Hybridschrift

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Eine Hybridschrift ist eine Schriftart, die grundverschiedene Prinzipien der Schriftgestaltung vereint und sich daher keiner Kategorie einer Schriftklassifikation eindeutig zuordnen lässt. In der Klassifikation nach DIN 16518 gehören hybride Formen der Antiqua neben anderen abweichenden Formen zur Gruppe der Antiqua-Varianten.[1] Der Begriff Hybridschrift wird auch synonym mit hybride Schriftfamilie verwendet und kann synonym zu Bastardschrift[2] verstanden werden.

Hybrid als Patchwork[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele innovative Schriftentwürfe der zeitgenössischen Schriftgestaltung kombinieren Elemente mehrerer gegensätzlicher Type-Design-Stile und müssten demnach als Hybridschrift bezeichnet werden. Eine eindeutige Definition bezeichnet jedoch Entwürfe, deren hybrides Erscheinungsbild deutlich als unharmonisch wahrnehmbar ist oder sich stark von Lesegewohnheiten abhebt. So vereint die Rotis Serif (Aicher) z. B. Glyphenkonstruktionen wie dem dynamischen e einer Renaissance-Antiqua mit einem statischen a einer klassizistischen Antiqua.[3] Als Patchwork kann auch die Parity (Shinn) bezeichnet werden, da sie als Unikamerale (Unicase-Alphabet)[4] „eine vom Schriftentwerfer komponierte Mischung aus Groß- und Kleinbuchstaben gleicher Höhe“ kombiniert.[5]

Hybride Schriftkonzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit neue Schriftentwürfe einen gewissen Grad an Innovation aufweisen, ist es in der zeitgenössischen Schriftgestaltung gebräuchlich, verschiedene konventionelle Formen oder Funktionen in einer neuen Schriftart zu vereinen. So gehen die betonten Serifen der Museo (Buivenga) in den Stamm über, wie der Abstrich bei einer Kursiven. Das Konzept der Ode (Wenzel) stellt eine visuelle Schnittmenge aus Formprinzipien der Fraktur und Antiqua dar. Das Schriftsystem der Instant (Knebusch) zeigt im Verlauf der Schriftschnitte von Light zu Black eine Veränderung der Buchstabenkonstruktion von Kursiv zu Roman.[6] Ein Vorteil von hybriden Schriftsystemen kann sein, dass sie spannungsvolle Typografie ermöglichen, statt zu einheitlich zu wirken.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Beinert: „Antiqua-Varianten“, in: Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie, Wolfgang Beinert, Berlin, 5. Juli 2007. (Zugriff am 5. Juli 2014)
  2. Mazal, Otto: Paläographie und Paläotypie : Zur Geschichte der Schrift im Zeitalter der Inkunabeln, Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart, 1984.
  3. Albert-Jan Pool: „Ein industrieller Look muss nicht überkonstruiert sein“, in: Slanted Nr. 19, Herbst 2012, 126ff.
  4. Ralf Herrmann: „Unikameral - die neue Übersetzung für Unicase?“, in: Typografie.info: Fachartikel, Roßbach & Herrmann GbR, 21. Dezember 2011. (Zugriff am 25. Juni 2013)
  5. Jürgen Siebert: „Stern der Woche: Parity Family OT“, in: Fontblog: In eigener Sache., FontShop AG, 13. März 2012. (Zugriff am 25. Juni 2013)
  6. Jakob Runge: „moderne Hybridschriften gesucht“, in: Typografie.info: Forum, Roßbach & Herrmann GbR, 25. Oktober 2012. (Zugriff am 25. Juni 2013)