Kettensteg

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Koordinaten: 49° 27′ 15″ N, 11° 4′ 15″ O

Kettensteg in Nürnberg
Kettensteg in Nürnberg
Kettensteg vom Südufer aus gesehen (2011)
Überführt Fußgänger
Unterführt Pegnitz
Ort Nürnberg
Gesamtlänge 68
Lage
Kettensteg (Bayern)
Kettensteg

Der Kettensteg ist eine Fußgängerbrücke in Nürnberg und überbrückt die Pegnitz. Sie gilt als die älteste erhaltene eiserne Kettenbrücke in Kontinentaleuropa.[1]

Sie befindet sich direkt am Altstadt-Ausfluss der Pegnitz vor der Fronveste zwischen dem Hallertor und der Kreuzgasse. Der schmale Steg ist rund 68 Meter lang und diente von Anbeginn an ausschließlich dem Fußgängerverkehr. Der Kettensteg gilt als ein technikgeschichtliches Denkmal und ist Teil der Historischen Meile Nürnbergs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neubau 1824[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kettensteg Blick nach Norden (2011)

Der Kettensteg diente als Ersatz für den hölzernen sogenannten Trockensteg. Nach einer Bauzeit von nur vier Monaten wurde er am 30. Dezember 1824 eingeweiht. Die Baukosten betrugen 3620 Gulden, 3,65 Tonnen Schmiedeeisen wurden verbaut. Entworfen und konstruiert wurde das Brückenbauwerk von Ingenieur Conrad Georg Kuppler, der auch an der Entstehung der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth beteiligt war.

Die Brücke hat zwei Öffnungen mit Stützweiten von jeweils 33 Metern. Der Kettensteg ist die älteste erhaltene eiserne Kettenbrücke auf dem europäischen Festland. Der zunächst namenlose Übergang erhielt seine Bezeichnung vom Volksmund. Sie bezieht sich auf die zahlreichen, jeweils drei Meter langen Kettenglieder, an denen die Brücke aufgehängt ist. Sie sind an drei fünf Meter hohen Pylonen befestigt und in massiven Widerlagern an beiden Uferseiten verankert. Diese Bauteile sind noch weitgehend im Original erhalten. Die ursprünglich aus Eichenholz gefertigten Pylone wurden allerdings nach schweren Beschädigungen durch Hochwasser 1909 durch die noch vorhandene Konstruktion aus Stahlfachwerk ersetzt.

Verstärkung 1930[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Zustands von 1930 bis 2010 mit den untergebauten Stützjochen, im Hintergrund die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Nägeleinsmühlen

Wegen der unzureichenden Querversteifung der Konstruktion konnten sich Schwingungen aufschaukeln, was die Stabilität gefährdete. Das wurde durchaus auch absichtlich hervorgerufen und war deshalb seit 1927 durch eine Polizeiverordnung[2] verboten. 1930 wurde der Steg durch seitliche Eisenträger versteift und mit vier Holzjochen abgestützt. Seither war die Hängekonstruktion ohne tragende Funktion und das Erscheinungsbild des Stegs stark beeinträchtigt. Nach 1930 gab es sowohl Bestrebungen zur Modernisierung als auch zum Abriss; in der Zeit des Nationalsozialismus wurde die aus der Frühindustriezeit stammende Brücke als Bruch im historischen Stadtbild angesehen, der im Rahmen der sogenannten Entschandelung bereinigt werden sollte. Der Kriegsausbruch verhinderte den 1939 bereits verfügten Abbruch.

Sanierung 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kettensteg über der Pegnitz, vor der Fronveste (2012). Der verstärkende Stahlträger ist aus einem normalen Blickwinkel nicht zu sehen.

Das nur für wenige Jahre vorgesehene Provisorium aus dem Jahre 1930 bestand dann fast sechs Jahrzehnte. Anfang Mai 2009 musste die Brücke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, da die Standsicherheit des Abstützungsprovisoriums nicht mehr ausreichend war.

2010 wurde mit der Sanierung begonnen; umfangreiche Spenden von Bürgern und Firmen ermöglichten es, den Originalzustand als Hängebrücke weitestgehend wiederherzustellen.[1][3] Die Konstruktion wurde zunächst vollständig abgetragen, die Widerlager wurden durch Kleinbohrpfähle verstärkt, die originalen Kettenglieder restauriert und zum Teil ersetzt. Die Brücke wurde als freitragende Hängebrücke wiedererrichtet. Die Konstruktion wurde durch einen flachen, unter die Gehbahn eingebauten Hohlkastenträger zusätzlich stabilisiert. Am 22. Dezember 2010 wurde die nahe dem Ursprungszustand wiederhergestellte Fußgängerbrücke wieder für den Verkehr freigegeben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uli Walter: Der Kettensteg in Nürnberg. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalpflege in Bayern – Brücken in Bayern – Geschichte, Technik, Denkmalpflege, Nr. 2, 2011. S. 74–75
  • Der Kettensteg schwingt! Denkmalgerechte Sanierung und Wiederherstellung des Kettenstegs in Nürnberg als Hängebrücke. BauLust Initiative für Architektur und Öffentlichkeit e. V., Nürnberg 2011. Online
  • Franz Sonnenberger: Der Brückenbauer. Conrad Georg Kuppler. Lebensbild des Nürnberger Technikpioniers an der Schwelle zum Industriezeitalter. Schrenk-Verlag Röttenbach 2017. ISBN 978-3-924270-89-6. Seite 47 bis 66

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kettensteg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pressemitteilung der Stadt Nürnberg (Memento des Originals vom 7. Oktober 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nuernberg.de
  2. Verordnung vom 19. Mai 1927: „Das Befahren des Kettenstegs mit Fahrzeugen aller Art ist verboten. Ferner sind alle Handlungen verboten, durch die der Steg in erhöhte Schwingungen versetzt werden kann, insbesondere Schaukeln, Gehen im Gleichschritt und Springen.“
  3. Kettensteg: Sanierung beginnt nächstes Jahr, Nürnberger Nachrichten vom 15. Dezember 2009