Johannes Steininger

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Johannes Steininger (Fotografie)

Johannes (Johann) Steininger (* 10. Januar 1794 in St. Wendel; † 11. Oktober 1874 in Trier) war ein deutscher Gymnasiallehrer, Geologe und Historiker.

Berufslaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steininger hatte anfänglich Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Trier studiert (1809–1813), wandte sich dann aber den Wissenschaften zu und nahm in Paris das Studium der Mathematik, Physik und Naturwissenschaften auf. Am 20. Oktober 1815 trat er als Lehrer seinen Dienst am Trierer Gymnasium an, wo er Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtete. Am 26. Juni 1848 wurde er wegen seiner Leistungen zum Professor ernannt. Offiziell pensioniert wurde Steininger, der seit 1855 infolge eines Augenleidens keine amtlichen Funktionen mehr verrichten konnte, am 22. Dezember 1856. Am 1. April 1857 schied er definitiv aus dem Schuldienst aus.[1] Zu seinen Schülern haben auch die in Trier geborenen und aufgewachsenen Karl Marx und Edgar von Westphalen gehört.[2]

Steininger wurde vorgeworfen, dass er seit Beginn seiner Tätigkeit in Trier am Christentum rüttele, „wodurch mancher Jüngling den Glauben verliert“.[3] Das Provinzialschulkollegium bezweifelte am 25. Januar 1834 seine „vaterländische Gesinnung“.[4]

Forschungstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steininger war ein vielseitig interessierter Mensch, der sich neben der Geologie auch mit anderen Naturwissenschaften sowie mit Geschichte und Philosophie beschäftigt hat.

1817 wurde Steininger, der in seiner Freizeit geologische Forschungsarbeit betrieb, Mitglied der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier. In der Folgezeit unternahm er in den Schulferien geologische Studienreisen, die ihn insbesondere in die Eifel, nach Belgien, Luxemburg und Frankreich führten und ihren Niederschlag in einer Reihe von geologischen und paläontologischen Veröffentlichungen fanden. Zu den von ihm entdeckten und erstmals beschriebenen fossilen Tierarten zählt beispielsweise Spirifera primaeva Steininger, 1853, eine Brachiopoden-Art, deren heutiger Name Acrospirifer primaevus (Steininger, 1853) ist.[5]

Während einer Forschungsreise in das Saar-Nahegebiet 1841 beschrieb Steininger das „doleritische Trappgestein“ des Schaumberges bei Tholey/Saar als Tholeiit. Das gab in der Folgezeit dem häufigsten Gestein der Erdkruste, den Basalten der Mittelozeanischen Rücken (= „MOR-Basalte“ oder „MORB“) seinen petrographischen Fachnamen. Inzwischen konnte Dieter Jung 1958 Unterschiede zwischen dem Gestein der Typuslokalität und den „MORB“ feststellen. Die „MORB“ sollten daher korrekter als „tholeiitische Basalte“ bezeichnet werden.[6]

Für seine Arbeit mit dem Titel Essai d'une description géognostique du Grand-Duché de Luxembourg trug Steininger, der Französisch wie seine Muttersprache beherrschte, im Jahre 1828 den ersten Preis in einem Wettbewerb der belgischen Akademie der Wissenschaften, dessen Thema die Geologie Luxemburgs gewesen war, davon.[7] In dieser Arbeit hat er die Bezeichnung grès de Luxembourg (Luxemburger Sandstein) für die bekannte Sandsteinformation des oberen Hettangium (Unterjura) in Luxemburg geprägt.

