Horno

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Dieser Artikel behandelt das Dorf; für den Fußballspieler siehe Asier del Horno.
Kirche in Neu-Horno
Übersichtskarte der verschwundenen Ortschaft Horno
Bagger reißen die ehemaligen Wohnhäuser ein
Die ehemalige Kaufhalle in Horno
KAP-Luftaufnahme auf Höhe Friedhof mit Blickrichtung nach Nordost auf den Ortskern von Neu-Horno im November 2013

Horno, niedersorbisch Rogow, war ein Dorf im Landkreis Spree-Neiße in der Niederlausitz, Land Brandenburg mit überwiegend sorbischen Einwohnern. Es lag im Gebiet des Braunkohletagebaus Jänschwalde und musste 2004 dem Tagebau weichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund eines Beschlusses des Bezirkstags Cottbus im Jahre 1977 war Horno zur Devastierung vorgesehen. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass keine Genehmigungen für die Errichtung von Neubauten mehr erteilt wurden. Ab 1977 bis zur Wiedervereinigung Deutschlands protestierten die Bewohner Hornos unter der Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gegen die Umsiedlung und das Abbaggern von Horno. Jedoch auch nach der Wiedervereinigung konnten einige nachgewiesene Verfahrensfehler und verschiedene Gerichtsurteile gegen Eingemeindungen und Enteignungen den Braunkohletagebau nicht aufhalten. Horno war ein Dorf mit überwiegend sorbischen Einwohnern. Bei den Versuchen, den Ort zu erhalten, spielte dies eine Rolle. Unter anderem wurden mit dem Hinweis darauf Versuche unternommen, über den Landtag noch eine Bewahrung des Dorfes zu erreichen.

Das Ortsgebiet wurde am 1. Juli 1998 nach Jänschwalde eingemeindet.[1]

Ende 1999 lebten noch etwa 350 Menschen in Horno, Mitte 2004 nur noch das Ehepaar Werner und Ursula Domain. Am 9. Juni 2004 stimmte das Landesbergamt Brandenburg der Übertragung des Haus- und Gartengrundstücks des Ehepaars an die Vattenfall Europe Mining AG zu. Das Paar klagte danach gegen die Enteignung vor dem Verwaltungsgericht Cottbus. Anfang November 2005 schloss es einen Vergleich mit Vattenfall, um einer drohenden Zwangsräumung zuvorzukommen. Die Gräber der Angehörigen dieses Ehepaares wurden 2004 zwangsumgebettet.

Teile des Dorfes wurden bereits Mitte 2004 abgerissen, das letzte Haus wurde 2005 geräumt.

Der Hauptteil der Bevölkerung zog in den etwa 10 km entfernten, eigens neu errichteten Stadtteil Neu-Horno von Forst (Lausitz). Die übrigen nach Cottbus, Guben, Peitz (neu angelegte Eigenheimsiedlung „Hornoer Ring“) oder in umliegende Ortschaften.

Am 29. November 2004 wurde die 500 Jahre alte Feldsteinkirche Hornos durch Vattenfall gesprengt. Altar und Turmhaube der alten Kirche waren bereits vorher demontiert und in der neuen Kirche von Neu-Horno eingebaut worden.

Während der Abrissphase Hornos wurden durch Archäologen umfangreiche Ausgrabungen in der alten Kirche und dem alten Kirchhof sowie im Dorf durchgeführt.

Im Zuge der vollständigen Dokumentation der Ortslage wurde der Kirchhof komplett untersucht. Zwischen Dezember 2003 und November 2004 wurde die 2.300 m² große Friedhofsfläche ausgegraben, wobei 2.200 Gräber nachgewiesen werden konnten. Die frühesten Gräber stammten aus dem 13./14. Jahrhundert und reichten bis in Zeit der Untersuchung. Die jüngsten Gräber wurden umgebettet und konnten noch als beräumte Grabgruben erfasst werden. Die in den Grabgruben gefundene Keramik stammte überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert. So konnte vermutet werden, dass eine beträchtliche Anzahl der Bestattungen aus dieser Zeit, zumindest aber aus der frühen Neuzeit stammte. Die anthropologische Untersuchung umfasste 600 Gräber. 79 davon waren umgebettet worden. 152 Individuen waren komplett zersetzt und oft nur noch als Leichenschatten zu erkennen. 368 der Bestatteten konnten untersucht werden. Der Erhaltungszustand war jedoch überwiegend schlecht bis sehr schlecht. Nur in wenigen Fällen waren die Knochen besser erhalten. 

Im Rahmen des Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Ländliche Siedlung und kulturelle Transformation. Hoch- und spätmittelalterliche Landschaftsgestaltung im Spiegel von Großgrabungen in Brandenburg“ sollten alle mittelalterlichen Bestattungen anthropologisch untersucht werden. Nach einer Datierung der einzelnen Gräber zeigte sich, dass knapp 600 dieser Zeit zuzuordnen sind. Die Knochenerhaltung der mittelalterlichen Skelette war durchgängig ziemlich schlecht. So wies der überwiegende Teil der Bestattungen keine erhaltenen Knochen mehr auf. Der schlechte Erhaltungszustand resultierte vermutlich einerseits aus den sauren Sandböden auf der Hornoer Hochfläche und andererseits aus der langen Belegungszeit des Friedhofs. Nur von 146 Bestatteten konnten Individualdaten wie Sterbealter, Geschlecht und Körperhöhe bestimmt werden. Die meisten waren im fortgeschrittenen Alter oder vor dem siebten Lebensjahr gestorben.[2][3][4][5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands StBA, siehe 1998
  2. Projekt Horno. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  3. Bettina Jungklaus: Die mittelalterliche Population von Horno (Niederlausitz, Brandenburg). In: Sabine Eggebrecht, Cristina Antonia Cândea, Wulf Schiefenhövel (Hrsg.): Bulletin der Schweizerischen Gesellschaft für Anthropologie. 8. Internationaler Kongress der Gesellschaft für Anthropologie (GfA), 14.-18. September 2009, München. Band 14, Heft 1−2, September 2009, ISSN 1420-4835, S. 33 (naturwissenschaften.ch [abgerufen am 13. Juni 2017]).
  4. Bettina Jungklaus: Wie lebten sie? Wie starben sie? Anthropologische Untersuchungen an Niederlausitzer Skeletten liefern Antworten. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg. Konrad Theiss Verlag, 2009, ISSN 0948-311X, S. 114–117.
  5. Bettina Jungklaus, Jens Henker: Dorfentstehung und Dorfbevölkerungen: Fallbeispiele aus der Niederlausitz. In: Heinz-Dieter Heimann, Klaus Neitmann, Uwe Tresp (Hrsg.): Die Nieder- und Oberlausitz - Konturen einer Integrationslandschaft. Band 1: Mittelalter, 2013, ISBN 978-3-86732-160-0, S. 293–313.

Koordinaten: 51° 50′ N, 14° 34′ O