Jürgen Fitschen

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Jürgen Fitschen (* 1. September 1948 in Harsefeld) ist ein deutscher Diplom-Kaufmann und war von Juni 2012 bis Mai 2016 Co-Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank AG und von April 2013 bis Anfang 2016 Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken.

Leben und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jürgen Fitschen wuchs als Landwirtssohn in Hollenbeck bei Harsefeld auf und machte 1966 am Athenaeum Stade sein Abitur. Nach dem Wehrdienst absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Hamburg und studierte dann 1971 bis 1977 Wirtschaftswissenschaften an der dortigen Universität, welches er als Diplom-Kaufmann abschloss.

Ab 1975 war Fitschen bei der Citibank in verschiedenen Positionen, unter anderem im Firmenkundengeschäft, tätig. Bereits 1983 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung der Citibank Deutschland und verantwortete ab 1986 das Asien-Geschäft der Bank. 1987 ging Fitschen zur Deutsche Bank AG und arbeitete dort zunächst in Hamburg bei der Tochterfirma Deutsche Bank Asia, wechselte aber noch im selben Jahr für den Mutterkonzern zur Deutschen Bank nach Bangkok und Tokio, wo er nach kurzer Zeit zum General Manager Asia avancierte. Im Jahr 1993 wurde er Bereichsvorstand für das Firmenkundengeschäft mit Sitz in Singapur. 2001 schließlich kehrte er zurück nach Deutschland und wurde in den Konzernvorstand berufen und zuständig für den Bereich Corporate & Investmentbanking.

Als die Deutsche Bank unter Führung von Josef Ackermann im Jahr 2002 den Vorstand umbaute, wurde Fitschen Mitglied des unter dem Vorstand angesiedelten ‚Group Executive Committee‘, wo er zunächst für das Firmenkundengeschäft und ab 2004 für Regional Management weltweit verantwortlich war und das Management Committee Deutschland leitete.[1] Im Zuge der Erweiterung der Führungsspitze der Bank zum 1. April 2009 rückte Fitschen unter Beibehaltung seiner Funktion wieder in den Vorstand auf.

Am 25. Juli 2011 gab die Deutsche Bank bekannt, dass Jürgen Fitschen gemeinsam mit dem bisherigen Leiter der Abteilung für Investmentbanking, Anshu Jain, ab 1. Juni 2012 den Vorsitz des Vorstandes übernahm und somit beide, als „Doppelspitze“ die Nachfolge von Josef Ackermann antraten.[2][3]

Am 12. Dezember 2012 wurde bekannt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Fitschen wegen des Verdachts des Umsatzsteuerbetrugs im Zusammenhang mit der Insolvenz der Kirch-Gruppe eingeleitet worden war.[4] In die öffentliche Kritik geriet Fitschen, als er sich beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier über die in diesem Zusammenhang durchgeführte und nach seiner Ansicht rufschädigende Razzia in der Zentrale der Deutschen Bank beschwerte.[5] Das folgende Gerichtsverfahren endete jedoch mit einem Freispruch für Fitschen und seine vier Mitangeklagten.[6]

Am 7. Juni 2015 gab die Deutsche Bank bekannt, dass Jain und Fitschen ihre bis zum 31. März 2017 befristeten Verträge vorzeitig beenden werden. Während Jain bereits am 30. Juni 2015 ausschied, übte Fitschen auf Bitte des Aufsichtsrats sein Mandat noch bis zum Ende der nächsten Hauptversammlung, d. h. bis zum 19. Mai 2016, aus.[7]

Seit dem fungiert Fitschen als Senior Adviser der Bank für das nationale Firmenkundengeschäft.[8]

Aufsichts- und Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 ist Fitschen Mitglied im Aufsichtsrat der Metro AG,[9] im Verwaltungsrat von Kühne + Nagel[10] und war bis Juni 2012 auch Aufsichtsrat der Schott AG.[11] Ebenfalls 2008 wurde Fitschen als Nachfolger von Eckhard Rohkamm Vorsitzender des Ostasialtischen Vereins, einem der fünf Trägerverbände des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA) und blieb in dieser Funktion bis 2014.[12] Sein Nachfolger wurde Hans-Georg Frey. Von 2010 bis 2016 gehörte er dem Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe und wechselte danach in den Stiftungsrat.[13]

2013 fungierte er als Gründungsstifter der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport. Fitschen ist selbst Pferdebesitzer und stellt der Springreiterin Janne-Friederike Meyer zahlreiche von ihm erworbene Pferde zur Verfügung. So kaufte er für sie von Ludger Beerbaum 2012 zum Beispiel die Stute Grace mit Blick auf die Olympiade in Rio 2016. Weitere erfolgreiche S-Pferde unter der Reiterin und aus dem Besitz von Jürgen Fitschen sind Goja und Charlotta.[14]

Des Weiteren ist Fitschen Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Wissenschaft und Politik[15] und im Kuratorium des Stifterverbandes.[16]

Vom 15. April 2013 bis Anfang 2016 war Fitschen Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken.

Es ist auch Mitglied der Trilateralen Kommission[17] und im Vorstand der Atlantik-Brücke.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Bank baut Führungsspitze um (Memento vom 30. September 2004 im Internet Archive), Netzeitung, 21. September 2004
  2. Gleich zwei neue Chefs für die Deutsche Bank, Neue Zürcher Zeitung, abgerufen am 26. Juli 2011
  3. Deutsche Bank gibt weitere Details ihrer zukünftigen Führungsstrategie bekannt, Deutsche Bank AG, abgerufen am 2. Juli 2012
  4. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deutsche-Bank-Chef Fitschen. Spiegel Online, , abgerufen am .
  5. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/anruf-bei-bouffier-cdu-knoepft-sich-deutsche-bank-vor-a-873263.html
  6. Freispruch für Deutsche Bank Co-Chef Fitschen in Die Zeit vom 25. April 2016
  7. Deutsche Bank ernennt John Cryan zum Nachfolger von Jürgen Fitschen und Anshu Jain, deutsche-bank.de
  8. Die sanfte Landung der chaotischen Deutschbanker, Artikel in Welt-Online vom 3. Januar 2017
  9. Pressemitteilung der Metro Group vom 5. September 2016
  10. Lebenslauf auf der Homepage von Kühne+Nagel
  11. Geschäftsbericht der Schott AG 2011/2012
  12. Pressemitteilung des OAV vom 23. Oktober 2014
  13. Pressemitteilung der Stiftung vom 15. Juli 2016
  14. Artikel im Magazin Reiter und Pferde in Westfalen, abgerufen am 21. März 2017
  15. Webseite der Organe der Stiftung
  16. Stiftungs-Webseite mit den Kuratoriumsmitgliedern
  17. Verschwiegene Runde im Adlon, Artikel in der Wirtschaftswoche vom 6. März 2012
  18. Vorstandmitglieder auf der Vereins-Homepage