James Crawford

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter James Crawford (Begriffsklärung) aufgeführt.

James Richard Crawford AC, SC, FBA, LLD (* 14. November 1948 in Adelaide)[1] ist ein australischer Jurist und als Hochschullehrer, Anwalt und Richter insbesondere im Bereich des Völkerrechts tätig. Er ist Inhaber des Whewell-Lehrstuhls für internationales Recht an der Universität Cambridge und Fellow am Jesus College der Universität, nachdem er zuvor in Cambridge auch als Direktor des Lauterpacht Centre for International Law tätig war.[2] Seit Februar 2015 fungiert er als Richter am Internationalen Gerichtshof.

Ausbildung[Bearbeiten]

James Crawford studierte an der University of Adelaide, an der er einen B.A.-Abschluss mit den Hauptfächern Politische Wissenschaften und Englische Geschichte (1974) sowie einen Bachelor of Laws (LL.B.) (1971) erwarb. Während seines Studiums in Adelaide kam er das erste Mal in Kontakt mit dem Völkerrecht durch die Vorlesung bei Daniel Patrick O’Connell, der später auf den Chichele-Lehrstuhl für Völkerrecht an der University of Oxford berufen wurde. Crawford folgte ihm nach Oxford und promovierte dort unter der Betreuung von Ian Brownlie (1977).

Wissenschaftliche Karriere[Bearbeiten]

Im Anschluss an seine Promotion kehrte er nach Australien zurück und unterrichtete Verfassungsrecht und Völkerrecht an der University of Adelaide, an der er 1983 zum Professor ernannt wurde. 1982 folgte er einem Ruf der australischen Regierung und akzeptierte eine Position innerhalb der Australian Law Reform Commission, welche er bis 1984 innehatte. Er schrieb eine Reihe von Berichten für die australische Regierung, unter anderem über die Anerkennung des Gewohnheitsrechts der Aborigines, die Immunität von Staaten und über die Reform des Seerechts. 1986 akzeptierte er einen Ruf an die University of Sydney und übernahm dort die Challis-Professur für Völkerrecht; von 1990 bis 1992 war er auch Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät.

1992 kehrte er nach England zurück und wurde Whewell-Professor für internationales Recht, während sein Doktorvater Ian Brownlie als Chichele-Professor für Völkerrecht in Oxford fungierte. Von 1992 bis 2001 gehörte er außerdem der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen an, für die er von 1997 bis 2001 als Sonderberichterstatter zum Thema Völkerrechtliche Verantwortlichkeit fungierte. Darüber hinaus war er wesentlich an der Ausarbeitung des Rom-Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs beteiligt. Seit 1993 ist er außerdem Richter am Verwaltungsgericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Schwerpunkte seines Wirkens sind das Verfassungsrecht, das Seerecht, die internationale Schiedsgerichtsbarkeit sowie verschiedene Aspekte der Menschenrechte. Seit 2013 gehört er dem Kuratorium der Haager Akademie für Völkerrecht an, an der er im gleichen Jahr innerhalb des Sommerprogramms den Allgemeinen Kurs im Völkerrecht unterrichtete.

1996 übernahm er die Direktorposition des Lauterpacht Centre for International Law der University of Cambridge, den er bis 2003 und dann erneut von 2006 bis 2010 ausübte. Seit 2010 ist Marc Weller Direktor des Forschungsinstituts. Im November 2014 wurde er zum Richter am Internationalen Gerichtshof gewählt; seine turnusgemäß neunjährige Amtszeit begann im Februar 2015.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

James Crawford wurde 1985 zum assoziierten und 1991 zum ordentlichen Mitglied des Institut de droit international ernannt. Darüber hinaus wurde er 2003 zum Fellow der British Academy gewählt. Er erhielt außerdem im gleichen Jahr von der Universität Cambridge den Titel des Doktors der Rechtswissenschaften (LL.D.) und hält auch Ehrendoktortitel der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne sowie der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest. Von der juristischen Fakultät der Columbia University erhielt er 2009 den Wolfgang Friedmann Memorial Award. Ein Jahr später wurde ihm der Nessim Habif World Prize der Universität Genf und 2012 mit der Manley-O.-Hudson-Medaille die höchste Auszeichnung der Amerikanischen Gesellschaft für internationales Recht verliehen.

Privatleben[Bearbeiten]

James Crawford ist seit 2015 in fünfter Ehe mit der belgischen Völkerrechtlerin Freya Baetens verheiratet und Vater eines Sohnes sowie von vier Töchtern aus vorherigen Ehen. Seine Tochter Emily Crawford ist Post-Doktorandin an der Universität Sydney und Partnerin des Sydney Centre for International Law (SCIL). Sie unterrichtete vorher an der juristischen Fakultät der University of New South Wales. Ihre Doktorarbeit über die ungleiche Behandlung von Teilnehmern an bewaffneten Konflikten wurde 2010 von Oxford University Press veröffentlicht.[1] Crawfords Tochter Rebecca Huntley ist Direktorin des Ipsos Mackay Reports. Sie änderte ihren Familiennamen, bevor sie ihr Jurastudium begann, um Vergleiche mit ihrem eminenten Vater zu verhindern.[3]

Bücher und andere Publikationen[Bearbeiten]

  • James Crawford (Hrsg.), Brownlie’s Principles of Public International Law (OUP 2012).
  • James Crawford & Martti Koskenniemi (Hrsg.), The Cambridge Companion to International Law (CUP 2012).
  • James Crawford, Alain Pellet & Simon Olleson (Hrsg.), The Law of International Responsibility (OUP 2010).
  • James Crawford, The Creation of States in International Law (2nd edition, OUP 2006).
  • James Crawford, R Doak Bishop & W Michael Reisman, Foreign Investment Disputes. Cases, Materials and Commentary (Kluwer 2005).
  • James Crawford & Brian Opeskin, Australian Courts of Law (4th edition, OUP 2004).
  • James Crawford, International Law as an Open System. Selected Essays (Cameron May 2002).
  • James Crawford, The International Law Commission’s Articles on State Responsibility: Introduction, Text and Commentaries (CUP 2002).
  • James Crawford & Philip Alston, The Future of UN Human Rights Treaty Monitoring (CUP 2000).
  • James Crawford (Hrsg.), The Rights of Peoples (OUP 1988).
  • James Crawford, The Creation of States in International Law (OUP 1979) (Adaption seiner Doktorarbeit).

Zusätzlich zu diesen Werken ist Crawford seit 1994 Herausgeber des British Yearbook of International Law, and seit der Pensionierung von Ian Brownlie in 2000 Senior-Herausgeber. Er ist außerdem Co-editor des Cambridge Studies in International and Comparative Law und der ICSID Reports. Zwischen 2002 und 2005 war er ein Mitglied des Herausgeberbeirates der World Trade Review. Seit 2004 ist er ein Mitglied des Herausgeberbeirates des American Journal of International Law. Er hat Artikel veröffentlicht in, inter alia, International and Comparative Law Quarterly, dieAmerican Journal of International Law, dasBritish Yearbook of International Law und anderen wichtigen Zeitschriften zum Völkerrecht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Crawford, James Richard. In: The International Who’s Who 2004. 67. Auflage. Taylor & Francis, London 2003, ISBN 1-85743-217-7, S. 370.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://italaw.com/documents/JamesCrawford.pdf
  2. Who’s Who in Public International Law 2007 (Crestwall Ltd, 2007)
  3. http://www.smh.com.au/national/secrets-and-her-success-20120504-1y40s.html