ISO 29990

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Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN ISO 29990
Bereich Qualitätsmanagementsysteme
Titel Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung – Grundlegende Anforderungen an Dienstleister
Letzte Ausgabe 2010-12
ISO 29990

Die ISO 29990:2010 wurde im September 2010 als ISO-Norm veröffentlicht und im Dezember 2010 als DIN-Norm DIN ISO 29990 „Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung — Grundlegende Anforderungen an Dienstleister“ übernommen.[1] Die Internationale Norm ist ein Servicestandard für Lerndienstleistungen und gleichzeitig ein Qualitätsmanagementsystem für Lerndienstleister in der Aus- und Weiterbildung. Das Ziel der ISO 29990 ist die Schaffung eines allgemeinen Qualitätsmodells für die berufliche Praxis und Leistungserstellung sowie einer gemeinsamen Referenz für Lerndienstleister und ihre Kunden zur Planung, Entwicklung und Durchführung von Aus- und Weiterbildung sowie zur Förderung von Entwicklung. Die Norm richtet den Fokus auf den Lernenden, die Lernergebnisse, die Lerndienstleistung und die Kompetenz des Lerndienstleisters. Organisationen und Individuen sollen durch die Internationale Norm bei der Auswahl eines geeigneten Lerndienstleisters unterstützt werden, der den Bedürfnissen und Erwartungen an die Entwicklung von Kompetenzen und Fähigkeiten entspricht.

Zuständige Gremien für die Erarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungsdienstleistungen wurden bis zum Jahr 2006 im DIN und der ISO nur in Komitees behandelt, die einen anderen Schwerpunkt als die Bildung hatten. Die Zielsetzungen ihrer Normungstätigkeit bei bildungsrelevanten Standards waren immer in den Zuständigkeitsbereich (Scope) der jeweiligen Komitees eingebettet und diesem untergeordnet. Vor diesem Hintergrund hat das DIN Anfang 2006 einen eigenständigen Arbeitsausschuss für Bildungsdienstleistungen DIN NA 159-02-04 AA[2] gebildet und bei der ISO die Einrichtung eines Technischen Komitees für Bildungsdienstleistungen beantragt.

Der nationale Arbeitsausschuss DIN NA 159-02-04 AA ist zuständig für die Bearbeitung aller mit Dienstleistungen in der Weiterbildung in Zusammenhang stehenden Normungsvorhaben auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.[3] Im September 2006 hat die ISO nach einer überaus positiven Reaktion von nationalen Normungsorganisationen der Initiative stattgegeben und das ISO/TC 232[4] eingerichtet. Seither existiert ein eigenständiges Technisches Komitee für Lerndienstleistungen, das den pädagogischen Prozess und die Sicherung der Bildungsqualität in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit stellt. Das DIN hält das Sekretariat dieses Komitees. Der Vorsitz des ISO-Komitees wird von Herrn Daniel Graf, Geschäftsführer der GRADAN GmbH wahrgenommen, der ebenfalls stellvertretender Obmann des nationalen Ausschusses ist. Das ISO/TC 232 hat zzt. die Normungsorganisationen aus 22 Ländern als stimmberechtigte Mitglieder (P-Member) und aus 11 Ländern als Beobachter (O-Member).

Im Zentrum der Arbeit des ISO/TC 232 steht die berufliche Aus- und Weiterbildung. Die Qualität von Bildungsanbietern und ihrer Maßnahmen sollen transparenter und international vergleichbarer werden. Das erklärte Ziel ist außerdem, den Wissenstransfer zu verbessern und die Nachhaltigkeit von Bildung zu sichern.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative für die Bildung des zuständigen ISO-Komitees ISO/TC 232 und für den neuen Standard ging im Jahr 2006 vom DIN aus. Als Entwurf brachte die deutsche Delegation die PAS 1037:2004 QM Stufen-Modell ein. In den Jahren 2007 bis 2010 fand eine fruchtbare internationale Diskussion in den zuständigen ISO-Gremien statt, die die Erfahrungen der daran beteiligten Delegationen aus 20 Teilnehmer- und 9 Beobachterländern aufnahm. Im Ergebnis entstand ein Managementstandard für Bildungseinrichtungen, der den Schwerpunkt auf die Lerndienstleistung legt. ISO 29990 lässt noch immer die Ideen und Intensionen der PAS 1037 erkennen.

Anwendungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standard richtet sich an alle Arten von Bildungsträgern vom Einzeltrainer bis zur Universität. Er ist vorrangig für die betriebliche Ausbildung und jede Form der Weiterbildung geschrieben, lässt sich jedoch auch umfassender von Schulen, Oberstufenzentren und Hochschulen anwenden. Der Standard richtet sich auch an Organisationen, die einen Bildungsbereich haben. In diesem Fall ist der Standard nur in diesem Bereich anwendbar.

Aufbau der Norm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Internationale Norm hat 4 Kapitel. Kapitel 1 definiert den Anwendungsbereich (siehe oben). Kapitel 2 erläutert Begriffe, die in der Norm Verwendung finden. Das ist notwendig, da in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedliche Auffassungen zu diesen Begriffen existieren. Mit dieser Begriffsbestimmung wird ausdrücklich keine Definition der Begriffe vorgenommen. Es wird lediglich erläutert, wie sie im Kontext der Norm zu verstehen sind. In Kapitel 3 werden die Anforderungen an die Lerndienstleistungen dargestellt und in Kapitel 4 die an das Management des Lerndienstleisters. Diese beiden Kapitel sind die Hauptbestandteile der Norm. Sie gliedern sich wie folgt:

Lerndienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bestimmen des Lernbedarfs
  • Gestalten von Lerndienstleistungen
  • Erbringen von Lerndienstleistungen
  • Monitoring von Lerndienstleistungen
  • Evaluation durch Lerndienstleister

Management des Lerndienstleisters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeine Managementanforderungen
  • Strategie und Unternehmensmanagement
  • Managementbewertung
  • Vorbeugende Maßnahmen und Korrekturmaßnahmen
  • Finanzmanagement und Risikomanagement
  • Personalmanagement
  • Kommunikationsmanagement (intern/extern)
  • Ressourcenbereitstellung
  • Interne Audits
  • Feedback von interessierten Parteien

Umsetzungshilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das DIN hat einen offiziellen Kommentar zur Interpretation der Norm herausgegeben. Der Kommentar enthält Praxistipps zur Umstellung nationaler QM-Systeme auf die − im Kommentar vollständig abgedruckte − DIN ISO 29990:2010 und liefert Hilfestellungen für die Gestaltung von QM-Systemen im Bereich der Bildung. Außerdem kann sich der Anwender mit diesem Werk auf die Zertifizierung und die Durchführung interner Audits vorbereiten. Behandelt werden im Kommentar: Ziele, Aufgaben und Anwendungsbereich von DIN ISO 29990; Partizipative Vorgehensweise und Orientierung auf den Lernprozess; Originaltext der Norm; Umsetzungshilfen; Instrumente für die Einführung und Verbesserung des Qualitätsmanagements; Zertifizierung; Crossreferenz-Tabellen.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • T. Rau, J. Heene, K. Koitz, M. Schmidt, P. Schönfeld, A. Wilske: Qualitätsmanagement in der Aus- und Weiterbildung. Leitfaden zur Umsetzung der DIN ISO 29990. Beuth, Berlin 2014, ISBN 978-3-410-24275-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DIN ISO 29990:2010-12 Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung - Grundlegende Anforderungen an Dienstleister; Beuth-Verlag, 2010
  2. DIN NA 159-02-04 AA Bildungsdienstleistungen [1]
  3. Jahresbericht des DIN Deutsches Institut für Normung 2009 – Normenausschuss Dienstleistungen (NADL) im DIN (NA 159) S. 26
  4. ISO/TC 232 Lerndienstleistungen [2]
  5. T. Rau, J. Heene, K. Koitz, M. Schmidt, P. Schönfeld, A. Wilske: Qualitätsmanagement in der Aus- und Weiterbildung - Leitfaden zur Umsetzung der DIN ISO 29990, Beuth-Verlag 2014