Karenzzeit (Radsport)

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Unter Karenzzeit versteht man im Radrennsport die Zeit, die ein Fahrer nicht überschreiten darf, um bei Etappenrennen nicht aus dem Rennen genommen zu werden.

Nach dem Reglement des Weltradsportverbands UCI für internationale Etappenrennen wird die Karenzzeit durch das Sonderreglement des Veranstalters abhängig von der Charakteristik (Zeitfahren, Bergetappe, Flachetappe) der Etappe festgelegt. Dabei handelt es sich meist um einen prozentualen Zuschlag auf die Zeit des Siegers. Bei außergewöhnlichen Umständen (etwa Unwetter, Massensturz) kann die Jury eine Ausnahmeregelung treffen.

Fahrer, die trotz Überschreitens der Karenzzeit das Rennen fortsetzen dürfen, erhalten einen Abzug von Punkten in den Sonderwertungen. Die Anzahl der abgezogenen Punkte entsprach bis zum Saisonende 2017 in der Punktewertung der Anzahl an Punkten, die auf der jeweiligen Etappe der Etappensieger erhält; mit Beginn der Saison 2018 werden alle Punkte in allen Sonderwertungen, also auch der Bergwertung komplett gestrichen.[1]

Bei der Tour de France wurde das Zeitlimit 1950 eingeführt, um die Zeit zu begrenzen, bis die Sprinter und Wasserträger ins Ziel kamen. Das Sonderreglement der Tour de France bestimmt für Massenstartetappen Karenzzeiten von 3 % bis 22 % der Siegerzeiten: Zum Beispiel haben die Fahrer auf einer Flachetappe mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers von weniger als 36 km/h nur 3 % Spielraum, bei einer Flachetappe, die der Sieger mit durchschnittlich mehr als 50 km/h zurücklegt 11 % und bei einer kurzen schweren Bergetappe bei mindestens 40 km/h 22 %. Bei Einzelzeitfahren und Mannschaftszeitfahren beträgt die Karenzzeit unabhängig von der Durchschnittsgeschwindigkeit 30 % der Siegerzeit.[2]

Andere Etappenrennen treffen in ihren Reglements vergleichbare Sonderregelungen.

Um die Karenzzeit zu erreichen, schließen sich insbesondere bei schweren Etappen die abgehängten Fahrer zu einem Gruppetto zusammen. Dabei profitieren die Fahrer auch davon, dass die Jury oft eine Ausnahmeregelung trifft, wenn eine Vielzahl von Fahrern die Karenzzeit verpasst.

Die Karenzzeit wird oft kritisiert, da der Ausschluss eines Fahrers aus dem Rennen in Anbetracht der enormen Leistungen, die ein abgeschlagener Fahrer oder eine kleine abgeschlagene Gruppe vor allem in den Bergen erbringen muss, nicht belohnt wird und die erbrachte Leistung vielmehr oft wegen einer Überschreitung des Zeitlimits – um wenigen Minuten oder gar Sekunden – entwertet wird. Auf der anderen Seite dient die Karenzzeit der organisatorischen Abwicklung des mit erheblichen Straßensperrungen verbundenen Etappenrennens und verhindert, dass sich einzelne Fahrer zu intensiv auf einzelnen Etappen „schonen“ und damit auf folgenden Etappen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil haben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UCI-Reglement für den Straßenradsport, "Amendments to regulations as from 01.01.2018 Updated 01 October 2017", dort: 2.6.032 "Finishing deadline" (engl., PDF-Datei)
  2. vgl. für die Tour de France 2015: Reglement der Tour de France 2015 (PDF), dort: Article 22 "Délais d’arrivée" (französisch/englisch), abgerufen am 25. Juli 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]