Sparsarg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Josephinischer Gemeindesarg)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Josephinischer Gemeindesarg im Bestattungsmuseum Wien
Josephinischer Gemeindesarg – im Spiegel ist die zu öffnende Unterseite zu erkennen. Stadtmuseum Bad Saulgau (ehemals vorderösterreichisch)

Sparsarg, auch Josephinischer Gemeindesarg,[1] bezeichnet einen wiederverwendbaren Sarg, den der Reformkaiser Joseph II. 1785 in Österreich einführte.

Wie ein traditioneller Gemeindesarg und ein Pestsarg war dieser Sarg an der Unterseite mit einer Klappe ausgestattet, die mittels eines Hebels geöffnet werden konnte.[2] Er wurde mit der Leiche über das offene Grab gestellt und geöffnet, der in einen Leinensack gehüllte Leichnam fiel in das Grab und wurde mit gelöschtem Kalk bedeckt. So konnte der Sarg wiederverwendet werden. Jede Pfarre musste unentgeltlich derartige Särge zur Verfügung stellen[3], womit die oft vorschriftswidrig überhöhte Stolgebühr entfiel.[4] Die Bevölkerung – insbesondere in Wien – protestierte jedoch erfolgreich gegen dieses „gottlose Vorgehen“, worauf Joseph II. seine Weisung nach einem halben Jahr wieder zurücknahm. Trotz der kurzen Wirksamkeit dieses Erlasses haben sich im gesamten habsburgischen Herrschaftsgebiet einzelne Sparsärge erhalten, so etwa in Herznach im bis 1798 vorderösterreichischen Fricktal.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vom Totenbaum zum Designersarg. Zur Kulturgeschichte des Sarges von der Antike bis zur Gegenwart. Ausstellungskatalog, Museum für Sepulkralkultur Kassel, 2. Aufl., Kassel 1994, S. 75f.
  • Holz-Zentralblatt, Nr. 108, 23. August 2002, S. 1163: „Ka schöne leich“ – der Josephinische Klappsarg.
  • Museum für Sepulkralkunst: Kisten, Kutsche, Karavan. Auf dem Weg zur letzten Ruhe. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, Kassel 1999.
  • Verordnungen zu Leichenbegängnissen in: Handbuch aller … Verordnungen und Gesetze vom Jahre 1784. Band 6. Joh. Georg Moesle, Wien 1786, S. 565 (Digitalisat)
  • Verordnung zur Stolgebühr in: Handbuch aller … Verordnungen und Gesetze vom Jahre 1784. Band 6. Joh. Georg. Moesle, Wien 1786, S. 555 (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sparsarg auf „Die Welt der Habsburger“ aufgerufen am 29. Juni 2013
  2. Foto eines Sparsarges (Bestattungsmuseum Wien) aufgerufen am 29. Juni 2013
  3. Handbuch aller … Verordnungen und Gesetze vom Jahre 1784. Band 6. Joh. Georg Moesle, Wien 1786, Seite 550, Hofdekret vom 23. August und 13. September 1784
  4. Handbuch aller … Verordnungen und Gesetze vom Jahre 1784. Band 6. Joh. Georg Moesle, Wien 1786, Seite 539, Verordnung Gräz vom 19. Juni 1784
  5. Linus Hüsser: Der Herznacher „Pestsarg“. Ein Zeuge der josephinischen Reformpolitik. In: Vom Jura zum Schwarzwald 72 (1998), S. 59–62