Johan van Galen

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Johan van Galen (* 1604[1] in Essen; † 23. März 1653 vor Livorno im Mittelmeer), als von Galen geboren und auch mit verkürztem Vornamen Jan zu finden, war ein niederländischer Kapitän und Geschwader-Kommandeur.

Herkunft und erste Jahre auf See[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einblattdruck mit Porträt und Seeschlacht, erschienen nach seinem Tod. Unter der Abbildung ein Sinnspruch zum Ruhm des Verstorbenen.
Gemälde von Reinier Zeeman von der Schlacht vor Livorno. Das Schiff von van Galen zeigt die niederländische Flagge im Großtopp.

Johan van Galen wurde als Sohn von Johan von Galen, der sich um 1600 in Essen niederließ, und Agneta Hekkings in Essen geboren; seine Großeltern waren Gisbrecht von Galen und Sibilla von Oel, seine Urgroßeltern Adam von Galen und Margereta Bongaarden aus dem Hause Papendorp.

Er trat 1627 13-jährig in den niederländischen Seedienst bei den Direktoren in Amsterdam ein und wurde bereits 1630 Kapitän. 1631 erhielt er das Kommando über das neu gebaute 32-Kanonen-Schiff SWARTE LEEUW und kreuzte gegen Dünkirchener Kaper. 1632 befehligte er die MARS und 1633 die MAURITS. Im Februar 1634 besuchte er seine Geburtsstadt Essen, um sich einen Geburtsbrief ausstellen zu lassen. 1635 trat er in den Staatsdienst ein und am 8. Januar seinen Dienst als Kapitän bei der Admiralität von Amsterdam an.

1636 erhielt er das Kommando über die DE BUL. Nachdem er mehrere Schiffe aufgebracht und diese als Prisen in Plymouth verkaufen wollte, wurde er mit seinem Schiff unter Arrest gestellt – erst nach einem Jahr konnte er im Frühjahr 1637 wieder in See gehen.

Dienst im Ärmelkanal und in der Ostsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1639 übernahm er das Kommando auf der UTRECHT im Geschwader von Witte de With. In der Schlacht in den Downs am 13. Oktober 1639 geriet van Galen mit Antonio d’Oquendos Flaggschiff SANTIAGO direkt ins Gefecht und zeichnete er sich dabei durch seine Tapferkeit besonders aus.

1642 übernimmt van Galen das Kommando über die PRINS WILLEM und wird mit verschiedenen Aufgaben betraut. So kreuzt er wieder gegen Dünkirchener Kaper und geleitet Kauffahrer durch den Kanal oder in die Ostsee.

Als Dänemark zur Finanzierung seiner Kriegsführung den Sundzoll drastisch anhebt, beschließen die Niederlande 1644 ihren Ostsee-Konvoi – aus etwa 800 bis 900 Schiffen bestehend – mit einer starken Begleitflotte unter Witte de With durch den Sund zu geleiten. Daraufhin müssen die Handelsschiffe nur den alten niedrigeren Zoll entrichten. Während dieser Fahrt geraten van Galen, Kapitän der MAAN,[2] und Vizeadmiral de With mehrfach aneinander und de With wirft ihm schließlich „vorsätzlichen Ungehorsam“ vor und stellt ihn unter Arrest. Nach seiner Rückkehr reicht van Galen am 24. November 1645 bei der Admiralität Amsterdam offiziell Beschwerde gegen de With ein und bietet seinen Rücktritt an. Die Admiralität lehnt diesen jedoch ab, da man auf seine Dienste nicht verzichten wollte; die Beschwerde gegen de With verlief ergebnislos.

Einsätze im Mittelmeer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1647 erkrankte er und konnte zeitweise seinen Dienst nicht aufnehmen. Zwei Jahre später, 1649, trat er seinen Dienst wieder an und wurde dem Kommando von Joris Cats unterstellt, der mit einem Geschwader zur Bekämpfung der afrikanischen Piraten ins Mittelmeer gesandt wurde. Zudem sollte das Geschwader auch Frankreich gegen Spanien unterstützen. Dem Geschwader gelang es, mehrere Schiffe aufzubringen. So erbrachten allein die Besatzungen der von van Galen aufgebrachten Schiffe, die man auf spanischen Sklavenmärkten verkaufte, 61482 Gulden und zwölf Stuyver. Mit diesem Geld wurden wiederum niederländische Seeleute aus der afrikanischen Sklaverei freigekauft.

