelle Rezeption des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die ägyptischen Hieroglyphen schon spätestens seit der Renaissance in Europa auf Interesse stoßen, aber erst ab 1822 entziffert wurden, symbolisieren Hieroglyphen auch Geheimnisvolles und verborgene Bedeutung. Beispielsweise schreibt Johann Wolfgang von Goethe, vermutlich als Begleitworte zu einem Blumenstrauß:

„Da mir Worte immer fehlen Ihnen zu sagen, wie lieb ich Sie habe, schick' ich Ihnen die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.“[3]

Der Maler Ernst Ludwig Kirchner hat im Zusammenhang mit seinen Großstadtbildern von „Hieroglyphen als Ausdruckszeichen“ gesprochen.[4][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hieroglyphen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie, 18. Auflage, Band 10, 1989, ISBN 3-7653-1110-3, Seite 65
  2. Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift, 2. Auflage Frankfurt 1991, ISBN 3-88059-955-6, Seite 101: Für den modernen Menschen assoziiert die altägyptische Schrift den Ausdruck „Hieroglyphen“.
  3. Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte von Stein, 24. März 1779
  4. Ausstellung: Ernst Ludwig Kirchner: Hieroglyphen – 23.09.2016 bis 26.02.2017 – Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Staatliche Museen zu Berlin, abgerufen am 1. März 2021.
  5. Ernst Ludwig Kirchner. Hieroglyphen. In: kultur-online.net. 23. Februar 2017, abgerufen am 1. März 2021.