Kontorhaus Leder-Schüler

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Aktuelle Ansicht zum Heidenkampsweg. Der Schriftzug an der Dachfassade lautete ursprünglich LEDER-SCHÜLER-WERKE.

Das Kontorhaus Leder-Schüler am Heidenkampsweg in Hamburg-Hammerbrook wurde 1928 für ein lederverarbeitendes Unternehmen erbaut. Das von Fritz Höger entworfene Gebäude in dezent expressionistischem Architekturgewand mit dunkler Klinkerfassade und grünen Sprossenfenstern steht heute unter Denkmalschutz.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössische Fotografie von Carl Dransfeld, mit Blick auf die Fassade zur Nordkanalstraße. Zu erkennen ist der ursprüngliche Hochhaus-Charakter durch die noch niedrige Seitenbebauung.

Stilistisch finden sich Anleihen zu den ersten Wolkenkratzern in Chicago.[1]:43 Dies betrifft die oberste Fensterreihe zum Heidenkampsweg, die kleinteilige Gestaltung der Hauptfassade mit gleichtaktigen Blockreihen und die Auslegung des Gebäudes als „vielgeschossiger Container“[1]:43 zum Zwecke der Herstellung und Vermarktung. Auch für die kubischen Verschachtelungen bediente sich der Architekt Fritz Höger bei den amerikanischen Vorbildern.[2]:285 Typisch für Höger ist das Konzept der Staffelgeschosse: Den Haupt-Baukörper flankierende Nebenbauten lassen die Schmalseite an einen Stufengiebel erinnern. Eine ähnliche Gestaltung findet sich bei dem Kesselhaus in Rendsburg, der Friedhofskapelle in Delmenhorst oder beim Rathaus Wilhelmshaven.[2]:313 Daneben gibt es beim Kontorhaus Leder-Schüler charakteristische Eigenschaften, die der Amsterdamer Schule folgen: die unterschiedlich ausgearbeiteten Fassaden zu den angrenzenden Straßen oder der wie ein Hochhaus hervorragende Baukörper zur Nordkanalstraße (dieser Eindruck wurde später durch eine Aufstockung des Nebengebäudes an der Nordkanalstraße stark verändert). Die den Block bestimmende Expressivität ist ebenfalls typisch für die Amsterdamer Schule.[1]:43 Das Kontorhaus überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, trotz Flächenbombardements auf das industriell geprägte Hammerbrook.[1]:124

Beherbergte Musiklokale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kellerräume des Gebäudes beherbergten bedeutende Locations der Hamburger Szene: Ab 1946 das „Tangorett“, ab 1965 der „Cotton Club“, ab 1966 das „Danny’s Pan“, Anfang der 80er das „Noise“, ab 1985 das „FRONT“, ab 1997 das „Chocolate City“. Bis 2012 befand sich hier der Musikclub „Shake!“.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kontorhaus Leder-Schüler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Piergiacomo Bucciralli: Fritz Höger. Hanseatischer Baumeister 1877-1949. Vice Versa Verlag, Berlin, 1992. ISBN 3-9803212-0-7.
  2. a b Matthias Schmidt: Der Dom der Sterne. Fritz Höger und das Anzeiger-Hochhaus in Hannover - Architektur der zwanziger Jahre zwischen Kosmologie und niederdeutschen Expressionismus. Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 2, herausgegeben von Karl Arndt. Lit Verlag, Münster, 1995. ISBN 3-89473-457-4.

Koordinaten: 53° 33′ 4″ N, 10° 1′ 33″ O