Internationale Deutschlehrertagung

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Die Internationale Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (kurz auch: Internationale Deutschlehrertagung oder IDT) ist die weltweit größte Tagung für Deutsch als Fremdsprache. Sie findet seit 1967 fast ausnahmslos in deutschsprachigen Ländern statt. Die Organisation der Tagung erfolgt im Auftrag des Internationalen Deutschlehrerverbandes (IDV), der die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit lokalen Deutschlehrerverbänden, Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Kulturreferaten und Sprachverbänden im jeweiligen Austragungsland ausrichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1967 haben fünfzehn IDTs stattgefunden, drei davon in nicht-deutschsprachigen Ländern (1983 in Budapest, 1997 in Amsterdam, 2013 in Bozen). Die 15. IDT 2013 in Bozen, der Hauptstadt der zweisprachigen Region Trentino-Südtirol, Italien hat Anlass dazu gegeben, im Konzept der Tagung die Dimension des Unterrichts und der Didaktik von Deutsch als Zweitsprache, das die IDT seit 1997 begleitet, wieder stärker hervorzuheben und um die Didaktik des Deutschen als Muttersprache zu ergänzen. Den Austragungsort betreffend galt hingegen immer das „D-A-CH-Prinzip“, auch wenn es anfangs nicht als solches bezeichnet wurde. Damals erhoffte man sich durch die Verlegung der Tagung nach Österreich und in die Schweiz eine Entlastung des gespannten innerdeutschen Ost-West-Verhältnisses. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs fanden drei Tagungen in der BRD (1967, 1974, 1980) und zwei in der DDR (1969, 1977) statt, als dritte Tagung in der DDR war 1993 Leipzig geplant, für die sich 1988 auch Erich Honecker in einem Brief an den IDV einsetzte. Daraus wird klar, dass die Organisation der IDT bis 1989 in bestimmtem Maß immer auch im Spannungsfeld der politischen Interessen stand.

Anfänglich fanden die Tagungen alle zwei Jahre statt (1967, 1969, 1971), danach weitete man aus organisatorischen Gründen die Vorbereitungsphase auf drei Jahre aus, um schließlich in einem neuen Grundkonzept zwischen den IDTs jeweils ein Arbeitstreffen stattfinden zu lassen und den IDT-Rhythmus auf vier Jahre festzulegen. Dadurch konnte auch die Vollversammlung des IDV an die Tagung gebunden werden und im Rahmen dieser stattfinden. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht zu Austragungsjahren, -Orten, Veranstaltern, Themenfeldern und Teilnehmerzahlen:

Jahr Austragungsort Organisator Thema Teilnehmer Länder
1967 München FIPLV, FMF Probleme des DaF 850 45
1969 Leipzig IDV, FIPLV, Komitee f. d. Sprachunterricht IDV-Tagung 780 35
1971 Salzburg IDV Deutsch heute: Linguistik - Literatur - Landeskunde 400 28
1974 Kiel IDV, FMF Grundlagen der Methodik des Deutschunterrichts 600 41
1977 Dresden IDV, Komitee f. d. Sprachunterricht Moderner Sprachunterricht: Lehrerbildung und -fortbildung 823 41
1980 Nürnberg IDV, FMF Lehrende und Lernende im Deutschunterricht 761 53
1983 Budapest IDV, TIT Der Deutschunterricht in fremdsprachiger Umwelt 980 38
1986 Bern IDV, SPASRI, Eurocentres Ziele und Wege des Deutschunterrichts in DaF 816 39
1989 Wien IDV, ÖDaF Moderner Unterricht DaF: Anspruch und Wirklichkeit 1000 44
1993 Leipzig IDV, FMF, Goethe-Institut DaF in einer sich wandelnden Welt 1400 81
1997 Amsterdam IDV, VLLT, Goethe-Institut Deutsch in Europa und in der Welt 1500 79
2001 Luzern IDV, AkDaF, LEDAFIDS, WBZ Mehr Sprache: mehrsprachig mit Deutsch 1700 85
2005 Graz IDV, ÖDaF Begegnungssprache Deutsch 2170 99
2009 Jena-Weimar IDV, GMF, FaDaF Deutsch bewegt 2718 116
2013 Bozen IDV, Freie Universität Bozen, EURAC Deutsch von innen - Deutsch von außen 2684 110
2017 Freiburg i.Ü. IDV, Universität Freiburg, Ledafids, AkDaF, wbz cps Brücken gestalten - Mit Deutsch verbinden

Seit den 1980er Jahren haben sich die Teilnehmerzahlen verdreifacht und die aktiven Beiträge vervierfacht. Besonders beachtenswert ist hierbei der Anstieg bei den Teilnehmerländern, da laut der STADaF-Erhebung von 2005 in 132 Ländern Deutsch gelernt wird (in 114 Staaten an Schulen und in 97 an Universitäten), womit nahezu alle relevanten Länder auf der IDT anwesend sind.

Veranstalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle IDTs werden im Auftrag des IDV bzw. vom IDV als Mitveranstalter organisiert, der weltweit die Interessen von ungefähr 250.000 Deutschlehrer vertritt. Die Organisation erfolgt immer in Kooperation mit einem lokalen Verband und meist einer Partnerorganisation vor Ort (z.B. Pädagogische Hochschule Kiel, Universität Salzburg, Technische Universität Dresden, Universität Amsterdam, WBZ, den Eurozentren, dem Kulturreferat der Stadt Nürnberg usw.). Auffallend ist, dass bis auf die IDT von 1993 und 1997 nie das Goethe-Institut als Mitveranstalter auftrat, obwohl es bei vielen IDTs immer als einer der wichtigsten Geldgeber fungierte und praktisch gesehen für die Organisation der Ausgabe von 1974 und 1980 verantwortlich zeichnete. Während man sich in jenen Jahren gezwungen sah, aus politischen Gründen den IDV als alleinigen Organisator auszuweisen, hat sich der Verband in den letzten Jahren zunehmend aus der aktiven Planung zurückgezogen, da lokale Organisatoren immer mehr eigene Expertise mitbringen. Dieser Trend hält seit 1989 an, als eine Entlastung der politischen Querelen nach dem Ende des Kalten Krieges einsetzte, womit eine stärkere inhaltliche Fokussierung und die Abgabe der Arbeiten des Vorstandes an externe Experten möglich wurde.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei jeder IDT finden sich bestimmte Eckpunkte im Programm wieder: eine gemeinsame Eröffnung mit Kulturprogramm und plenaren Vorträgen, die Arbeit in thematischen Gruppen, ein kulturelles Rahmenprogramm, landeskundliche Ausflüge und ein gemeinsamer Empfang für alle Tagungsteilnehmer(innen). Ziel dieser Programmstruktur ist es, einerseits Platz für Begegnungen und den Austausch zwischen allen Teilnehmer(inne)n zu schaffen, sowie andererseits die fachliche Diskussion in kleineren Gruppen (Sektionen) oder eine Weiterbildung in den Vorträgen zu den neuen Fachtendenzen zu ermöglichen.

Der in den letzten Jahren stark angestiegenen Teilnehmerzahl wegen wird das Programm in Zukunft klarer strukturiert werden.

Jede IDT wird auch von einem Ausstellungsprogramm begleitet. Auf der IDT 2009 in Jena-Weimar haben 27 Verlags- und Institutsausstellungen, Präsentationen sowie Schaufenster der deutschsprachigen Länder und des IDV stattgefunden. Die wichtigsten Ergebnisse jeder Tagung werden in einschlägigen Publikationen bei Fachverlagen oder auch als Sondernummer der Zeitschrift "Deutsch als Fremdsprache" veröffentlicht. Die Ergebnisse aus den Sektionen der IDT Jena 2009 sind zu einem großen Teil im IDV Magazin erschienen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brief von Erich Honecker an Waldemar Pfeiffer vom 12. September 1988, IDV-Archiv K07
  • Sorger, B. (2012). Der Internationale Deutschlehrerverband und seine Sprachenpolitik. Ein Beitrag zur Fachgeschichte von Deutsch als Fremdsprache. Innsbruck: Studienverlag. ISBN 978-3-7065-5133-5.
  • Ständige Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache (StADaF) (2005)
  • Deutsch als Fremdsprache, Nr. 1/2 1969, 3/1970 und 30/1993
  • BArch_DR-3/II_B 1345/3 - Vorlage Nr. 25/76, 26. Februar 1976: zur 5. IDT, Dresden 1977 - Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen, S8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]