Infinitivgruppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Infinitivgruppe wird im Deutschen die Kombination eines Infinitivs mit dem Wort „zu“ und gegebenenfalls weiteren Wörtern bezeichnet. Der Begriff wird insbesondere im Zusammenhang mit Rechtschreibregeln (Kommaregeln) gebraucht, und ist nicht in allen Fällen deckungsgleich mit grammatischen Einteilungen der Infinitive.

Begriffe[Bearbeiten]

Der Duden (in seinem „Wörterbuch der Zweifelsfälle“)[1] definiert Infinitivgruppen allgemein als „Ausdrücke mit Infinitiven, die ein zu bei sich haben“, also beispielsweise zu spielen, zu laufen. Trennbare Verben bilden Infinitivgruppen in nur einem orthografischen Wort, z. B. auszusagen, hereinzulassen.

Infinitivgruppen treten entweder in Form eines „bloßen Infinitivs“ oder als „erweiterter Infinitiv“ auf. Mit der Bezeichnung „bloßer Infinitiv“ ist in diesem Zusammenhang eine Infinitivgruppe der Form „zu + Verb“ gemeint, mit „erweiterter Infinitiv“ hingegen eine Infinitivgruppe, die noch ein oder mehrere Wörter zusätzlich enthält, etwa in dem Beispiel:

Statt am Bericht zu arbeiten, vergnügte sich Herbert mit Computerspielen. 

Das Wort „arbeiten“ ist der Infinitiv, welcher in der Kombination mit „zu“ eine Infinitivgruppe darstellt. Diese Infinitivgruppe ist um die Ergänzung „am Bericht“ erweitert. Elemente wie „statt“, die der Infinitivgruppe vorangehen, werden ihr traditionell manchmal ebenfalls zugerechnet (was grammatisch strittig ist; vor allem falls „statt“ eine Präposition ist).

Kommasetzung[Bearbeiten]

Die Rechtschreibreform von 1996 brachte eine weitgehende Liberalisierung der Kommasetzung bei Infinitivgruppen mit sich, meist ist das Komma nun optional. Dennoch gibt es zahlreiche Fälle, in denen Kommasetzung erforderlich ist,[2] in anderen Fällen wiederum wird ausdrücklich kein Komma gesetzt. Der „bloße Infinitiv“ hat einen Ausnahmestatus, da dieser am Satzende durch ein Komma abgetrennt werden kann, aber nicht muss:Thomas dachte nicht daran(,) zu gehen.[3][4]

Verhältnis zur Grammatik der Infinitive[Bearbeiten]

Die oben dargestellte traditionelle Erläuterung der Bezeichnung „Infinitivgruppe“ läuft quer zur grammatischen Einteilung nach „kohärenten / inkohärenten“ Infinitiven. Der zu-Infinitiv als solcher kann grammatisch gesehen satzwertig sein oder er kann Teil des zusammengesetzten Prädikats sein. In neueren Auflagen der DUDEN-Grammatik wird der Begriff „Infinitivgruppe“ daher, anders als in den traditionellen Rechtschreibregeln, als gleichwertig zu „Infinitivphrase“ gedeutet.[5] Da Fragen der Kommasetzung in der Praxis jedoch nur bei nachgestellten Infinitiven auftreten, sind in der Praxis alle Infinitivgruppen satzwertige Infinitive.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden Band 9 – „Richtiges und gutes Deutsch“, 6. Auflage (2007), Artikel "Komma", Abschnitt 5, S. 522
  2. IDS, „Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis“ – Überarbeitetes Regelwerk (Fassung 2006) (PDF) § 75, S. 82f.
  3. IDS, „Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis“ – Überarbeitetes Regelwerk (Fassung 2006) (PDF) § 75, Abschn. E1, S. 83
  4. Duden Band 1 „Die deutsche Rechtschreibung“, 25. Auflage (2009), Regel K 117, S. 77
  5. DUDEN. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009. Mannheim: Dudenverlag. -- siehe Registereintrag „Infinitivgruppe“, S. 1310 in Verbindung mit dem Kapitel über Infinitive, S. 846ff.