Als van Galen 1650 mit seinem Schiff ROOS in der Bucht von Cadiz vor Puerto Maria lag und er wiederum Besatzung und Schiff afrikanischer Piraten verkaufen wollte, wurde er auf seiner Schaluppe, die auf dem Weg zwischen Hafen und dem auf Reede liegenden Schiff war, von Piraten angegriffen und während des Kampfes elfmal verwundet. Um seine Verletzungen auszukurieren wandte sich van Galen an die Amsterdamer Admiralität, von der er schließlich die Genehmigung erhielt, in die Heimat zurückzukehren. Er erhielt Order, sein Schiff seinem Leutnant Govert Reael zu übergeben und auf einem Kauffahrer nach Amsterdam zurückzukehren.

Im Englisch-Niederländischer Krieg (1652–1654)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Arbeit von Willem van de Velde d.Ä. zeigt eine arrangierte Ansicht der Seeschlacht, die bereits kurz nach dem Ereignis fertiggestellt wurde.

Nach seiner Genesung erhielt van Galen im Juli 1652 den Befehl, sich umgehend ins Mittelmeer zu begeben und das Kommando über das dort operierende Geschwader zu übernehmen. Der Krieg mit England stand unmittelbar bevor und die Admiralität von Amsterdam hielt den derzeitigen Befehlshaber, Joris Cats, nicht für geeignet. Schon vor der eigentlichen Kriegserklärung am 29. Juli 1652[3] hatte es einige bewaffnete Auseinandersetzungen gegeben; so das Gefecht bei Dover am 29. Mai 1652.

Am 3. August 1652 reist van Galen über Land nach Livorno, das er am 22. August erreichte. Hier tritt er an Bord der JAARSVELD das Kommando über das Mittelmeergeschwader an. Zudem hatte er den Befehl erhalten, sein Geschwader durch so viele Kauffahrer wie möglich zu verstärken. Diese Schiffe mussten mindestens 180 Lasten groß sein, durften nicht unter 50 Mann Besatzung haben und nicht weniger als 24 Kanonen Bewaffnung führen.

Van Galen ließ keine Zeit verstreichen und machte sein Geschwader umgehend gefechtsbereit um schnellstmöglich auszulaufen. Ihm war bekannt, dass England zwei ursprünglich getrennt voneinander operierende Geschwader im Mittelmeer im Einsatz hatte; eins unter Richard Badiley und eins unter Henry Appleton. Diese hatten Befehl, beide Geschwader zu vereinigen und die Niederländer im Mittelmeer zu bekämpfen. Noch bevor dies geschah, gelang es van Galen Badileys Verband in einem Gefecht südlich der Insel Montecristo am Nachmittag des 27. August zu stellen; Appletons Verband hielt er mit sechs Schiffen in Livorno blockiert. Damit war der englische Levante-Handel empfindlich gestört.

Im Frühjahr 1653 versuchte Badiley erneut sich mit Appleton zu vereinigen. Letzterer sollte seine Schiffe nachts soweit aus dem Hafen warpen, dass er am darauffolgenden Tag, wenn Badiley selbst die Niederländer angreife, auslaufen und ebenfalls angreifen können. Somit kam es am 4. März 1653 zum Gefecht vor Livorno. Van Galen, jetzt auf dem 1643 gebauten Schiff VEREENIGDE PROVINCIËN,[4] schätzte beide Kommandeure jedoch richtig ein und griff als ersten den kleineren Verband von Appleton an, den er fast vollständig vernichtete. Schon vor Montecristo hatte Badiley gezeigt, dass er nicht in der Lage war, ein Geschwader im Gefecht zu leiten; Appleton traute es van Galen eher zu.

Während dieses Gefechts wurde van Galen am Fuß verletzt, der noch während der Kampfhandlungen amputiert werden musste.

Totenehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Form eines Grabmonumentes, hier das von Rombout Verhulst gestaltete Grab von Johan van Galen in der Nieuwe Kerk von Amsterdam, wurde praalgraf genannt. Frei übersetzt etwa "Ruhmesgrab". Das Wappen oben ist das der Generalstaaten, darunter ist noch eine Schiffskrone zu erkennen.

Erst am 15. März wurde van Galen in das Haus des holländischen Konsuls Peter van der Straten in Livorno gebracht, wo er am 23. März starb. Seine Leiche wurde einbalsamiert und an Bord der HAARLEM in die Heimat überführt. Am 11. Dezember 1653 wurde er mit einem Staatsbegräbnis in der Nieuwe Kerk beigesetzt. Auf dem so genannten praalgraf steht auf Latein: „Dem mannhaften Helden Johann van Galen aus Essen zum ewigen Ruhme gewidmet“. Die Kosten von 3100 Gulden übernahm die Amsterdamer Admiralität ebenso für die Lebensbeschreibung, die Arnoldus Montanus verfasste. Am 7. Juni 1654 erhielt der „Schiffs-Kunstzeichner“ Willem van de Velde d. Ä. den Auftrag, für 100 Gulden „die Schlacht zwischen dem Kommandeur van Galen und den Engländern“ festzuhalten. Eine Ehre, die keinem anderen niederländischen Kapitän zuteil wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei Oosterkamp, S.8, wird ohne Angabe von Quellen der Anfang März als Zeitraum der Geburt genannt.
  2. Auch HALVE MAAN, GOUDEN MAAN, war 1643 gebaut worden.
  3. Die eigentliche Kriegserklärung wurde am 10. Juli 1652 im Parlament beschlossen.
  4. Van Galens vorheriges Flaggschiff JAARSVELD ging am 9. Februar 1653 verloren, nachdem es vor Livorno auf einen Felsen aufgelaufen und gesunken war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aitzema, Lieuwe van: Historie of Verhael van Saken van Staet en Oorlogh. Teil 7, 1650–1654. ’s Gravenhage 1662; Digitalisat Teil 3 mit den Jahren 1645 bis 1656
  • Atkinson, C. T.: Letters and Papers Relating to the First Dutch War 1652-1654. Band 4 und 6, Publications of the Navy Records *Society, Vol. 37 und 66. London 1910 und 1930
  • Ballhausen, Carl: Der erste englisch-holländische Seekrieg 1652-1654 sowie der schwedisch-holländische Seekrieg 1658-1659. Haag 1923
  • Boer, M. G. de: Tromp en de Armada van 1639. Amsterdam 1941
  • Calendar of State Papers, Domestic Series, 1651-1653. London 1877
  • Corbett, Julian Stafford: England in the Mediterranean. London 1904
  • Doesburgh, Thomas; Luiken, Jan; Stopendael, Bastiaen: Leven en Bedryf van den vermaarden Zeeheld Cornelis Tromp. Amsterdam 1692
  • Gardiner, Samuel Rawson: Letters and Papers Relating to the First Dutch War 1652-1654. Band 1 bis 3 und 5, Publications of the Navy Records Society, Vol. 13, 17, 30 und 41. London 1899–1906 Digitalisat
  • Jonge, J. C. de: Geschiedenis van het Nederlandsche Zeewezen. 5 Bd., 2. Auflage, Haarlem 1858–1862 Digitalisat
  • Montanus, Arnoldus: Het Leven en Bedryf van de Doorluchtigen Zee-Heldt Johan van Galen. Amsterdam 1654 Digitalisat
  • Oostkamp, Jan Antonie: Het leven, de voornaamste daden en lotgevallen van den kommandeur Jan van Galen, heer van Papendorp. Deventer 1830 Digitalisat
  • Pemsel, Helmut: Weltgeschichte der Seefahrt. Band 5 und 6, Wien und Graz 2004
  • Rittmeyer, Rudolph: Seekriege und Seekriegswesen. Band 1, Berlin 1907
  • Spalding, Thomas Alfred: A Life of Richard Badiley. Westminster 1899 Digitalisat
  • Erwin Dickhoff: Essener Köpfe. Hrsg.: Stadt Essen–Historischer Verein für Stadt und Stift Essen. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1.