Illustrirter Neue Welt Kalender

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Illustrirter Neue Welt-Kalender
Illustrirter Neue Welt-Kalender
Titelblatt von 1888
Beschreibung Arbeiterkalender, Parteikalender
Verlag Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission) (Deutschland)
Erstausgabe 1883
Einstellung 1951
Erscheinungsweise jährlich
Verkaufte Auflage 130.000 Exemplare
ZDB 43700-1

Der Illustrierte Neue Welt-Kalender war ein Arbeiterkalender der von 1883 bis 1951 jährlich im Verlag der Hamburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer & Co. und in Stuttgart bei J.H.W. Dietz in Kommission erschien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neue Welt-Kalender wurde 1895 in einer Auflage von 130 000 Exemplaren hergestellt. Der Preis pendelte von 1883 bis 1918 zwischen 40 und 50 Pfennig, ab 1919 verlangte man 60 Pfennig.

Seine Vorgänger waren die Parteikalender "Der arme Conrad" Illustrierter Kalender für das arbeitende Volk, der von 1876 bis 1879 im Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig erschien und der "Omnibus" Illustrierter Volkskalender erschienen im Leipziger Fink Verlag 1880 bis 1881. Nachfolger war der „Deutsche Volkskalender“ der von 1953 bis 1954 erschien.

Der Kalender wendete sich nicht nur an Arbeiter und Bauern, sondern auch an Handwerker also an Kleinbürger und niedriggestellte Beamte. Sie suchten die zu gewinnen, die normalerweise zu den „kleinen Leuten“ gezählt wurden, in erster Linie diejenigen, die wenig verdienten und in der Regel sehr lang arbeiten mussten.

Im Neuen Welt-Kalender von 1895 wurde die Erzählung „Besiegt nicht überwunden“ von Robert Schweichel veröffentlicht, diese Bauernkriegsschrift basiert auf historische Materialstudien und einer Reise durch südwestdeutsche Bauernkriegsgebiete. Im Neuen Welt-Kalender von 1900 schrieb Wilhelm Liebknecht „Aus der Jugendzeit“ oder Emil Rosenow „Die zehn roten Taler“, Rosenows Dramen behandeln immer wieder die „Lebenswelt der Armen und Deklassierten“ und deren Ausbeutung, offen lässt er sozialdemokratische Motive einfließen. Es werden sozialdemokratische Reden gehalten und sogar eine Wahlversammlung der SPD findet statt. Im Neuen Welt-Kalender wurden viele sozialdemokratische Themen behandelt, dazu kamen die Porträts von Sozialdemokraten, man konnte den Neuen Welt-Kalender daher auch als Parteikalender bezeichnen.

Der „Illustrierten Neue-Welt-Kalender“ enthielt auch Beiträge zur Frauenbewegung wie z. B. von Klara Zetkin „ Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands“ 1905 und „Die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland“ 1906.

Es gab aber auch wissenschaftliche und technische Beiträge. „Das Erdinnere“, von Dr. H. Lux 1895, „Die Erscheinungen auf der Sonne und ihre physische Beschaffenheit“, von Franz Heymann 1895, „Der Nordpol und seine Erforschung“, von Dr. Bruno Borchardt 1897, „Was uns die Elektrizität nützt“, von Maximilian Dittrich 1883, „Ein elektrotechnischer Rückblick“, von W. Hauber jr. 1893 oder „Das Licht der Zukunft“ von Dr. H. Lux 1896.

Es wurden auch jedes Jahr Gedichte publiziert z. B. von Ernst Preczang, Rudolf Lavant, Heinrich Kämpchen, Julius Zerfaß, Ludwig Lessen nur um einige zu nennen, leider sind in dieser Zeit, wie in vielen anderen Zeitschriften, Gedichte ohne Signum. Auch Porträts von Sozialdemokraten wie z. B. Wilhelm Hasenclever 1889, Jacob Audorf 1893, August Bebel 1915, wurden veröffentlicht.

Spätere Themenbereiche waren überwiegend der Erste Weltkrieg, Weimarer Republik, Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit und Wiederaufbau.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kalendergeschichte und Kalender, von Ludwig Rohner, Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, 1978.
  • Kalendergeschichten Textausgaben zur frühen sozialistischen Literatur in Deutschland, Akademie-Verlag, 1975.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die deutsche Kalendergeschichte von Jan Knopf, Verlag Suhrkamp 1983.