Jon Stewart

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Dieser Artikel behandelt den Komiker Jon Stewart. Für weitere Personen mit ähnlichem Namen siehe Jon Stewart (Fußballspieler) oder John Stewart.
Jon Stewart (2008)

Jon Stewart (* 28. November 1962 in New York City als Jonathan Stuart Leibowitz) ist ein US-amerikanischer Komiker, Schauspieler, Schriftsteller, Produzent und Regisseur. Er ist insbesondere durch die satirischen Nachrichtensendung The Daily Show with Jon Stewart bekannt, die er von 1999 bis 2015 auf dem Fernsehsender Comedy Central moderierte. Durch den großen Erfolg der Daily Show wird Stewart in Anlehnung an den ehemaligen CNN-Slogan „The most trusted name in fake news“ genannt (dt.: „Der vertrauenswürdigste Name in Sachen gefälschte Nachrichten“). Trotz ihres weiterhin grundsätzlich satirischen Ansatzes hat sich die Daily Show unter Stewart allerdings zu einer sehr wichtigen Instanz des investigativen Journalismus und der kritischen politischen Berichterstattung entwickelt.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stewart wuchs in Lawrenceville, New Jersey in einem jüdischen Elternhaus auf und studierte am College of William and Mary in Virginia Psychologie als Hauptfach. Nach Abschluss seines Studiums 1986 änderte er seinen Namen von Leibowitz zu Stewart und zog nach New York, wo er als Stand-Up-Comedian in den Comedy-Clubs der Stadt auftrat. Bald wurde er regelmäßiger Performer im Comedy Cellar in Manhattan. Zwei Jahre lang trat er hier jeden Abend als letzter Komiker auf. Daneben arbeitete er in verschiedenen Jobs, u. a. als Puppenspieler, Kellner und Barkeeper.

1989 begann Stewart als Autor für die Fernsehsendung Caroline's Comedy Hour zu schreiben. Von 1991 bis 1993 war er neben Patty Rosborough Komoderator der Sendung Short Attention Span Theater auf dem Fernsehsender Comedy Central und moderierte auf MTV die Sketch-Serie You Wrote It, You Watch It.

Stewart, 2010

Stewarts Karriere erhielt 1993 durch einen Auftritt bei der NBC-Show Late Night with David Letterman einen großen Schub. Noch im selben Jahr bekam er auf MTV seine eigene Sendung, die Jon Stewart Show. Die Sendung war nach Beavis und Butthead die erfolgreichste Sendung auf dem Musiksender. Allerdings floppte die Sendung ein Jahr später, als sie als von MTV und Paramount Pictures produzierte, einstündige Version in Syndikation vertrieben wurde. 1995 wurde die Sendung abgesetzt.

The Daily Show[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 übernahm Stewart die Comedy-Central-Sendung The Daily Show, die zuvor mit mäßigem Erfolg vom Komiker Craig Kilborn moderiert wurde. Mit Jon Stewart wurde die Sendung sehr rasch immens erfolgreich.

Der Einfluss von Stewart und der Daily Show auf die politische Debatte in den USA wurde als sehr groß eingeschätzt. Im Juli 2009 wurde Jon Stewart so von den Lesern der Online-Ausgabe des Time-Magazines (nach dem Tod von Walter Cronkite) zum „most trusted newscaster“ gewählt – und dies vor „seriösen“ Größen wie Charlie Gibson von Fernsehsender ABC oder Brian Williams von der NBC. Stewart verstand sich allerdings ausschließlich als Satiriker.

Stewart ist bekannt für seine kritische Haltung gegenüber der Leistung der großen Nachrichtenmedien in den USA, denen er ein weitgehendes Versagen in Hinblick auf unabhängige Recherche und die Kontrolle der Politik vorwirft; gäbe es ausreichend investigativen Journalismus, so Stewart, wäre seine eigene Show überflüssig. Besonders der den Republikanern nahestehende konservative amerikanische Nachrichtensender Fox News wurde von Stewart regelmäßig der Parteilichkeit und der Verbreitung von Desinformationen bezichtigt.

Aufmerksamkeit erregte Stewart auch durch seinen Auftritt in der beliebten CNN-Sendung Crossfire im Jahr 2004, in der er den überrumpelten Moderatoren dieser Politik-Talkshow, Tucker Carlson und Paul Begala, vorwarf, Zuschauer nicht etwa seriös und aufklärend über politische Themen zu informieren, sondern in ihrer Sendung stattdessen nur die Polarisierung der politischen Diskussion und die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft voranzutreiben: It's hurting America. Here is what I wanted to tell you guys: Stop... You have a responsibility to the public discourse, and you fail miserably ("Sie schadet Amerika. Dies ist, was ich euch sagen wollte: Hört auf... Ihr tragt Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Diskurs, und ihr versagt jämmerlich"). Die Sendung wurde wenig später von CNN eingestellt, ausdrücklich unter Verweis auf Stewarts Kritik.[2]

Neben der Daily Show war Jon Stewart auch in einigen Kinofilmen zu sehen, unter anderen in The Faculty, Half Baked, Tötet Smoochy, Big Daddy und Jay und Silent Bob schlagen zurück, und in Gastrollen in diversen Fernsehserien wie Chaos City, Die Nanny oder auch Die Simpsons. Zudem moderierte er 2006 und 2008 die Oscars und die Grammy Awards in den Jahren 2001 und 2002.

2014 führte Stewart bei dem Drama Rosewater Regie. Der Film, für den Stewart auch das Drehbuch schrieb, basiert auf den Memoiren Then They Came for Me vom iranisch-kanadischen Journalisten und Aktivisten Maziar Bahari und erzählt von dessen Inhaftierung 2009 im Iran.

Nachdem Stewart 2015 angekündigt hatte, die Moderation der Daily Show abzugeben, moderierte er nach rund 16-jähriger Tätigkeit seine letzte Sendung am 6. August 2015.[3]

2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 tauchte Jon Stewart anlässlich des Republikanischen Nominierungsparteitags, auf dem Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde, als Gast in Stephen Colberts Late Show with Stephen Colbert auf.[4] Sein Auftritt erreichte große Aufmerksamkeit, das YouTube-Video, in dem er auftritt, hatte 3 Tage nach seiner Veröffentlichung bereits fast 11 Millionen Aufrufe - mehr als jedes anderes Video der Late Show ().

HBO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jon Stewart kehrte nach der Daily Show zum Sender HBO zurück. Er unterschrieb einen Vertrag über 5 Jahre, der vorsieht, dass er kurze Videos für die Streaming-Angebote von HBO produziert.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stewart lebte 1987 zeitweilig im gleichen Haus wie der spätere Kongressabgeordnete Anthony Weiner.[5]

Im Jahr 2000 heiratete er seine langjährige Partnerin Tracey McShane. Das Paar hat zwei Kinder, einen am 3. Juli 2004 geborenen Sohn und eine am 4. Februar 2006 geborene Tochter.

Im Jahr 2004 erhielt Stewart von seiner früheren Universität die Ehrendoktorwürde.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stewart wurde insgesamt mit 19 Emmy Awards für seine Arbeit bei der Daily Show ausgezeichnet. Zudem erhielt er mit seiner Sendung zweimal den Peabody Award für die Segmente Indecision 2000 und Indecision 2004, der Berichterstattung der Daily Show während der US-Präsidentschaftswahlen in den entsprechenden Jahren.[6][7] Ebenfalls 2004 erhielt er, gemeinsam mit den Autoren der Daily Show, den Thurber Prize for American Humor für das Buch The Daily Show with Jon Stewart Presents America (The Book): A Citizen’s Guide to Democracy Inaction[8]. Stewart wurde auch in den 2005 Time 100 genannt, einer jährlich erscheinenden Liste der für das Jahr einflussreichsten Personen, die vom Time Magazine herausgegeben wird.

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jon Stewart – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Jon Stewart – Zitate (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jon Stewart, Sarcastic Critic of Politics and Media, Is Signing Off - New York Times vom 5. August 2015
  2. CNN Will Cancel 'Crossfire' and Cut Ties to Commentator – New York Times vom 6. Januar 2005
  3. Nils Minkmar: Letzte "Daily Show" mit Jon Stewart: Retter der Unterforderten. In: Spiegel Online, 6. August 2015. Abgerufen am 11. August 2015.
  4. Video des Auftritts auf youtube.com
  5. James Burnett: Life of the Party (englisch). In: New York Magazine, 3. Dezember 2001. Abgerufen am 25. August 2016. 
  6. [1] Laudatio Peabody Award 2000 (engl.)
  7. [2] Laudatio Peabody Award 2004 (engl.)
  8. Thurber Prize