Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte

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Scientology-Demonstration gegen Psychiatrie in Edinburgh, Schottland

Der Verein Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) wurde 1969 durch die Scientology-Organisation und Thomas Szasz, Professor für Psychiatrie an der State University of New York, gegründet, einem prominenten Kritiker psychiatrischer Zwangsbehandlung. Er kämpft gegen das, was er als Menschenrechtsverletzungen durch die Psychiatrie ansieht.

Der deutsche Verein ist eine Schwester-Organisation der 1969 in den USA gegründeten Citizens Commission on Human Rights (CCHR) und wurde 1973 beim Amtsgericht München in das Vereinsregister eingetragen. Gemäß seiner Satzung will er „die Menschenrechte gegen Missbräuche durch die Psychiatrie und verwandte Gebiete sichern“ und Gesetzgeber, Behörden und Öffentlichkeit „über Fälle von Ineffektivität und schädlichen Auswirkungen psychiatrischer und psychologischer Methoden aufklären“.

Insbesondere prangert der Verein Psychopharmaka und die Elektrokrampftherapie an und in den letzten Jahren die Diagnose und Behandlung von ADHS. Dabei wird der psychiatrische Ansatz sowie Todesfälle, die angeblich durch Einfluss psychotroper Substanzen bewirkt wurden (etwa Ritalin-Verschreibung im Kindesalter), als Gründe angegeben.[1] In den Broschüren des Vereins wird die heutige Psychiatrie häufig mit den Missbräuchen der Psychiatrie in der Nazi-Zeit gleichgesetzt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein vertritt bezüglich Psychiatrie die gleiche Sichtweise wie die Scientology-Organisation. Ursula Caberta, Leiterin der Scientology-kritischen Hamburger Arbeitsgruppe Scientology, nannte den Verein im Oktober 2002 einen „radikalen Arm von Scientology, der vordergründig Missstände anprangert, auf diese Weise aber Menschen in die Organisation hineinzuziehen versucht.“[2] Eine Klage durch Scientology dagegen wurde vom Verwaltungsgericht Hamburg abgewiesen, ein Antrag auf Berufung im Juli 2007 zurückgenommen.[3] Lynn Schultz-Writsel von der American Psychiatric Association sagt über die KVPM-Broschüre „Psychiatrie begeht Betrug“: „Wir haben in keiner Weise darauf reagiert. Es gab keine heftigen Reaktionen von Mitgliedern, darauf zu antworten. Und jedenfalls spricht die Veröffentlichung für sich selbst.“ Kevin Dwyer von der amerikanischen National Association of School Psychologists sagt, dass er sich nicht so sehr darüber Sorgen macht, dass die Leute die Psychiatrie-Broschüren von CCHR über ADHS ernst nehmen würden. „Was mir Sorgen macht“, erklärte er, „ist, dass Leute dieses Material aus zweiter Hand zitieren, ohne die Scientology-Organisation als Quelle anzugeben.“[4]

Louis Jolyon West, Professor für Psychiatrie an der Universität von Los Angeles und Menschenrechtsaktivist, schrieb 1991: „Die CCHR wurde 1969 gegründet, um psychiatrische ‚Verstöße gegen die Menschenrechte‘ zu untersuchen und zu veröffentlichen. Zu diesen ‚Verstößen‘ gehört die fachliche Anwendung der Elektrokrampftherapie, die Anwendung von Ritalin bei Kindern mit Konzentrationsstörungen und tatsächlich jede psychiatrische medizinische Behandlung durch Anwendung von Phenothiazinen bis Prozac. Sie erklärten tatsächlich der Newsweek den Krieg, als diese in einer Ausgabe eine Titelgeschichte über Prozac brachte.“[5]

Steven Sharfstein, Präsident der American Psychiatric Association im Jahr 2006, verglich die vor einer Psychiater-Tagung protestierenden Scientologen mit Wissenschaftsgegnern aller Art:

„Als Ärzte suchen wir auf wissenschaftlicher Grundlage nach der Wahrheit, und erreichen reproduzierbare Ergebnisse durch Forschung. Die draußen protestierenden Scientologen repräsentieren das Gegenteil der Wahrheitssuche. Sie bilden eine allgemeine Antiwissenschaftsbewegung gemeinsam mit solchen Gruppen wie den Verteidigern des Intelligent Design, Fanatikern der sexuellen Abstinenz, Leugnern der globalen Erwärmung, Lobbyisten gegen Impfungen, Schwulenhassern, und Gegnern der Stammzellforschung. (As physicians we search for the truth based on science, producing replicable results through research. The Scientologists protesting outside ... represent the opposite of the search for truth. They are joined in a general movement against science by such groups as the intelligent design advocates, abstinence-only fanatics, global warming deniers, anti-vaccination lobbies, gay bashers, and stem cell research rejecters.)

Steven Sharfstein (2006)[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scientology gegen Ritalin, von Ingo Heinemann
  2. Scientology-Beauftragte Caberta zieht nach zehn Jahren im Amt positive Bilanz, Die Welt, 29. Oktober 2002
  3. Behörden-Aufklärung über Scientology weitgehend zulässig, AFP, 18. Juli 2007
  4. Psychiatric Profession Current Target of Citizens Commission on Human Rights, Psychiatric Times, November 1996 (englisch)
  5. Dokumentation: Zwischen Scientology und Psychiatrie herausgegeben vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e. V. (PDF; 2,0 MB)
  6. Presidential Address in Toronto, American Journal of Psychiatry, Oktober 2006, von Steven S. Sharfstein