Johannesminne

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Dieser Artikel erläutert das ikonographische Motiv der Johannesminne; der katholische Brauch wird unter Johanneswein erläutert.
Motiv der Johannesminne, Skulptur aus dem frühen 14. Jahrhundert, Bayerisches Nationalmuseum München

Als Johannesminne wird ein seit der Gotik bekanntes Motiv der christlichen Ikonografie bezeichnet, bei dem der Apostel Johannes sein Haupt an die Brust Jesu lehnt. Die Zusammenstellung wird auch als „Christus-Johannes-Gruppe“ bezeichnet, womit vor allem Skulpturengruppen dieser Art benannt werden. Sie entwickelte sich aus dem biblischen Bericht, beim letzten Abendmahl habe der "Lieblingsjünger" Jesu, Johannes, an der Brust Christi geruht (vgl. Johannes 13, Vers 23-25). Die Zweifigurengruppe des Christus und Johannes wurde gleichsam aus dem szenischen Zusammenhang des Abendmahlbildes herausgelöst und isoliert. Das Interesse dieses Themas lag in der Darstellung einer besonderen Nähe des Johannes zu Christus, in die sich der Betrachter bei der Andacht vor dem Bildwerk hineinversetzen konnte (sogenanntes Andachtsbild). Dabei stellte man sich vor, dass Johannes am Herzen Jesu gelegen und mystische Geheimnisse geschaut habe. Gegen 1300 entsteht dieser Typus in südwestdeutschen Frauenklöstern des Dominikanerordens. Die berühmteste Gruppe ist jene von der Hand des Meister Heinrich von Konstanz aus dem Kloster St. Katharinenthal in der Schweiz. Sie befindet sich heute im Museum Mayer van den Bergh, Antwerpen. Vorläufer der plastischen Gruppen sind Darstellungen des Themas in der Buchmalerei.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reiner Haussherr: Über die Christus-Johannes-Gruppen : zum Problem "Andachtsbilder" und deutsche Mystik, in: Beiträge zur Kunst des Mittelalters : Festschrift für Hans Wentzel zum 60. Geburtstag (hrsg. von Rüdiger Becksmann, Ulf-Dietrich Korn, Johannes Zahlten). Mann, Berlin 1975, S. 79–103.
  • Justin Lang: Herzensanliegen: die Mystik mittelalterlicher Christus-Johannes-Gruppen. Ostfildern 1994, ISBN 3-7966-0695-4
  • Anton Schmidt, Kurt Goldammer: Scholastik. Kirchliche Kunst im Mittelalter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969, ISBN 3-525-52328-9, S. G 215 (Digitalisat)
  • Gertrud Schiller: Ikonographie der christlichen Kunst. Gütersloher Verlagshaus G. Mohn, Gütersloh 1966, ISBN 3-579-04138-X, S. 98
  • Hans Wentzel: Die Christus-Johannes-Gruppen des 14. Jahrhunderts. (Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universal-Bibliothek 51) Reclam, Stuttgart 1960.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johannesminne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien