Kommunikative Wende

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Bis zu den 1970er Jahren dominierte in Schulen und Universitäten der Frontalunterricht. Ab diesem Zeitpunkt wurden Verfahren entwickelt, die auch eine Kommunikation zwischen den Schülern und Studenten ermöglichen. In diesem Zusammenhang spricht man von Kommunikativer Wende.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere für den Fremdsprachenunterricht bezeichnet der Begriff Kommunikative Wende einen zentralen, in den 1970er Jahren erfolgten und heute noch hochwirksamen Paradigmenwechsel. Solange Unterricht als Vermittlung eines vorliegenden Stoffes von einer Quelle zu einer Gruppe (instruktionistisches Modell) verstanden wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit auf die Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler. Heute, insbesondere auf dem Hintergrund konstruktivistischer Theorien, wird die Kommunikation im Unterricht als multipolarer Prozess verstanden (vgl. Martin/Oebel, 2007[1]), mit zahlreichen Wissensquellen und Impulsgebern und ebenso vielen Abnehmern von Informationen, inklusive des Lehrers. Mit der Verbreitung der neuen Kommunikationsmittel, wie des Internets, wird sich dieser Prozess noch verschärfen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Fremdsprachenunterricht leitete der Englischdidaktiker Hans-Eberhard Piepho[2] in Deutschland 1974 mit seinem Buch "Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Lernziel im Englischunterricht" die kommunikative Wende als Reaktion auf den in den 1970er Jahren herrschenden Behaviorismus ein. Während im Behaviorismus die Bildung von Sprachreflexen über Imitation und Repetition angestrebt war, was zu Eintönigkeit und Begrenzung des Lernvorgangs führte, betonte Piepho die Bedeutung der Authentizität der Kommunikation. Der Lerner sollte die Möglichkeit im Unterricht bekommen, als sich selbst zu sprechen und reale Sprechintentionen zu verwirklichen. Allerdings barg dieser Ansatz auch die Gefahr, dass die Qualität der Inhalte und der Sprache – also die kognitive Dimension – leiden und aus dem Blick geraten könnte. Nach Piephos kommunikativer Wende stellte sich die Frage einer Integration von Habitualisierung (Reflexbildung), Kognitivierung (Qualität der Inhalte) und Kommunikation (Authentizität der Sprechintention).

Aktueller Stand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Lösung dieses Dilemmas scheinen im Fremdsprachenunterricht Konzepte zu bieten, die Schüler punktuell oder durchgehend zum Unterrichten einsetzen. Durch die Aufgabe, den Stoff ihren Mitschülern zu vermitteln, richtet sich die Aufmerksamkeit der Schüler intensiv auf die Lerninhalte und ihre Darstellung (Kognitivierung), während der Stoffvermittlung wird die Zielsprache verwendet (Habitualisierung) und die Schüler sprechen authentisch, denn sie wollen wirklich Sprechintentionen realisieren (authentische Kommunikation). Als Globalziel bei der Kommunikation wird angestrebt, gemeinsam Wissen zu konstruieren (vgl. u. a. Lernen durch Lehren).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean-Pol Martin, Guido Oebel (2007): Lernen durch Lehren: Paradigmenwechsel in der Didaktik?, In: Deutschunterricht in Japan, 12, 2007, 4-21 (Zeitschrift des Japanischen Lehrerverbandes, ISSN 1342-6575)
  2. Hans-Eberhard Piepho (1974): Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Lernziel im Englischunterricht. Limburg: Frankonius 1974