Johnstonsches Organ

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Das Johnstonsche Organ ist ein bei den Insekten vorkommendes Sinnesorgan im 2. Antennenglied (Pedicellus). Es ist mit stiftführenden Sensillen (Scolopidien) ausgestattet und wird durch Schwingung der Antennengeißel erregt, d. h., es dient als Vibrationssensor. Beim Tabakschwärmer ist seine Funktion zur Lagekontrolle im Flug nachgewiesen worden: Die durch Körperbewegungen und Luftschwingungen beeinflusste Vibration der Antenne wird mit dem Organ wahrgenommen. Sie ermöglicht eine Feinsteuerung der Fluglage, um Kurven und andere Richtungsänderungen zu erleichtern.[1] Eine ähnliche Funktion wird bei allen Fluginsekten angenommen.

Neben der Lagekontrolle im Flug besitzt das Johnstonsche Organ bei verschiedenen Insektenordnungen eine ganze Reihe weiterer Funktionen, die alle auf der Wahrnehmung von Schwingungen und Vibrationen aufbauen. So dient es etwa den Taumelkäfern (Gyrinidae) und bei Rückenschwimmern (Notonectidae) zum Erkennen von Beutetieren auf der Wasseroberfläche, die durch deren Bewegungen in Schwingungen gerät.[2] Bei Drosophila, den Männchen von Stechmücken (Culicidae), Zuckmücken (Chironomidae) und anderen Zweiflüglern dient es zur Schallwahrnehmung, als Hörorgan.

Das Johnstonsche Organ ist benannt nach Christopher Johnston, der es 1855 beschrieb.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sanjay P. Sane, Alexandre Dieudonné, Mark A. Willis, Thomas L. Daniel: Antennal Mechanosensors Mediate Flight Control in Moths. In: Science. 315, 2007, S. 863. doi:10.1126/science.1133598
  2. Steven A. Kolmes: Ecological and Sensory Aspects of Prey Capture by the Whirligig Beetle Dineutes discolor (Coleoptera: Gyrinidae). In: Journal of the New York Entomological Society. Vol. 91, No. 4, 1983, S. 405–412.