Steininger führte als erster den Eifler Mundartnamen Maar als Fachbegriff in die geologische Literatur ein.[8] Maar (Englisch dto) wurde zum weltweit gültigen geologischen Fachbegriff für diesen monogenetischen Vulkanbau, der bei einer Explosion entstanden ist, die durch das Zusammentreffen von Grundwasser mit meist basischem Magma ausgelöst wurde. Die beim Maarausbruch ausgeworfenen pyroklastischen Gesteine sind meist Nebengesteins-reich.[9]

Ehrungen, Auszeichnungen, Würdigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1848 Ernennung zum Professor
  • Wahl zum Mitglied der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde
  • Wahl zum Mitglied der Senckenbergischen Gesellschaft
  • Wahl zum Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle
  • Ernennung zum Assessor der Mineralogischen Societät zu Jena

Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geburtsstadt Steiningers, St. Wendel, benannte eine kleine Straße in der Kernstadt direkt neben der Wendalinusbasilika nach ihm: "Steiningers Gässje"[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geognostische Studien am Mittelrheine. Mainz 1819, Florian Kupferberg, 223 S.
  • Die erloschenen Vulkane in der Eifel und am Niederrhein. Mainz, 1820.
  • Neue Beiträge zur Geschichte der rheinischen Vulkane. Mainz 1821. (Online-Ausgabe dilibri Rheinland-Pfalz)
  • Gebirgskarte der Länder zwischen dem Rheine und der Maas. Mainz 1822, Florian Kupferberg, 83 S.
  • Die erloschenen Vulkane in Südfrankreich. Mainz 1823 online.
  • Bemerkungen über die Eifel und die Auvergne. Mainz 1824 online.
  • Untersuchungen über die salzführenden Gebiete in Lothringen. Hertha, V, 1826.
  • Essai d'une description géognostique du Grand-Duché de Luxembourg. Bruxelles 1828, M. Hayez, 88 p., 2 annexes (Mémoires couronnés de l'Académie Royale des Sciences et Belles-Lettres de Bruxelles, 7).
  • Bemerkungen über die Versteinerungen, welche in dem Uebergangs-Kalkgebirge der Eifel gefunden werden. (Gymn. Progr.) Trier 1831: 1–44.
  • Observations sur les fossiles du calcaire intermédiaire de l'Eifel. Mémoires de la Société Géologique de France, (1833), vol. 1, no. 2, pt. 15: 331–371, pl. 20–23. (1834)
  • Sur une nouvelle Encrine (Halocrinites) et une Hélice de l'Eifel. Bulletin de la Société Géologique de France (1834–1835), t. 6: 169–170. (1835)[11]
  • Note présentée dans la séance du 8 mai 1837 de la Société Géologique de France, avec les dessins de deux pétrifications nouvelles (Lichas antiquus, Haplocrinites sphaeroideus), et avec une remarque sur des dents d'ours fossiles trouvées dans la caverne de Buchenloch près de Gerolstein. Bulletin de la Société Géologique de France, t. 8, 1836-1837: 230–232.
  • Description de Halocrinites pyramidalis. Bulletin de la Société Géologique de France (1837–1838), t. 9: 295. (1838)
  • Geognostische Beschreibung des Landes zwischen der untern Saar und dem Rheine. Trier 1840. - Nachträge u. 5 Petrefacten-Zeichn. 1841.
  • Die Versteinerungen des Uebergangs-Gebirges der Eifel. In: Jahresbericht über den Schul-Cursus 1848/49 an dem Gymnasium zu Trier: 1–50. (1849)
  • Geognostische Beschreibung der Eifel. Trier 1853, Lintz, 144 S.online

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Un examen critique de la philosophie allemande, depuis Kant jusqu' à nos jours. Trèves 1845.

Physik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bemerkungen zu dem Foucault'schen Pendel-Versuche. (Progr. Gymn.). Trier 1855, Lintz, 16 S. (Programm womit zu der öffentlichen Prüfung und dem Rede-Act der Schüler des Gymnasiums zu Trier und zu der Schlussfeierlichkeit den 30. und 31. August 1855 ergebenst einladet Dr. V. Loers, Director und Professor : 1) Bemerkungen zu dem Foucault'schen Pendel-Versuche. Von Hrn. Professor Steininger. - Trier: Buchdruckerei von Fr. Lintz, 1855. - 34 S.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Engländer, Hans (1950): Johannes Steininger. In: Heimatbuch des Kreises St. Wendel, 3 (1950): 95-100.
  • Fichter, Jürgen (1990): Johann Steininger. Ein Geologe aus St. Wendel. In: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 13 (1989/90) 92–99.
  • Follmann, Otto (1920): Der Trierer Geologe Johannes Steininger (1794-1874). Trier, 16 S. (Sonderabdruck aus: Trierische Chronik, Jhg. 16 (1920), S. 82–95).
  • Groß, Guido (1994): Professor Johann Steininger (1794-1874). Erinnerung an einen Trierer Pädagogen, Geologen und Historiker. In: Neues Trierisches Jahrbuch 1994: 85–104.
  • Groß, Guido (2000): Johann Steininger. In: H. Monz (Hrsg.): Trierer Biographisches Lexikon. Wissenschaftlicher Verlag Trier, S. 450.
  • Massard, Jos. A. (1996): Les pionniers de la géologie luxembourgeoise: Steininger, Engelspach-Larivière et les autres. In: J.A. Massard (éd): L'Homme et la Terre. Mens en Aarde. Mensch und Erde. Actes du 13e Congrès Benelux d'Histoire des Sciences, Echternach (Luxembourg), 1995. Luxembourg: 127–170.
  • Massard, Jos. A. (1998): Historisch-naturwissenschaftlicher Streifzug durch den Kanton Echternach. Nos Cahiers, 19 (2-3): 363–393. (Siehe: S. 364ff. PDF; 3,1 MB)
  • Schiel, Hubert (1951): Der Trierer Geologe Johannes Steininger. In: Trierischer Volksfreund, Jg. 76, Nr. 209 v. 8./9. Sept. 1951. Beil.: Die Feierstunde Nr. 36
  • Simon, Thomas (1857): Aphoristische Notizen aus dem Leben und Wirken des am 1. April 1857 in Ruhestand tretenden Gymnasial-Oberlehrers, Herrn Professors Steininger. Trier, 7 S. (Besonderer Abdruck aus der Trier'schen Zeitung, Nr. 54 vom 5. März 1857).
  • H. Wolfgang Wagner et al., 2012: Trier und Umgebung, Sammlung geologischer Führer, Bd. 60, 3. Auflage [(siehe)http://www.schweizerbart.de/publications/detail/artno/011006040]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Follmann 1920, S. 14; Simon 1847.
  2. Groß 2000, S. 450.
  3. zitiert nach Heinz Monz: Karl Marx, Trier 1973, S. 170.
  4. ebenda, S. 171.
  5. Ulrich Jansen: On the genus Acrospirifer Helmbrecht et Wedekind, 1923 (Brachiopoda, Lower Devonian) (Contributions to Lower Devonian brachiopods from the Rheinisches Schiefergebirge and adjacent areas, 1). (PDF; 1,4 MB) Journal of the Czech Geological Society 46/3-4 (2001): 131–144.
  6. Jung, Dieter, 1958: Untersuchungen am Tholeyit von Tholey (Saar) in: Contributions to mineralogy and petrology , ISSN 1432-0967, Vol. 6 (3. 1958), p. 147–181
  7. Massard 1996: 129ff.
  8. Hans Mühlhaus: Maar oder Kratersee? Heimatjahrbuch des Landkreises Daun 1987: 95–96.
  9. H. Wolfgang Wagner et al., 2012: Trier und Umgebung, Sammlung geologischer Führer, Bd. 60, 3. Auflage.
  10. Schmitt, Hans Klaus: Steiningers Gässje. In: Handbuch des Kreises St. Wendel. 2. Ausg. (1949), S. 60 ff.
  11. Siehe: K.C. von Leonhard & H.G. Bronn (Hrsg.): Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde. Jg. 1836, S. 478: "Steininger teilt der geologischen Sozietät in Paris Zeichnungen seines neuen Halocrinites elongatus aus der Eifel und seiner Helix Mattiaca aus dem tertiären Kalke von Wiesbaden mit (Bullet. géol. 1835, VI, 169–170, Tf. I, Fg. 11 und 12), …" (online) bei books.google.com

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Johann Steininger – Quellen und Volltexte