Jersika

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Koordinaten: 56° 15′ 15,5″ N, 26° 11′ 55,7″ O Jersika oder Gerzike (Gerseka, Gercike, Berzika) war das politische, militärische und kulturelle Zentrum eines gleichnamigen griechisch-orthodoxen Königreiches im Mittelalter, das auch als "Lettland" bezeichnet wurde (terram, quae Lettia dicitur). Als Jersika wird in den Geschichtsquellen (1203–1375) eine Burg und eine Stadt an der Düna bezeichnet. Sie liegen ungefähr 10 km südlich von Līvāni, 165 km von Riga entfernt in Lettgallen.

Jersika im 12. Jahrhundert

Jersika am Anfang des 13. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Anfang des 13. Jahrhunderts war Jersika in tributärer Abhängigkeit vom Großfürsten in Polozk, ebenso wie auch das Fürstentum von Koknese und die livischen Gebiete an der Mündung von Düna.

Der letzte Herrscher von Jersika war Visvaldis (Vissewalde), ein Lette oder ein lettisierter Wikinger, der einzige einheimische Fürst, den die Chronik Heinrichs von Lettland als König (rex) tituliert und damit auf seine hohe staatsrechtliche Stellung hinweist.

Der Kriegszug gegen Jersika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Politik des Bischofs Albert von Livland (1199–1229) war darauf gerichtet, den deutschen und gotländischen Handelsleuten den freien Weg nach Russland zu sichern. Um dieses zu erreichen, musste er seine Herrschaft auf das Königreich Jersika ausdehnen. Von 1203 bis 1209 bekämpften Bischof Albert und der Schwertbrüderorden das Königreich Jersika und die verbündeten Litauer. Bei einem Kriegszug im Herbst 1209 nahm das Heer des Bischofs Stadt und Burg Jersika ein und brannte sie nieder. Visvaldis’ Frau, die Königin von Jersika, wurde gefangengenommen.

Jersika als Vasallenstaat der Kreuzritter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dieser Niederlage war König Visvaldis 1209 gezwungen, das Friedensdiktat des Bischofs von Livland anzunehmen. Er musste sein erbliches Königreich dem Bischof schenken und bekam nur einen Teil, der noch beim griechisch-orthodoxen Glauben geblieben war, als Lehen zurück. Es war ein feudum oblatum. Als Investitursymbole wurden in diesem Falle drei Fahnen benutzt. Die persönliche Unterwerfung des Königs geschah in der Form von Kommendation. Durch die Schenkungsurkunden von 1224 und 1230 verlor der König weitere Territorien zugunsten der deutschen Ritter und der katholischen Kirche. Ein Dokument von Jahre 1239 bezeigt das Ende des Königreichs von Jersika.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich von Lettland: Livländische Chronik (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. 24, ISSN 0067-0650). Bearbeitet von Leonid Arbusow. Neu übersetzt von Albert Bauer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1959.
  • Eduard Šturms: Die Lage von Gercike und einigen anderen frühgeschichtlichen Burgen Lettlands (= Contributions of Baltic University. 48, ZDB-ID 566244-8). Baltic University, Pinneberg 1947.