Muhammad ibn as-Sā'ib al-Kalbī

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Muhammad ibn as-Sā'ib al-Kalbī (arabisch محمد بن السائب الكلبي, DMG Muḥammad bin as-Sāʾib al-Kalbī, gest. 763), kurz al-Kalbī, war ein arabischer islamischer Historiker, Koranexeget, Genealoge und Geograph mit Wirkungskreis Kufa. Seine Vorfahren waren aktive Unterstützer des Kalifen Ali ibn Abi Talib und kämpften in der Kamelschlacht und bei Siffin auf seiner Seite.

Seine Gelehrsamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist unbekannt, wo al-Kalbī seine Ausbildung zum vielseitigen Gelehrten in seiner Jugend erhielt. Die Biographen in den Folgegenerationen verurteilten ihn als nicht glaubwürdigen Traditionarier mit eindeutig schiitischen Neigungen. Während adh-Dhahabī ihn nur in wenigen Zeilen nennt,[1] widmet ihm al-Mizzī eine relativ umfangreiche Biographie,[2] in der er eine lange Namensliste seiner Schüler und die überwiegend negativen Ansichten der Traditionskritiker über ihn präsentiert. Man nannte ihn wegen seiner nicht anerkannten Traditionen, vor allem in der Koranexegese, als Lügner (kaḏḏāb); allerdings überlieferten Ibn Madscha und at-Tirmidhi nach ihm in den koranexegetischen Kapiteln ihrer Hadithsammlungen. Muhammad ibn Saʿd berichtet über ihn und seine Vorfahren in seinem Klassenbuch und hebt seine Kenntnisse in der Genealogie und der Geschichte der alten Araber und ihrer Schlachttage (ayyām) in der vorislamischen Zeit hervor; dabei beruft er sich auf die persönlichen Mitteilungen von Hischām, dem Sohn dieses Gelehrten.[3] Ersterer ist im islamischen Schrifttum unter seinem Kurznamen Ibn al-Kalbī bekannt geworden.

Seine Koranexegese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Al-Kalbī ist vor allem durch seine Kommentare zum Koran bekannt geworden; Sulaimān ibn ʿAlī, der Onkel der Abbasiden-Kalifen Abu l-Abbas as-Saffah (749–754) und al-Mansur (754–775), in seinen letzten Lebensjahren zwischen 750 und 756 Gouverneur von Basra,[4] berief ihn in die Stadt, wo er den Koran in einem beachtlichen Schülerkreis interpretierte und dabei den sunnitischen Lehren seiner Zeit widersprach. Ibn an-Nadim nennt diese Exegese in seinem Fihrist[5] und erwähnt, dass man seine Koraninterpretationen in Basra aufgezeichnet hatte.

Von seinem Korankommentar, in dem er oft auf ʿAbdallāh ibn ʿAbbās als letzte Autorität in den Isnaden zurückgreift, sind mehrere Handschriften erhalten,[6] die allerdings noch nicht ediert worden sind.[7] Die umfangreichsten Fragmente seiner Koranexegese sind im Kommentar des ibāḍitischen Gelehrten Hūd ibn Muhakkam /Var. Muḥkim aus dem 9. Jahrhundert[8] erhalten.[9] Dieses Werk in vier Bänden stellt einen wortgetreuen Auszug aus der Exegese von Yaḥyā ibn Sallām al-Baṣrī (†815)[10], mit Wirkungsfeld Qairawān, dar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 3, S. 815. Nr. I.
  • Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 1. S. 34–35. Brill, Leiden 1967
  • Marco Schöller: Sīra und Tafsīr: Muḥammad al-Kalbī on the Jews of Medina. In: Motzki, Harald (Hrsg.): The Biography of Muḥammad: The Issue of the Sources. S. 18–23; 42–44, Brill, Leiden 2000

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siyar aʿlām an-nubalāʾ. Band 6, S. 248–249
  2. Tahdhīb al-kamāl fī asmāʾ ar-ridschāl. Band 25, S. 246–253
  3. Ibn Saad: Biographien. Band VI: Biographien der Kufier. (Hrsg. K. V. Zetterstéen). Brill, Leiden 1909. S. 249–250; S. LXVII (Inhaltsangabe in deutscher Übersetzung)
  4. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 9, S. 822
  5. Hrsg. Riḍā Taǧaddud. Teheran 1971. S. 108
  6. Die Angaben in der The Encyclopaedia of Islam sind zu korrigieren
  7. Marco Schöller (2000), S. 20–21, Anm. 10
  8. Fuat Sezgin (1967), S. 41
  9. Josef van Ess: Untersuchungen zu einigen ibāḍitischen Handschriften. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG), Band 126, 1976, S. 25ff., hier: S. 43–44; Claude Gilliot: Der koranische Kommentar des Ibāḍiten Hūd ibn Muḥakim/Muḥakkam. In: ZDMG, Supplementband XI:XXVI (1995), S. 243–249
  10. Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 1, S. 39