Johann Balthasar Held

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Johann Balthasar Held († 1709) war Meistergeselle von Arp Schnitger und angesehener Orgelbauer in Lüneburg und Stettin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Held war 1672–1675 Geselle bei Georg Nitrowski (Danzig) und im Anschluss viele Jahre Meistergeselle bei Schnitger. Mit anderen Gesellen war Held am Bau der monumentalen Schnitger-Orgel in der Hamburger Nikolaikirche (1682–1687) beteiligt.[1] Der Schnitgerforscher Gustav Fock vermutet, dass er Schnitger mit dem im Osten gebräuchlichen Register Salizional bekannt gemacht hat, das dieser zwischen 1682 und 1690 in verschiedenen Orgel-Dispositionen verwendete.[2] 1691–1692 wurde Held der Umbau der Orgel der Groninger Martinikerk übertragen, dessen Ausführung in weniger als acht Monaten als „extra ordinaris goedt“ beurteilt wurde.[3] Er siedelte anschließend nach Lüneburg über und führte von dort verschiedene Orgelprojekte aus, so auch 1695 eine Reparatur für Dieterich Buxtehudes Orgel in Lübeck. Ab 1699 wirkte er von Stettin aus und erhielt dort das Orgelbauprivileg über das schwedische Pommern. Im Jahr 1701 lernte der junge Johann Sebastian Bach Held in Lüneburg kennen, als dieser die Chororgel von St. Michaelis erweiterte und wie Bach in der Michaelisschule wohnte.[4] Held starb 1709.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1686 Plate St. Marien
Kirche Plate Orgel.jpg
II/P 30 Reparatur und Umdisponierung für 60 Reichstaler[5]
1695 Lübeck Marienkirche Marienkirche before 1942.jpg III/P 57 Reparatur; während der Gesellenzeit bei Schnitger ist Held hier 1685 mit Stimmarbeiten nachgewiesen[6]
1696 Pyritz Reparatur
1701 Lüneburg St. Michaelis I 4 Reparatur des Chorpositivs; ab etwa 1800 verschollen, im Jahr 2000 von Martin ter Haseborg rekonstruiert; 1703 Helds Vorschlag für einen Neubau der großen Orgel
1704–1707 Stettin Marienkirche Reparatur
Gartz (Oder) St. Stephan Neubau
1708–1709 Köslin Marienkirche Umbau, der 1709 von Andreas Hildebrandt vollendet wurde

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Pape, Wolfram Hackel, Christhard Kirchner (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Band 4. Berlin, Brandenburg und Umgebung einschließlich Mecklenburg-Vorpommern. Pape, Berlin 2017. S. 213
  • Gustav Fock: Arp Schnitger und seine Schule. Ein Beitrag zur Geschichte des Orgelbaues im Nord- und Ostseeküstengebiet. Bärenreiter, Kassel 1974, ISBN 3-7618-0261-7, S. 186–187.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konrad Küster: Arp Schnitgers Jahr 1682 und die Folgen. Werkstattbildung, Eheprozess und Einweihungsmusik. In: Musik und Kirche. Band 9, Nr. 1, 2010, ISSN 0027-4771, S. 32–36, hier: S. 34.
  2. Fock: Arp Schnitger. 1974, S. 187.
  3. Cornelius H. Edskes, Harald Vogel: Arp Schnitger und sein Werk (= 241. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde). 2. Auflage. Hauschild, Bremen 2013, ISBN 978-3-89757-525-7, S. 179, 186.
  4. Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. 4. Auflage. S. Fischer, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-596-16739-5, S. 65.
  5. nomine.net: Orgel in Plate, abgerufen am 22. Dezember 2016.
  6. Ibo Ortgies: Die Praxis der Orgelstimmung in Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Musikpraxis. Göteborgs universitet, Göteborg 2004, S. 88, 285 (online [PDF] rev. 2007).