Hoffnungstal (Bessarabien)

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Hoffnungstal ist die Wüstung eines bessarabiendeutschen Ortes in der Ukraine. Der Ort wurde 1842 in der historischen Landschaft Bessarabien gegründet und nach 1945 bei der Anlage eines Truppenübungsplatzes eingeebnet.

Hoffnungstal um 1910

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landkartenausschnitt mit Hoffnungstal von 1907 mit ethnischer Verteilung in der Region

Der Ort lag in der historischen Landschaft Bessarabien östlich von Borodino im Tal Karadai mit dem gleichnamigen Flüsschen, heute Oblast Odessa, Ukraine.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet von Bessarabien kam 1812 im Frieden von Bukarest vom osmanischen Vasallenstaat Fürstentum Moldau zusammen mit dem Budschak an das Russische Kaiserreich. Die Neuerwerbung wurde als Kolonisationsgebiet behandelt und zunächst dem Generalgouverneur von Neurussland zugeordnet. Zar Alexander I. rief in einem Manifest von 1813 deutsche Kolonisten ins Land, um die neu gewonnenen Steppengebiete in Neurussland zu kolonisieren. Hier gründeten 1842 deutsche Auswanderer den Ort als letzte von 24 deutschen Mutterkolonien in Bessarabien. Sie wurden von Einwanderern gegründet, während Tochterkolonien später von Bewohnern der Mutterkolonien gegründet wurden. Die Gründung erfolgte durch 25 Familien, die 1841 das etwa 50 km entfernte Gut Karlstal im Gouvernement Cherson verlassen mussten. Das Fürsorgekomitee in Odessa als russische Ansiedlungsbehörde für deutsche Kolonisten wies den Familien die „Steppe 9“ als das letzte unbesiedelte Landstück des Budschak zu. Damit war die großzügige Landvergabe des Zaren an deutsche Siedler beendet.

1843 benannten die Kolonisten ihre Siedlung in Hoffnungstal. Bis 1847 zogen weitere Familien aus den Gemeinden Glücksthal, Neudorf, Kassel, Worms, Bergdorf aus dem östlich des Dnestr gelegenen Gouvernement Cherson nach Hoffnungstal zu. 1848 war die Kolonie mit 82 Hofstellen komplett, von denen jede mit 60 Desjatinen Land ausgestattet war.[1]

Schulhaus und Kirche

Die Bewohner waren größtenteils in der Landwirtschaft tätig. 1858 wurde ein Schulhaus errichtet, dass auch als Bethaus diente. 1905 errichteten die Bewohner eine Kirche mit 700 Sitzplätzen. Nach der sowjetischen Besetzung Bessarabiens im Sommer 1940, gedeckt vom Hitler-Stalin-Pakt, schlossen sich die bessarabiendeutschen Ortsbewohner im Herbst 1940 der Umsiedlung ins Deutsche Reich unter dem Motto Heim ins Reich an.

Nach 1945 gehörte Hoffnungstal unter den Namen russisch: Надеждино Nadeschdino/ ukrainisch: Надеждине Nadeschdyne zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. In der Sowjetzeit wurde der Ort bei der Anlage eines Truppenübungsplatzes komplett zerstört. An den früheren Ort erinnert heute eine Gedenktafel im Bereich des früheren Friedhofs. Im Luftbild sind die Straßenverläufe und die Standorte der früheren Siedlungshäuser noch erkennbar.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1930 zählte der Ort 1.772 Einwohner deutscher und 74 Einwohner anderer Herkunft. 1940 waren es 1.930 Einwohner deutscher und 59 Einwohner anderer Herkunft.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Kern (Hrsg.): Heimatbuch der Bessarabiendeutschen. Hilfskomitee der Evangelisch-Lutherischen Kirche aus Bessarabien, Hannover 1964, S. 277–280.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hoffnungstal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Hindemith: Hindemith - ein schlesischer Familienname in Bessarabien, Mitbegründer von Hoffnungstal (pdf, 333 KB)

Koordinaten: 46° 19′ 13,1″ N, 29° 20′ 51,7″ O